Der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM) hat letzte Woche „unseriöse Dämmversprechen“ bei Anbietern so genannter Energiesparfarben kritisiert. Die Angaben der Hersteller zur Wärmeleitfähigkeit der Farben und zur möglichen Energieeinsparung würden einer wissenschaftlichen Prüfung nicht standhalten. Jüngste Untersuchungen hätten ergeben, dass die Beschichtungen energetisch wirkungslos seien.
Die Kritik des VDPM bezieht sich auf Werbung für „wärmedämmende Farben“ oder „energiesparende Anstriche“. Viele Anbieter solcher Produkte versprechen unter anderem weniger Heizkosten und mehr Klimaschutz. „Innovative Produkte müssen sich an objektiven Prüfstandards messen lassen“, sagt in diesem Zusammenhang VDPM-Geschäftsführerin Antje Hannig. Zusammen mit dem Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) hat der VDPM daher das Institut für Bauphysik der Leibniz Universität Hannover beauftragt, eine dieser Energiesparfarben genauer zu untersuchen.
Unrealistischer Lambda-Wert
Die Wahl fiel auf die Farbe „Bauter Nano-Dämmung“ der Berliner Firma Bauter Deutschland GmbH. Nach Angaben des Herstellers besteht seine Farbe aus kleinen vakuumierten Polymer-Mikrokugeln mit einem Durchmesser von 0,0004 mm bis 0,005 mm, welche die Wärmestrahlung reflektieren und so die Wärme im Gebäudeinneren halten sollen. Nach VDPM-Angaben wurde die Nano-Dämmung mit einer extrem niedrigen Wärmeleitfähigkeit von lediglich 0,0000877 W/mK (Lambda-Wert) beworben, bestätigt durch ein Zertifikat des polnischen TÜV Rheinland von Juni 2024.

Zur Einordnung dieses Leistungsversprechens zitiert die VDPM-Pressemitteilung Dr. Ing. Ayman Bishara, Professor für Bauphysik an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Holzminden: „Selbst Hochleistungsdämmstoffe wie Vakuumisolationspaneele (VIP) erreichen nur λ ≈ 0,002–0,006 W/mK. Der von Bauter angegebene Wert von 0,0000877 W/mK unterschreitet diesen Bereich um den Faktor 30 bis 60 und liegt damit nahezu auf dem Niveau eines Vakuums, das als einziges physikalisches System eine annähernd verschwindende Wärmeleitung aufweist. Für eine Beschichtung aus organischen Bindemitteln, Pigmenten und Additiven ist ein solcher Wert grundsätzlich nicht erreichbar.“
Wärmedämmung nicht messbar
VDPM und VdL wollten es genauer wissen und haben die Bauter Nano-Dämmung an der Universität Hannover untersuchen lassen. In einer Klimakammer wurde das thermische Verhalten der Farbe untersucht. Dafür wurde diese auf einen würfelförmigen Versuchskörper aufgetragen. Um Vergleichswerte ermitteln zu können, wurden in derselben Kammer zwei identische Versuchskörper mit einer herkömmlichen Fassadenfarbe beziehungsweise mit einer herkömmlichen Wärmedämmung (EPS 032, Dicke 20 cm) beschichtet.
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Nabil A. Fouad und Dr.-Ing. Torsten Richter kamen zu einem klaren Ergebnis: Die „Bauter Nano-Dämmung“ verhalte sich wie der Probekörper „Neutrale Farbe“ und zeige keine messbare wärmedämmende Wirkung. Der Versuchskörper mit EPS 032 zeigte die mit großem Abstand beste Wärmedämmwirkung.
„Die Ergebnisse helfen, Klarheit im Markt zu schaffen, unseriöse Dämmversprechen zu entlarven und nicht begründete Zuschüsse als Einzelmaßnahmen oder als Komplettsanierung beim BAFA oder bei der KfW zu verhindern“, sagt VDPM-Geschäftsführerin Antje Hannig.
Die beiden Verbände haben ein gemeinsames Positionspapier zum Thema veröffentlicht. Es steht auf ihren Webseiten zum Download zur Verfügung. Auch der Prüfbericht des Instituts kann dort eingesehen werden ( Direktlink zu den Downloads auf der VDPM-Website).
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