Die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Fassadenpreises 2024 für Vorgehängte Hinterlüftete Fassaden (VHF) stehen fest. Am 24. Oktober wurden fünf Projekte in vier Kategorien bei einer feierlichen Preisverleihung in Frankfurt/Main geehrt. Der auslobende Fachverband für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (FVHF) vergab die renommierten Architekten-Auszeichnungen in diesem Jahr zum 15. Mal.
Der Deutsche Fassadenpreis für VHF ehrt nach Angaben des FVHF „Projekte, die nicht nur technisch überzeugen, sondern mit kreativen Ansätzen neue Maßstäbe setzen und die gebaute Umwelt nachhaltig prägen“. Im Mittelpunkt stehen dabei natürlich vorgehängte hinterlüftete Fassaden ( VHF ), deren Verwendung Voraussetzung für die Preisnominierung ist. Das Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro wird dieses Jahr auf die fünf siegreichen Architekturbüros aufgeteilt.
Die diesjährige Preisverleihung fand im „NEXT Facade and Design Studio by WICONA + Partners“ in Frankfurt am Main statt, in dem sich neben den Nominierten etwa 120 Gäste aus Architektur, Bauindustrie und Politik einfanden. Sowohl die nominierten und ausgezeichneten Arbeiten als auch diejenigen, die von der Jury in die zweite Runde gewählt wurden, werden in Kürze auf der FVHF-Website sowie im Januar 2025 auf dem Messestand des Verbandes auf der BAU in München präsentiert.
Kategorie „Das besondere Detail“
In der Kategorie „Das besondere Detail“ ging der Preis an Staab Architekten für ihre Fassade des Erweiterungsbaus des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Der Entwurf entwickelt seine Spannung aus dem Gegensatz des durchgehenden, monolithisch wirkenden Sockelgeschosses und den aufgehenden Kuben der Türme (siehe Foto ganz oben).

Die Glas-Alufassade der Kuben reflektieren die Farben des Himmels und lassen sie so optisch zurücktreten. Die Materialauswahl berücksichtigt die hohen Anforderungen in Meeresnähe: Prallscheiben vor der Außenverschattung, eloxierte Blechbekleidungen in den Obergeschoßen, im Sockel vorkorodierte Stahlbleche. Die Jury wertete den Beitrag von Staab Architekten insgesamt als eine beispielhafte Anwendung von vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden.
Kategorie „Bauen im Bestand“
In der Kategorie „Bauen im Bestand“ gab es zwei Gewinner: Knoche Architekten zusammen mit Michael Schmid Architekten sowie Soll Sasse Architekten.

Beim Umbau der ehemaligen Hauptpost in Augsburg spielten Knoche Architekten und Michael Schmid Architekten mit Kontrasten: Dem bestehenden steinernen Baukörper wurde ein leichter metallischer Dachaufbau entgegengesetzt, der sich geometrisch auf Höhe der ehemaligen Traufe klar vom Bestand absetzt und in seiner Charakteristik deutlich die Trennung zwischen Alt und Neu markiert. „Im Kontext des Bauens im Bestand“, so die Jury, „setzt der innovative Einsatz des Materials in Verbindung mit seiner Wiederverwertbarkeit und damit Wandelbarkeit einen starken Standpunkt für eine zukunftsweisende und nachhaltige Architektur“.

Bei der Sanierung der Stadthalle Göttingen entschieden sich Soll Sasse Architekten, die bestehenden Keramikkacheln der Fassadenbekleidung wiederzuverwenden und durch Kacheln in zwei neuen Farben sowie neuer Relief-Geometrie zu ergänzen.
Die Jury überzeugte der „souveräne und gleichzeitig sensible Umgang“ mit dem Thema Wiederverwertung von Baumaterialien. Dabei wurde die Fassadenkonstruktion in eine klassische hinterlüftete Fassade umgestaltet. Das Projekt zeige „in vorbildlicher Weise, wie bei Projekten der Nachkriegsmoderne die Identität des Gebäudes erhalten und gleichzeitig neu zum Strahlen gebracht werden kann“, so die Jury.
Kategorie „Modulares Bauen“
Beim Neubau des Gefahrenabwehrzentrums Gießen durch TRU Architekten stellte die Jury „die Eleganz und schlüssige Situierung der Fassade“ als besonders gelungen heraus.

Die einfache Methode, das Faltblech zu drehen, sorge für Spannung und ein interessantes Lichtspiel. Die horizontale Schichtung offenbare die Nutzungen nach außen durch die unterschiedlichen Raumhöhen und die Höhe der Bänder.
Das Projekt sei „durch seine Schlichtheit und Ästhetik ein Gewinn für die Stadt Gießen und ein hervorragendes Beispiel für den erfolgreichen Umgang mit Baukultur“, würdigte die Jury das Projekt.
Kategorie „Junge Architekten (U45)“
Beim Neubau des Studio D in Berlin entschieden sich Pasztori Simons Architekten für eine Stahlrahmenkonstruktion, die den darunterliegenden S-Bahntunnel wie eine Brücke überspannt.

Die Gebäudehülle ist mit einem feinen Schindelwerk aus 6 cm breiten Schuppen versehen. Statt aber die Vorderseite der Schindeln zu nutzen, wurde die Rückseite nach vorne gedreht und mit einem transparenten, eigens für das Projekt entwickelten UV-Schutz behandelt.
Die Jury überzeugte die Herangehensweise, einen einfachen Baukörper in ein Stück Architektur zu überführen. Statt der Verwendung teurer Materialien wurde „eine herkömmliche Fassadenverkleidung durch Kreativität in ein besonderes Detail verwandelt“, so die Jury.