Eine Gruppe von Preisträgern bei der feierlichen Verleihung des Deutschen Fassadenpreises 2026 für vorgehängte hinterlüftete Fassaden, präsentiert vor einer Bühne mit offizieller Beschriftung.
Alle fünf Preisträgerinnen und Preisträger zusammen mit ihren Bauherrschaften gemeinsam auf der Bühne. (Quelle: Dennis Neuschaefer-Rube)

Aktuell 2026-10-26T08:00:00Z VHF-Fassadenpreis verliehen

Der Fachverband Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (FVHF) hat Mitte Oktober den 16. Deutschen Fassadenpreis für vorgehängte hinterlüftete Fassaden verliehen. Ausgezeichnet wurden fünf Preisträger in vier Kategorien.

Die feierliche Verleihung des seit 1999 ausgelobten Fassadenpreises für vorgehängte hinterlüftete Fassaden ( VHF ) fand am 15. Oktober 2026 im Deutschen Architektur Zentrum in Berlin statt. Folgende fünf Architekturbüros wurden dieses Jahr ausgezeichnet: Büro Voigt, Riehle Koeth, Augustin und Frank/Winkler Architekten, Modersohn & Freiesleben Architekten sowie Allmannwappner. Das Spektrum der prämierten Bauobjekte reicht von der Sanierung historischer Theaterwerkstätten über ein Biotechnologiezentrum bis hin zu Schul- und Sozialbauten sowie einem Wohn- und Büroensemble.

Preisträger „Bauen im Bestand“

Der Preis in der Kategorie „Bauen im Bestand“ ging an das Büro Voigt für die Sanierung der Fassaden an den Theaterwerkstätten Eisenach. Die Jury würdigte die präzise, handwerklich geprägte Lösung, die vorhandene Substanz bewahrt, technische Anforderungen integriert und zugleich reparaturfreundlich und reversibel bleibt.

Ein markanter, abgesägter Baumstamm im Vordergrund vor der modernen, hellen Fassade eines sanierten Gebäudes mit großen Fensterfronten.
Bei den Theaterwerkstätten wurden die vorhandenen Fenster und Sonnenschutzelemente weiterverwendet. (Quelle: Philip Heckhausen)

Das Projekt zeigt beispielhaft, wie energetische Ertüchtigung, Weiterbauen im Bestand und architektonische Identität in der Praxis zusammenfinden können. Die bestehende Putzfassade wurde additiv gedämmt und mit einer horizontalen Holzschalung als VHF versehen. Die vorhandenen Fenster und Sonnenschutzelemente konnten weiterverwendet werden. Horizontale Brandschotts erscheinen bewusst als Gesimse und werden so Teil der Gestaltung.

Preisträger „Das besondere Detail“

Beim der vom Büro Riehle Koeth entworfenen Fassade des Biotechnologiezentrums Tübingen verbindet die VHF architektonische Klarheit mit technischer Präzision. Filigrane Lisenen (senkrechte Mauervorsprünge) und gewelltes Aluminiumlochblech bündeln unterschiedliche Funktionen zu einem ruhigen Fassadenbild. Die perforierte Hülle dient zugleich als Sonnen- und Sichtschutz und integriert die dezentrale Lüftung.

Ein modernes Bürogebäude mit einer markanten, strukturierten Fassade aus Metall und Glas, ergänzt durch angrenzende zylindrische Baukörper. Das Gebäude ist in eine gepflegte Außenanlage mit jungen Bäumen und Pflanzbeeten eingebettet, während im Hintergrund eine Sternwarte zu sehen ist.
Beim Biologiezentrum überzeugte die Jury besonders das Wechselspiel zwischen Strenge und Transparenz. (Quelle: Brigida González)

Die Jury überzeugte besonders das Wechselspiel zwischen Strenge und Transparenz sowie die selbstverständliche Integration von Verglasung, Brüstungen, Öffnungselementen und Gebäudetechnik. Deshalb zeichnete sie das Biotechnologiezentrum mit dem diesjährigen Fassadenpreis in der Kategorie „Das besondere Detail“ aus.

Preisträger „VHF-Funktionsfassade“

In der Kategorie „VHF-Funktionsfassade“ wurde das Ensemble von Schulmensa und Stadtteilzentrum in Pasewalk ausgezeichnet. Mit der neuen vorgehängten Fassade zeigt das Büro Augustin und Frank/Winkler Architekten laut Jury, wie die Gebäudehülle zum zentralen Bestandteil eines Low-Tech-Konzepts werden kann.

Ein modernes Stadtteilzentrum mit einer hellen Wellblechfassade und großen Glasfronten, eingebettet in eine begrünte Außenanlage unter einem bewölkten Himmel.
Bei dem Projekt aus Pasewalk schaffen geschlossene und perforierte Trapezblechflächen unterschiedliche Transparenzen. (Quelle: Andrew Alberts)

Geschlossene und perforierte Trapezblechflächen schaffen unterschiedliche Transparenzen, unterstützen solare Wärmegewinne und natürliche Nachtauskühlung und übernehmen zugleich den sommerlichen Wärmeschutz .

Die Jury hob hervor, dass die Fassade nicht nur technisch überzeugt, sondern auch einen sozialen Beitrag leistet: Das Gebäude stärkt als neuer Treffpunkt das gemeinschaftliche Miteinander im Quartier.

Sonderpreis „VHF-Holzbekleidung“

Der erstmals ausgelobte Sonderpreis VHF-Holzbekleidung ging an zwei Projekte, die das gestalterische und konstruktive Potenzial von Holz auf unterschiedliche Weise zeigen.

Beim Haus im Park verbinden sich rot lasierte Lärchenholzfassaden mit geneigten „Brandschürzen“ aus Faserzement.
Beim Haus im Park verbinden sich rot lasierte Lärchenholzfassaden mit geneigten „Brandschürzen“ aus Faserzement. (Quelle: Sebastian Schels)

Bei der neuen Fassade des Berliner „Haus im Park“ – entworfen von Modersohn & Freiesleben Architekten – verbinden sich rot lasierte Lärchenholzfassaden mit geneigten „Brandschürzen“ aus Faserzement zu einem charakteristischen Fassadenbild. Die Jury würdigte das Projekt als „elegant, fröhlich und pragmatisch zugleich“ und hob die sensible Materialwahl und Detailausbildung hervor.

Eine architektonische Außenansicht eines modernen Wohnkomplexes, der aus zwei unterschiedlichen Fassadenstrukturen besteht: eine Seite in Grautönen mit orangen Akzenten und Balkonen, die andere Seite in einer markanten grünen und gelben Farbgestaltung.
Das Wohn-und Bürogebäude Vinzent fällt durch seine lebendige, vielschichtige Gestaltung auf. (Quelle: Kim Fohmann)

Der zweite Sonderpreis ging an das Wohn- und Büroensemble „Vinzent“ in München – entworfen vom Büro Allmannwappner. Bei diesem Projekt wurde der Holzbau in einen gründerzeitlich geprägten Stadtraum integriert. Vorgefertigte hinterlüftete Holzfassaden, ornamentierte Oberflächen, kräftige Farbakzente und integrierte Begrünung schaffen eine eigenständige zeitgenössische Interpretation des Quartiers. Die Jury überzeugten sowohl die Bewältigung der komplexen bauphysikalischen Anforderungen als auch die lebendige, vielschichtige Gestaltung.

Baustoff-Fachwissen verständlich erklärt: Jetzt Newsletter abonnieren!

Der BaustoffWissen-Newsletter bringt Sie thematisch immer auf den neuesten Stand. Sie erhalten die Branchen-News dann zwei Mal monatlich.

zuletzt editiert am 22. Oktober 2026
Newsletter