Ein detailliertes Nahaufnahme-Foto des natureplus Gütesiegels, das auf eine braune Kartonverpackung gedruckt ist. Das Logo besteht aus einem blauen Kreis, einem grünen Haus-Symbol und einem orangefarbenen Haken, ergänzt durch die Identifikationsnummer 3501-999-0101.
Etwa 600 Bauprodukte tragen derzeit das Natureplus-Umweltzeichen. (Quelle: natureplus)

Panorama 2026-09-01T07:00:00Z Was ist das Natureplus-Zeichen?

Das Natureplus-Umweltzeichen wird seit 2002 an Bauprodukte vergeben, die hohe Qualitätsnormen in Sachen Nachhaltigkeit erfüllen. Das unabhängig geprüfte Label gibt Verbrauchern und Bauprofis Orientierung bei der Produktsuche und hilft Herstellern bei ihrer produktbezogenen Nachhaltigkeitskommunikation. Die neue EU-Richtlinie EmpCo macht glaubwürdige Label in diesem Bereich wichtiger denn je.

Hinter dem Label steht der 2001 gegründete Natureplus-Verein mit Sitz im baden-württembergischen Neckargemünd. Das Umweltzeichen ist heute aber europaweit vertreten. Etwa 600 Bauprodukte dürfen es mittlerweile tragen. Dass es nicht schon viel mehr sind, liegt nicht zuletzt an den anspruchsvollen und umfassenden Anforderungskriterien für die Zertifikatsvergabe. Der Natureplus e.V. selbst beschreibt sein Umweltzeichen als das „umfassendste und anspruchsvollste Typ-I-Label für Bauprodukte in Europa“.

Glaubwürdiges Nachhaltigkeits-Label

Typ-I-Label nach EN ISO 14024 bedeutet unter anderem, dass es sich um ein freiwilliges Produktlabel handelt, das von unabhängigen Dritten kontrolliert wird und auf mehreren Umweltkriterien zugleich basiert. Dabei ist der gesamte Lebenszyklus der Produkte – von ihrer Herstellung über die Nutzung bis hin zur Entsorgung – zu berücksichtigen. Typ-I-Label wie Natureplus oder auch der „Blaue Engel“ bescheinigen Produkten eine vergleichsweise gute Umweltleistung innerhalb einer konkreten Produktgruppe.

Laut Natureplus e.V. ist das Natureplus-Umweltzeichen das „einzige europäische Umweltlabel, dessen strenge, wissenschaftlich fundierte Kriterien konsequent auf drei zentralen Säulen beruhen: Klimaschutz, Wohngesundheit und Ressourcennachhaltigkeit“. Viele andere Umweltsiegel konzentrieren sich nur auf Teilaspekte der Nachhaltigkeit , etwa auf das Emissionsverhalten von Bauprodukten ( VOC ) oder auf deren Recyclinganteil. Natureplus ist breiter aufgestellt. Die Glaubwürdigkeit des Labels profitiert zudem von der Unabhängigkeit der Prüforganisation. Das macht Natureplus zu mehr als einem bloßen Herstellerversprechen.

Alle bislang Natureplus-zertifizierten Produkte sind in der Natureplus Database gelistet. Dort finden interessierte Verbraucher und Bauprofis auch die wesentlichen produktspezifischen Daten und Prüfergebnisse. Hersteller, die an einer Natureplus-Zertifizierung interessiert sind, können sich über die umfangreichen Vergabeanforderungen auf der Website des Natureplus Institute SCE informieren (Direktlink zu den Vergabekriterien hier ).

Das Natureplus-Institut ist eine vom Natureplus-Verein unabhängige europäische Genossenschaft, die als Prüfinstitut für die Organisation und Durchführung der Natureplus-Zertifizierungen zuständig ist. Die Prüfungen erfolgen entlang der Kriterien Klimaschutz, Wohngesundheit und Ressourcenschonung und umfassen neben einer Kontrolle der Inhaltsstoffe sowie einer Emissionsprüfung auch die Inspektion der Fertigungsstätten. Die Produktprüfungen werden regelmäßig wiederholt, die Gültigkeit der Natureplus-Zertifikate beträgt drei bis fünf Jahre.

Umfassende Kriterien

Das Natureplus-Umweltzeichen darf nur auf Bauprodukte gedruckt werden, die zu mindestens 85 % aus nachwachsenden oder reichlich vorhandenen mineralischen Rohstoffen oder recycelten Rohstoffen bestehen. Auf fossile Rohstoffe müssen die Hersteller so weit wie möglich verzichten. Nachwachsende Rohstoffe sind aus nachhaltiger Land-/Forstwirtschaft zu beziehen. Die Bauprodukte müssen zudem langlebig und kreislauffähig sein.

Natureplus-zertifizierte Produkte werden zudem streng auf Schadstoffe und Emissionen geprüft (nach DIN EN 16516) und müssen wohngesund sein. Die Zertifizierung umfasst ferner die Erstellung einer Ökobilanz (Phasen A1 bis A3) und eines CO2-Fußabdrucks. All diese Prüfungen und Analysen sollen garantieren, dass die Bauprodukte weder die Umwelt noch die menschliche Gesundheit durch schädliche Stoffe belasten. Die vom Natureplus Institute organisierten Betriebsinspektionen sollen zudem sicherstellen, dass auch der Herstellungsprozess der Produkte energieeffizient und nachhaltig erfolgt.

Die Komplexität der Label-Kriterien kann hier nur angedeutet werden. Die ausführlichen Vergaberichtlinien stehen wie gesagt auf der Website des Natureplus Institute (siehe oben). Dort sind sowohl die Grundlagenrichtlinie als auch die jeweilige produktspezifische Richtlinie einsehbar.

Das Natureplus-Umweltzeichen darf von Herstellern nur im Zusammenhang mit dem jeweils zertifizierten Produkt verwendet werden. Es ist eben ein Produktlabel, kein Unternehmenslabel und auch kein Gebäudelabel. Als solches ist es aber bei allen großen Gebäudezertifizierungssystemen ( DGNB , BREEAM, LEED, BNB) als Nachweis anerkannt.  

Selbstverständlich sind Natureplus-zertifizierte Bauprodukte auch konform mit dem staatlichen Qualitätssiegel für nachhaltiges Bauen ( QNG-Siegel ). Sie erfüllen also die Anforderungen der deutschen Bundesförderung für effiziente Gebäude ( BEG ).

Neuer „Sustainability Passport“

Neben dem eigentlichen Umweltzeichen hat Natureplus im Frühjahr 2026 ein zusätzliches Instrument für die produktbezogene Nachhaltigkeitskommunikation eingeführt: den Sustainability Passport („Nachhaltigkeitspass“). Dieses Dokument bündelt alle geprüften Nachhaltigkeitsinformationen eines Bauprodukts und gleicht diese mit den Anforderungen führender Gebäudelabel ab. Laut Natureplus kann der Pass zahlreiche Einzelnachweise ersetzen.

Ansicht eines natureplus Sustainability Passport Dokuments, das Informationen zu Nachhaltigkeitskriterien, Inhaltsstoffen und Zertifizierungsstandards für Bauprodukte darstellt.
Der Sustainability Passport wurde im Frühjahr 2026 eingeführt. (Quelle: natureplus)

Der Sustainability Passport soll es Herstellern erleichtern, die Umweltleistungen ihrer Bauprodukte glaubwürdig und nachvollziehbar nachzuweisen. Für die Unternehmen gelten in diesem Bereich nämlich ab dem 27. September 2026 verschärfte Anforderungen. Dann müssen auch in Deutschland die Regeln der formal bereits 2024 in Kraft getretenen EU-Richtlinie EmpCo („Empowering Consumers for the Green Transition“) verbindlich angewendet werden.

EmpCo verbietet „Greenwashing“

Die EmpCo richtet sich gegen unlauteren Wettbewerb in Form von „Greenwashing“, indem sie Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen über Produkte in der Werbung strenger regelt als bisher. Ab 27. September dürfen Hersteller Begriffe wie „umweltfreundlich“, „ökologisch“ oder „grün“ nur noch verwenden, wenn sie die jeweiligen Produktversprechen auch wirklich belegen können. Auch Versprechen wie „CO₂-neutral“ oder „klimaneutral“ sind künftig konkret nachzuweisen und sie dürfen nicht mehr allein auf Kompensationsmaßnahmen beruhen.

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Mehr noch: Die EmpCo legt sogar fest, dass Nachhaltigkeitssiegel künftig nur noch verwendet werden dürfen, wenn sie auf unabhängigen Zertifizierungssystemen basieren oder von staatlichen Stellen eingeführt wurden. Hersteller dürfen also nicht mehr mit ihren eigenen Nachhaltigkeitssiegeln werben. Bei Natureplus begrüßt man die neuen EU-Vorgaben natürlich und erhofft sich dadurch fairere Wettbewerbsbedingungen und weniger irreführende Umweltversprechen. „Die neuen Regeln stärken glaubwürdige Umweltinformationen und bieten Planern, Verarbeitern und Bauherren mehr Orientierung“, sagt Natureplus-Geschäftsführer Tilmann Kramolisch.

Das Natureplus-Umweltzeichen erfüllt bereits heute die Anforderungen, die künftig an glaubwürdige Nachhaltigkeitssiegel gestellt werden. Dazu gehören nachvollziehbare Kriterien, überprüfbare Nachweise und eine Prüfung durch unabhängige Dritte.

zuletzt editiert am 28. August 2026
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