Zwei Bauarbeiter arbeiten an einer Wand mit Bohrlöchern auf einem Baugerüst.
Der Mörtel wird mittels Klebepistole zwischen Wand und Bestandsdämmung eingespritzt. (Quelle: Heck Wall Systems)

Dämmstoffe 2025-10-21T07:00:00Z Was ist eine WDVS-Hinterfüllung?

Will man ältere Wärmedämm-Verbundsysteme aufdoppeln, kann es notwendig sein, zunächst die Verklebung der bestehenden Dämmschicht nachzubessern. Dies geschieht in Form einer so genannten Hinterfüllung. Dabei wird ein fließfähiger Klebemörtel zwischen Wand und vorhandene Dämmschicht injiziert, um die dortige Verbindung zu stabilisieren und Hohlräume auszufüllen.

Das erste Wärmedämm-Verbundsystem ( WDVS ) wurde in Deutschland 1957 am Wohnhaus eines Malermeisters in Berlin-Dahlem angebracht. In den folgenden Jahrzehnten folgten im ganzen Land viele weitere solcher Fassadendämmungen. Problem: Etliche alte WDVS verfügen nur über 4–6 cm dicke Dämmstoffschichten. Da galt damals als ausreichend, heute sind eher 14 bis 24 cm dicke Dämmungen Standard.

Alt-WDVS genügen also in vielen Fällen nicht mehr den heutigen energetischen Anforderungen. Unter bestimmten Voraussetzungen schreibt das Gebäudeenergiegesetz ( GEG ) sogar Nachbesserungen vor. Am wirtschaftlichsten ist es oft, alten Dämmstoff nicht abzureißen, sondern „aufzudoppeln“.

Standsichere Aufdopplung

Aufdoppeln bedeutet, dass man eine alte WDVS-Dämmschicht, die wegen zu geringer Dicke nicht mehr den heutigen energetischen Anforderungen entspricht, durch eine zusätzliche, neue Dämmschicht ergänzt. Die Anzahl der Dämmschichten wird dadurch verdoppelt – von einer auf zwei. Aufdopplung heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass die neue Dämmschicht genauso dick sein muss wie die alte. Sie kann dicker oder auch dünner sein.

Eine Nahaufnahme einer Wand mit Wärmedämmung, die Dämmstoffplatten und Befestigungselemente zeigt.
Die Probeöffnung zeigt, wie gut der Werktrockenmörtel hinter dem Alt-WDVS verlaufen ist und Hohlräume passgenau ausfüllt. (Quelle: Heck Wall Systems)

Für eine sichere Aufdopplung müssen allerdings bestimmte technische Voraussetzungen erfüllt sein. Da das Alt-WDVS ja als Untergrund für die neue Dämmschicht dient, muss es natürlich in der Lage sein, diese dauerhaft sicher zu tragen. Die neue Gesamt-Fassadendämmung muss trotz erhöhtem Eigengewicht eine ausreichende Standsicherheit gewährleisten, um die auf sie einwirkenden Lasten – insbesondere die örtlichen Windsoglasten – schadensfrei zu überstehen.

Bei vielen älteren WDVS genügt jedoch die ursprüngliche Verklebung nicht mehr, um das zusätzliche Gewicht einer Aufdopplung sicher zu tragen. Bestehen entsprechende Zweifel an der Tragfähigkeit des Altsystems, empfiehlt sich die Prüfung durch einen Gutachter. Dabei wird das alte WDVS an einigen Stellen geöffnet, um die Verklebung hinter den Dämmplatten zu überprüfen. Bewertet wird dabei, wie gut der Klebstoff – bei WDVS meist mineralischer Mörtel – hinter dem Alt-WDVS verlaufen ist und ob er Hohlräume passgenau ausfüllt.

Fließfähiger Klebemörtel

Bei unzureichender Verklebung des Altsystems empfiehlt der Gutachter meist eine Hinterfüllung. Diese stellt eine ausreichende Verbindung zwischen Wand und Dämmstoff her, sodass auch die zusätzliche Dämmstoffschicht sicher „mitgetragen“ wird. Für solche Hinterfüllungen bietet die Baustoffindustrie spezielle fließfähige Klebemörtel an.

Der zum Rockwoll-Konzern gehörende WDV-Systemanbieter Heck Wall Systems hat beispielsweise dieses Jahr den Werktrockenmörtel „Heck K+A Fill“ auf den Markt gebracht, der speziell für die Hinterfüllung bestehender Dämmungen entwickelt wurde. Das maschinengängige, faserarmierte Produkt wird mittels Klebepistole punktuell über Bohrlöcher zwischen Wand und Bestandsdämmung eingespritzt. Nach Herstellerangaben verteilt es sich dank seiner sehr guten Fließfähigkeit gleichmäßig und füllt dabei zuvor bestehende Hohlräume aus.

Durch die Injektion wird der Klebeflächenanteil zwischen Fassadenuntergrund und Alt-WDVS nachträglich erhöht. Die Verarbeitung mit gängiger Maschinentechnik ermöglicht problemlos auch großflächige Einsätze.

Patentiertes Injektionsverfahren

Klebemörtel für Hinterfüllungen müssen fließfähig sein, da man sie durch kleine Öffnungen hinter das Alt-WDVS einspritzt beziehungsweise injiziert. Der Hersteller Caparol hat dafür 2024 ein zum Patent angemeldetes Injektionsverfahren auf den Markt gebracht. Dabei handelt es sich um die „Capatect-Injektionslanze 182“ (siehe Foto), mit deren Hilfe sich der dazu passende, nichtbrennbare Caparol-Injektionsmörtel („Capatect Injektionsmörtel 182“) punktuell und gleichmäßig zwischen Wand und Alt-Dämmstoff einbringen lässt.

Eine Injektionslanze in einer geöffneten Holzkiste auf einem grauen Hintergrund.
Die Capatect-Injektionslanze 182/1. (Quelle: Caparol)

Caparol bietet die Injektionslanze übrigens in zwei Varianten an: Das Modell 182/1 ist 150 mm lang, das Modell 182/2 sogar 240 mm. Je nach Dämmstoffdicke können Anwender das passende Werkzeug wählen. Zum System gehört ferner ein ablängbarer „Injektionsstopfen“ aus Mineralwolle, der auf den Durchmesser der Injektionslanze abgestimmt ist und mit dem sich die Injektionsöffnung daher schnell und sicher wieder verschließen lässt.

Deutliche Kostenvorteile

Bei Alt-WDVS, die aufgedoppelt werden müssen, aber eine dafür unzureichende Verklebung aufweisen, ist die Alternative zur Hinterfüllung der komplette Rückbau des Altmaterials und der Einbau eines völlig neuen Systems. Das allerdings ist in den meisten Fällen deutlich teurer und zudem weitaus weniger nachhaltig.

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Nach Angaben von Caparol können Hinterfüllungen mit dem Capatect-System sogar bis zu 60% günstiger sein als ein Rück- und Neubau. Durch die Vermeidung des WDVS-Rückbaus könne man Arbeitszeit, Lohnkosten und Gerüststandzeiten minimieren. Zudem entfalle die kostenintensive Entsorgung des alten Fassadendämmsystems. Als weiteren Pluspunkt der Aufdopplung statt komplettem Neubau nennt Caparol einen bis zu 40 % reduzierten CO2-Fußabdruck.

zuletzt editiert am 17. Oktober 2025