RM Rudolf Müller
 Modernes Hochglanz-Laminat mit EPL-Oberfläche. Foto: HDM

 
Boden und Wand
20. April 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

HPL, DPL & Co.: Was für Laminatböden gibt es?

Laminat zählt heute zu den beliebtesten Bodenmaterialien im Wohnbereich. Dass es sich dabei um eine günstige Alternative zu Echtholz-Parkett handelt, ist allgemein bekannt. Woraus der Bodenbelag aber eigentlich besteht, wissen viele nicht so genau. Das Thema ist auch nicht leicht zu durchschauen, weil es mittlerweile viele unterschiedliche Laminatarten gibt und die Hersteller zahlreiche Abkürzungen wie HPL, CPL, DPL oder EPL verwenden. Ein Überblick.

Laminat ist ein mehrschichtiges Produkt. Bei einer fertigen Bodenfläche sehen wir nur die dünne Oberfläche mit dem Druckmotiv – wobei man früher fast ausschließlich Holzdesigns verwendete, während heute zum Beispiel auch Naturstein-, Beton- oder Fliesenoptiken imitiert werden. Unterhalb der sichtbaren Schicht befindet sich das Trägermaterial, das aus Faserholzplatten besteht (MDF oder HDF), mit einem stabilisierenden Gegenzug aus Kunststoff oder Papier auf der Unterseite. Der Aufbau mit Trägerplatte und Gegenzug ist eigentlich bei allen Laminatsorten derselbe. Die Unterschiede der am Markt erhältlichen Produkte beziehen sich vor allem auf die Zusammensetzung der Oberflächenschicht.

HPL und CPL

Fußböden aus Laminat werden seit den 1980er-Jahren industriell gefertigt. Anfangs kam dafür so genanntes Hochdrucklaminat zum Einsatz, für das sich die Abkürzung HPL (High Pressure Laminate) eingebürgert hat. HPL-Schichtstoffe bestehen aus dünnen Papierlagen, die mit Melaminharzen durchtränkt sind. Nach ihrer Erhärtung schützen die Harze das Papier und machen es wasserbeständig sowie abwaschbar.

Für die Herstellung von HPL werden mehrere Papierlagen unter hohem Druck und bei hohen Temperaturen miteinander verpresst. Über dem Dekorpapier mit dem Druckmotiv befinden sich schützende „Overlay“-Papiere, die ebenfalls mit Melaminharz getränkt und natürlich transparent sind. Zusätzliche Stabilität bewirken so genannte Kraftpapiere unterhalb des Dekorpapiers. Auch diese werden mit Harzen imprägniert. Durch die Verpressung der Papierschichten entsteht der eigentliche HPL-Schichtstoff. Er wird erst in einem zweiten Arbeitsschritt mit der Trägerplatte verklebt.

HPL-Oberflächen sind sehr stoß- und druckbelastbar sowie kratzfest und hitzebeständig. Deshalb wird der Schichtstoff auch häufig für Arbeits- und Tischplatten verwendet. Für Böden eignet er sich angesichts der genannten Eigenschaften natürlich ebenfalls hervorragend. Trotzdem wurde das Material in diesem Bereich mittlerweile weitgehend von anderen Laminatvarianten verdrängt. Hauptgrund: HPL ist zu aufwändig und teuer in der Herstellung und passt deshalb nicht so gut zum preisgünstigen Laminatboden-Segment.

Auch der Schichtstoff CPL ist sehr belastbar und widerstandsfähig. Kein Wunder: Er besteht ebenfalls aus mehreren verpressten, melaminharz-imprägnierten Papierschichten. Der Hauptunterschied zu HPL betrifft das Produktionsverfahren. Die Abkürzung CPL steht für „Continious Pressure Laminate“. Während man HPL-Schichtstoff als plattenförmige Ware in Mehretagenpressen herstellt, entsteht CPL auf kontinuierlich arbeitenden Doppelbandpressen im Endlosverfahren. Das geht schneller und ist daher preisgünstiger. CPL-Schichtstoff wird oft als Rollenware in geringen Stärken ab 0,15 mm angeboten und kommt häufig als Beschichtungsmaterial für Innentüren um Einsatz. Die Mindestdicke von HPL-Oberflächen (ohne Trägerplatte) beträgt dagegen 0,5 mm, ist also deutlich höher.

Marktführer DPL

Verlegung von Laminatdielen mit klassischer Oberfläche aus melaminharzgetränkten Papierschichten. Foto: Pixabay

Verlegung von Laminatdielen mit klassischer Oberfläche aus melaminharzgetränkten Papierschichten. Foto: Pixabay

Obwohl sich CPL wirtschaftlicher herstellen lässt als HPL, spielt dieser Schichtstoff im Bodenbereich heute ebenfalls nur noch eine untergeordnete Rolle. Die meisten Laminat-Fußboden bestehen mittlerweile nämlich aus so genanntem DPL (Direct Pressed Laminate). Bei diesem Material besteht die Oberfläche zwar auch aus melaminharzgetränktem Papier, es kommen aber nicht so viele Papierschichten zum Einsatz. Genauer gesagt gibt es nur ein Dekorpapier und ein schützendes Overlay. Beide Papiere werden in nur einem Arbeitsgang unter hohem Druck und hoher Hitze direkt auf den Holzwerkstoff-Träger gepresst. Dieses Verfahren ist material- und zeitsparender als die Produktionsprozesse von HPL und CPL.

Weil es sich besonders kostengünstig herstellen lässt, ist DPL heute Marktführer bei den Schichtstoffen für Laminatböden. Zwar ist das Material nicht so robust und belastbar wie Hochdrucklaminat, aber für die meisten Anwendungen im Wohnbereich reicht die Qualität völlig aus. Im hochwertigen Objektbereich findet man dagegen häufiger noch HPL-Böden, sofern nicht ohnehin Echtholz-Parkett zum Einsatz kommt.

Zu den direkt beschichteten Laminatböden gehört ferner das so genannte CML (Continuous Multilayer Laminate). Die Herstellung ähnelt dem von DPL, nur dass der Schichtstoff (wie CPL) im kontinuierlichen Endlosverfahren entsteht. Allerdings enthält CML noch zusätzliche Kraftpapiere, die die Stabilität des Laminats erhöhen.

Laminatböden ohne Melaminharz

Alle bisher genannten Schichtstoffe basieren auf melaminharzgetränkten Papieren. Das ist der Klassiker in der noch jungen Geschichte des Laminat-Fußbodens. Doch die Entwicklung geht weiter. In den letzten Jahren erobern zunehmend Laminatböden ohne Melaminharz den Markt. Bei manchen dieser Produkte werden die Papierschichten einfach mit einem anderen Kunstharz getränkt. Meist kommt dabei Acrylatharz zum Einsatz. Das sorgt für eine elastischere Bodenoberfläche und vermindert so den Trittschall. Außerdem fühlt sich Laminat auf Acrylbasis wärmer an.

Auch so genannte EPL-Böden sind Laminate, in denen Acrylatharz steckt. Das Besondere: Die imprägnierten Dekorpapiere werden bei der Herstellung mit einer Kunststoff-Folie verpresst und dann mit Elektronen beschossen. Diese Spezialbehandlung sorgt für eine besonders hohe Härte und Glätte des Schichtstoffs. Die in den letzten Jahren beliebter gewordenen Hochglanz-Laminatböden verfügen in der Regel ebenfalls über EPL-Oberflächen. EPL („Electrobeam Pressure Laminate“) ist aber nicht gleichbedeutend mit Hochglanz. Auch Optiken mit stumpfmatten Glanzgraden sind erhältlich.

Ein weiterer Trend auf dem Laminatmarkt sind schließlich die direkt bedruckten Böden. Beim Schichtstoff PDL (Printed Direct Laminate) wird nicht nur auf Melaminharze verzichtet, sondern sogar auf die herkömmlichen Papierschichten. Stattdessen druckt man das Dekor direkt auf die Trägerplatte. Das Motiv wird anschließend durch Lacke geschützt.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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