RM Rudolf Müller
Beim WDV-System „Piano“ wird Kalksandstein mit Glasschaum-Dämmplatten kombiniert. Foto: Deutsche Foamglas

Beim WDV-System „Piano“ wird Kalksandstein mit Glasschaum-Dämmplatten kombiniert.
Foto: Deutsche Foamglas

Dämmstoffe
03. Dezember 2015 | Artikel teilen Artikel teilen

Schaumglas-Dämmstoffe: Herstellung und Verwendung

Schaumglas-Dämmstoffe bestehen zu großen Teilen aus Altglas. Als loses Schüttgut wird das dunkelgraue Material zum Beispiel zur Hausdämmung unterhalb der Bodenplatte verwendet. Es gibt aber auch richtige Plattenwerkstoffe aus Schaumglas, die – ähnlich wie Kunststoff-Hartschaum-Produkte – für unterschiedlichste Dämm-Anwendungen im Gebäudebereich einsetzbar sind.

Schaumglas (engl.: Foamglas) wird auch unter dem Namen Glasschaum vertrieben. Für die Produktion verwenden die Hersteller heute meist große Mengen Altglas. Der Anteil liegt in der Regel bei über 60%. Es handelt sich also um ein ressourcenschonendes Recycling-Produkt. Man kann Schaumglas aber ebenso gut aus Quarzsand herstellen. Schließlich besteht Glas ja auch größtenteils aus geschmolzenem Sand.

Bestandteile und Herstellung

Neben Altglas – oder eben Quarzsand – fügen die Hersteller in geringeren Mengen noch weitere Rohstoffe wie Feldspat, Eisenoxid, Manganoxid sowie Natrium- und Kalziumverbindungen hinzu. Zusammen schmilzt man diese Bestandteile zu neuem Rohglas. Nachdem die Schmelze abgekühlt ist, wird dieses Material fein gemahlen. Das so entstehende Glaspulver muss nun nur noch aufgeschäumt werden – und fertig ist das Schaumglas.

Der Aufschäumprozess geschieht in einem Durchlaufofen. Als Hilfsstoffe kommen dafür nur geringe Mengen Kohlenstoffpulver oder mineralische Aktivatoren zum Einsatz, die man unter das Glaspulver mischt. Wenn das erhitzte Rohstoffgemisch am Ende des Ofens wieder herauskommt, hat es sich in eine fest zusammenhängende, luftige Masse verwandelt.

Schotter oder Platten

Was aus diesem noch heißen Schaumglas am Ende für ein Produkt wird, hängt davon ab, auf welche Weise man es abkühlt. Für die Herstellung von losem Schüttgut wird die Masse sofort nach Verlassen des Ofens ganz schnell schockgekühlt. Das erzeugt starke Spannungen innerhalb des Materials. Dadurch zerbricht es zu Schotter.

Anders verfährt man bei der Herstellung von Schaumglasplatten. Dafür wird der heiße Glasschaum langsam und möglichst spannungsfrei abgekühlt. So bleibt das Material am Stück erhalten und wird zu einem festen, aber luftigen Dämmstoff. Der lässt sich leicht zu beliebigen Plattenformaten schneiden und abschleifen, sodass planebene Oberflächen möglich sind.

Materialeigenschaften

Schaumglas vereint viele positive Eigenschaften in einem Material. Der Dämmstoff ist nichtbrennbar (Baustoffklasse A1), setzt keine giftigen Dämpfe frei, ist wasserabweisend, dampfdiffusionsdicht, verrottungsresistent, formstabil, säurebeständig, geruchlos, leicht zu sägen und voll recyclingfähig. Zugleich ist Schaumglas auch sehr druckfest, zumindest wenn sich die Lasten einigermaßen gleichmäßig auf die Fläche verteilen. Vorsicht ist lediglich bei hohen punktuellen Lasten geboten. In solchen Fällen kann das Material brechen, da es zwar fest, aber auch relativ spröde ist.

Natürlich kann der Dämmstoff auch dämmen. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ein Hochleistungsdämmstoff wie etwa Resol-Hartschaum ist Glasschaum nicht. Die Wärmeleitfähigkeit liegt – je nach Produkt – zwischen 0,038 und 0,070 W/mK und befindet sich damit etwa auf dem Niveau der meisten Naturdämmstoffe wie Schafwolle, Holzfaser, Flachs oder Hanf. Glasschau dämmt also gut, aber nicht sehr gut.

Typische Einsatzgebiete

Verdichten von Glasschaumschotter als Dämmung unter einer Bodenplatte. Foto: Geocell Schaumglas GmbH

Verdichten von Glasschaumschotter als Dämmung unter einer Bodenplatte.
Foto: Geocell Schaumglas GmbH

Glasschaumschotter wird als loses Schüttgut zum Beispiel für die Dämmung unter Gebäudebodenplatten verwendet aber auch für frostfreie Gründungen von Verkehrswegen oder allgemein zur Landschaftsmodellierung.

Schaumglasdämmplatten kommen ebenfalls vielfältig zum Einsatz: zum Beispiel als Flachdachdämmung, als Außendämmung von Wänden im erdberührten Bereich (Perimeterdämmung), als Innendämmung der Decke in Kellerräumen oder als Fußbodendämmung. Aber auch für die Innendämmung der Außenwand, vor allem in denkmalgeschützten Gebäuden, gibt es Produktsysteme mit Schaumglas – sowohl in Platten- als auch in Schotterform.

WDVS-Anwendung

Selbst für Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) hat die Industrie das Material Schaumglas bereits entdeckt. Auf der BAU 2015 in München wurde erstmals das WDVS „Piano“ präsentiert, das Kalksandstein-Planelemente mit Glasschaum-Dämmplatten kombiniert. Es handelt sich um eine gemeinsame Entwicklung des Kalksandsteinherstellers Schencking (Saarlouis) und des Schaumglasproduzenten Deutsche Foamglas (Hilden) in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Isocom (Saarlouis). Da die Dämmblöcke keine Feuchtigkeit aufnehmen, bietet das System sofort hohen Schutz vor Witterungseinflüssen. Nachfolgearbeiten, wie der Putzauftrag, können zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.


Mehr zum Thema Dämmung findest du hier.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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