RM Rudolf Müller
Silikatputz wird häufig im Fassadenbereich verwendet. Foto: Saint-Gobain Weber

Silikatputz wird häufig im Fassadenbereich verwendet. Foto: Saint-Gobain Weber

Fassade und Massivbau
29. November 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Silikatputz: Zusammensetzung und Eigenschaften

Traditionell unterscheidet man bei Putzen zwei Welten: Produkte mit mineralischen Bindemitteln – zum Beispiel Kalk- oder Zementputz – und solche mit organischen Bindemitteln. Zu Letzteren zählen vor allem die Kunstharzputze. Doch es gibt auch noch einen Kompromiss: so genannte Silikatputze.

Organische Bindemittel bestehen aus Kohlenstoffverbindungen. Aus solchen Verbindungen sind sowohl alle lebenden Organismen aufgebaut als auch alle Kunststoffe. Mineralische Bindemittel heißen dagegen so, weil sie im Wesentlichen aus Mineralen bestehen – also aus den Bauteilen der Erdgesteine.

Mineralische Putze sind diffusionsoffen, können also Wasserdampf aufnehmen und schadlos wieder abgeben. Außerdem sind sie unempfindlich gegen Schimmelpilzbefall. Vor allem Zementputz ist aber vergleichsweise rissanfällig. Dagegen ist Kunstharzputz deutlich elastischer und deshalb weniger anfällig für Risse. Dafür ist er aber wiederum nicht diffusionsoffen. Beide Putzarten haben also Vor- und Nachteile.

Zwischen zwei Welten

Aber gibt es nicht auch Putze, die einerseits wasserdampfdurchlässig (diffusionsoffen) und andererseits so wenig rissanfällig sind wie die elastischen Kunstharzprodukte? Ja, so etwas gibt es: Silikatputze sind so ein Kompromiss zwischen den beiden Welten der mineralischen und organischen Putze.

Das Bindemittel in Silikatputz ist größtenteils mineralischer Natur, der Putz enthält nämlich in der Regel so genanntes Kali-Wasserglas, was nichts anderes als glasartig erstarrtes Kaliumsilikat ist. Und das ist definitiv ein mineralischer Stoff, die Erdkruste besteht zu über 90 % aus derartigen Silikat-Verbindungen. Darüber hinaus wird dem Bindemittel aber auch noch eine kleine Menge organischer Kunstharzdispersion beigemengt. Diese sorgt für die gewünschte Elastizität.

Kali-Wasserglas lässt sich als Bindemittel in Putzen verwenden, weil es – anders als Glas – wasserlöslich ist. Erst wenn der Putz nach der Verarbeitung trocknet, erstarren die gelösten Silikate zu festem Wasserglas. Zugleich hat Kali-Wasserglas die Eigenschaft, mit mineralischen Untergründen chemisch zu reagieren („Verkieselung“), sodass der Putz mit Steinuntergründen eine besonders feste Verbindung eingeht.

Wasserdicht und diffusionsoffen

Der Putz wird nicht als pulverförmige Sackware, sondern als verarbeitungsfertige pastöse Masse verkauft. Foto: Saint-Gobain Weber

Der Putz wird nicht als pulverförmige Sackware, sondern als verarbeitungsfertige pastöse Masse verkauft. Foto: Saint-Gobain Weber

In der Praxis wird Silikatputz allerdings oft gar nicht auf Steinuntergründen eingesetzt, sondern kommt vor allem als Oberputz auf Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) zum Einsatz. Dafür eignet er sich grundsätzlich gut, weil er einerseits diffusionsoffen und andererseits nahezu wasserdicht ist. Durch seine Wasserbeständigkeit schützt der Putz die Fassade sehr gut vor äußeren Witterungseinflüssen – zugleich kann aber vorhandener Wasserdampf aus dem Rauminneren beziehungsweise aus dem Wandaufbau durch den Putz nach außen entweichen.

Inwieweit Silikatputz als Endbeschichtung auf WDVS auch vor Algen, Pilzen und sonstiger Grünbildung an der Fassade schützt, ist umstritten. Wasserabweisende (hydrophobe) Silikatputze verhindern ein Eindringen von Feuchtigkeit. Allerdings kann sich auch auf hydrophoben Oberflächen ein Feuchtigkeitsfilm halten – vor allem durch Tauwasserbefall. Dass der Putz selbst nicht wasserdurchlässig ist, bedeutet nicht zwangsläufig, dass es auf seiner Oberfläche nicht zu Grünbildung kommen kann. Andererseits gibt es auch unter den Silikatputzen Varianten, die kontrolliert hydrophil eingestellt sind, die also im gewissen Umfang Feuchtigkeit aufnehmen und später schadlos wieder abgegeben können.

Widerstandsfähig und unempfindlich

Auf jeden Fall ist Silikatputz eine sehr robuste Variante der Oberflächenbeschichtung. Das Material ist wenig anfällig für Verschmutzungen und leistet selbst Verunstaltungen durch aggressive Luftabgase in Innenstädten hartnäckig Widerstand. Weitere positive Eigenschaften: Silikatputz ist scheuerfest und lässt sich daher auch problemlos reinigen, er ist frei von Kalkausblühungen und außerdem nicht brennbar.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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