RM Rudolf Müller
Der berühmte Tisch im „heute“-Studio des ZDF ist mit Nussbaumfurnier beschichtet. Foto: ZDF

Der berühmte Tisch im „heute“-Studio des ZDF ist mit Nussbaumfurnier beschichtet. Foto: ZDF

Grundstoffe des Bauens
14. Juli 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Was ist Furnier und wofür wird es verwendet?

Furnier wird oft als das „Filet des Baumes“ bezeichnet. Soll heißen: Es ist das beste Stück vom Holzstamm. Die sorgfältig ausgesuchten, dünnen Holzblätter waren früher das dominierende Oberflächenmaterial für Möbel und Holztüren. Heute wird Echtholz-Furnier aber immer häufiger von preiswerteren Imitaten verdrängt.

Die Idee von Furnier ist es, weniger wertvolles Holz oder Holzwerkstoffe optisch aufzuwerten, indem man auf den Oberflächen eine dünne Schicht hochwertiger Holzblätter verklebt. Diese Veredelungstechnik ist uralt. Die alten Ägypter kannte sie schon vor 5.000 Jahren. In Europa wurde Furnier ab dem späten Mittelalter immer beliebter.

Von der Luxus- zur Massenware

Allerdings war die Gewinnung der „Filetstücke“ aus den Bäumen damals eine so aufwändige Handarbeit, dass es sich nur die Reichen leisten konnten, Gegenstände und Einrichtungen mit Furnier zu beschichten. Das änderte sich erst mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert, als moderne Maschinen zur Gewinnung und Verarbeitung der Holzblätter entwickelt wurden.

In Deutschland erlebte Furnier vor allem in den ersten Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg einen Boom. Immer mehr Menschen konnten sich nun das einstige Luxusgut leisten. Furnier wurde zur dominierenden Oberfläche für Jedermann – auf Möbeln, Türen oder auch auf Wandverkleidungen. Das hing natürlich auch damit zusammen, dass Möbel und Türen immer seltener aus Vollholz hergestellt wurden. Durch den zunehmenden Einsatz von Holzwerkstoffen wie etwa Spanplatten wurden die Dinge sozusagen im Kern billiger, das machte im Gegenzug eine Furnieroberfläche erschwinglicher.

Herstellung von Furnier

Furnierverarbeitung in der Produktion des Türenherstellers Schörghuber. Foto: Schörghuber

Furnierverarbeitung in der Produktion des Türenherstellers Schörghuber. Foto: Schörghuber

Trotz der Rationalisierung der Herstellungsprozesse ist Echtholz-Furnier bis heute ein hochwertiges Material geblieben. Es wird vor allem aus Ahorn, Buche, Eiche, Esche und Nussbaum gewonnen, aber längst nicht jeder Baum dieser Gattungen taugt für Furnier. Es bleibt eine aufwändige Arbeit, für die gewünschte Furnieroptik Stämme mit der passenden Farbe und Holzstruktur auszuwählen. Jedes Furnierblatt ist ein einzigartiges Naturprodukt mit individuellem Aussehen.

Ist der richtige Baum gefunden, werden geeignete Holzblätter durch Sägen, Messerschnitt oder Schälen vom Stamm abgetrennt. Die in der Regel zwischen 0,3 und 6 mm dicken Furniere durchlaufen eine Trocknungsphase bevor man sie auf die gewünschte Größe zuschneidet. Anschließend wird das Material zur Oberflächenveredelung auf Holzwerkstoffe geklebt.

Typische Verwendungsbereiche

Der mit Furnier gestaltete Lesesaal der Diözesanbibliothek in Münster. Foto: IFN/fj-nasch

Der mit Furnier gestaltete Lesesaal der Diözesanbibliothek in Münster. Foto: IFN/fj-nasch

Furniere waren früher vor allem für wertige Holzmöbel und Holz-Innentüren sowie für Wand- und Deckenpaneele gefragt. Der Einsatz in diesen Bereichen ist allerdings seit Jahren stark rückläufig. Zum einen waren Holzoberflächen im Innenbereich in den vergangenen 20 Jahren phasenweise einfach aus der Mode. Viel schlimmer für die Furnierbranche ist aber der Trend zu preiswerten, künstlichen Holzimitaten. Der Siegeszug von modernen Laminatoberflächen wie CPL oder HPL hat heute in den angesprochenen Bereichen das einst vorherrschende Furnier weitgehend verdrängt.

Diese Verdrängung ist im Übrigen nicht nur eine Preisfrage. Die aus harzgetränkten Dekorpapieren gefertigten Laminat-Beschichtungen sind nämlich nicht nur kostengünstiger, sondern auch widerstandsfähiger als Echtholz-Furnier. Hinzu kommt, dass der Dekordruck mittlerweile so große Fortschritte gemacht hat, dass Holzimitate oft kaum noch vom Original zu unterscheiden sind – insbesondere dann nicht, wenn sie auch noch mit fühlbaren „Authentic Touch“-Oberflächen ausgestattet werden.

Angesichts dieser Marktentwicklung hat sich Furnier mittlerweile wieder stärker zum Luxusprodukt für Nischenmärkte entwickelt. Im Innenausbau findet man das Material heute vor allem bei Objekten der Oberklasse, wo die Kosten keine so große Rolle spielen – also zum Beispiel in repräsentativen Räumen von Firmen, Geschäften, Hotels oder Banken. Nach Angaben der Initiative Furnier + Natur (IFN) – die zentrale Marketingorganisation der deutschen Furnierwirtschaft – ist Furnier zudem häufig das Mittel der Wahl in Verkehrsmitteln der Oberklasse wie Flugzeugen, Booten oder attraktiven Automobilen.

Aktuelle Marksituation

Auch das ist möglich: Furnier für einen Lampenschirm des spanischen Herstellers LZF. Foto: LZF Lamps

Auch das ist möglich: Furnier für einen Lampenschirm des spanischen Herstellers LZF. Foto: LZF Lamps

Zahlen der IFN zeigen, dass der Furniermarkt in den letzten beiden Jahrzehnten dramatische Einbrüche erlebt hat. Demnach reduzierte sich der Verbrauch an Furnier in Deutschland von rund 300 Mio. Euro Marktvolumen im Jahr 1995 auf nur noch 48 Mio. Euro im Jahr 2014.

Eine Umfrage, die der Gesamtverband Deutscher Holzhandel 2015 in der deutschen Furnierbranche durchgeführt hat, belegt zudem die Vermutung, dass sich der Furniermarkt mittlerweile in der Nische eingerichtet hat. Der Umfrage zufolge entfällt in Deutschland mittlerweile der größte Anteil der industriellen Furnier-Nachfrage auf die Mobilitätsbranche mit dem Yacht-, Flugzeug- und Automobilbau (28,6 %). Auf den weiteren Plätzen folgen der Möbel- und Innenausbau (18 %), die Türenhersteller (15,5 %), die Kanten- und Leistenhersteller (12 %), die Plattenindustrie (12 %), die Holzpaneel-Produzenten (7 %) und die Fußbodenhersteller (6 %).


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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