Ein Arbeiter auf einer Hebebühne montiert Fassadenelemente an einem Hochhaus.
Vorgefertigte Fassaden- und Dachelemente gehören zum festen Werkzeugkasten serieller Sanierungen. (Quelle: Brüninghoff)

Plus 2025-05-14T07:00:00Z Breite serielle Sanierungswelle

Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur entwickelt sich der Markt für serielle Sanierungen derzeit rasant. Seit Einführung einer höheren BEG-Förderung sei das Konzept auf dem Sprung in den Breitenmarkt. Mittlerweile kommt es nicht mehr nur bei Mehrfamilien-, sondern auch bei Ein- und Zweifamilienhäusern zum Einsatz.

Mit dem nationalen Klimaschutzgesetz hat sich Deutschland auch das Ziel gesetzt, bis 2045 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. „Wer denkt, dass die Erreichung der Klimaziele allein durch den Umstieg auf eine fossilfreie Wärmeversorgung gelingen kann, irrt“, mahnt in diesem Zusammenhang Uwe Bigalke, Leiter des Kompetenzzentrums „Serielles Sanieren / Energiesprong Deutschland“ bei der Deutschen Energie-Agentur ( dena ). „Wir brauchen einen Mix aus erneuerbaren Energien, hochgedämmter Gebäudehülle und effizienter Gebäudetechnik“.

Die in den letzten Jahren zunehmend ins Stocken geratene energetische Sanierung darf demnach nicht vernachlässigt werden. Im Gegenteil: Das Sanierungstempo beim Gebäudebestand müsste eigentlich deutlich erhöht werden. In diesem Zusammenhang hält die dena das serielle Sanieren für eine Schlüsseltechnologie. Das öffentliche Unternehmen unterstützt dieses Konzept daher schon seit Jahren.

Was ist serielles Sanieren?

Die Idee zum seriellen Sanieren stammt aus den Niederlanden, wo in den letzten Jahren bereits viele tausend Gebäude nach dem so genannten Energiesprong-Konzept („Energiesprung“) seriell saniert wurden. Hierzulande hat die dena die Idee aufgegriffen und zusammen mit Wohnungsgesellschaften und Bauunternehmen sowie dem Bundeswirtschaftsministerium Anfang 2017 die Initiative „ Energiesprong Deutschland “ gegründet.

Ein Mehrfamilienhaus vor und nach der Renovierung, das die deutliche Verbesserung der Fassade zeigt.
Serielle Sanierung in Hattingen (vorher/nachher). (Quelle: Juliane Sonntag Photothek)

Seitdem haben die Partner schon zahlreiche Projekte umgesetzt, bei denen es meist darum ging, Mehrfamilienhäuser aus dem Bestand mithilfe von vorgefertigten Elementen kostengünstig und zeitsparend zu sanieren. Über einige dieser Projekte haben wir im BaustoffWissen-Beitrag „ Rückenwind fürs serielle Sanieren “ informiert.

Was genau versteht man eigentlich unter seriellem Sanieren? Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat auf seiner Website folgende Definition veröffentlicht: „Serielles Sanieren bedeutet die energetische Sanierung von bestehenden Gebäuden unter Verwendung abseits der Baustelle vorgefertigter Fassaden- beziehungsweise Dachelemente einschließlich damit verbundener Anlagentechnik sowie deren Montage an bestehende Gebäude.

Steigende Nachfrage

Noch ist diese Form der Sanierung in Deutschland sicher ein Nischenmarkt, doch in den letzten Jahren beobachtet die dena eine deutlich steigende Nachfrage, sodass sie das Konzept mittlerweile „auf dem Sprung in den Breitenmarkt“ wähnt.

In einer Pressemitteilung von Ende 2024 berichtete die Agentur, dass hierzulande mittlerweile 110 Projekte mit 2.000 Wohnungen nach dem Energiesprong-Konzept seriell saniert wurden oder gerade werden. Zum Vergleich: Bis 2022 waren es nur 13 Projekte mit circa 450 Wohnungen. Eine andere Zahl verdeutlicht die Marktdynamik noch stärker: Aktuell befinden sich nämlich schon rund 210 weitere Projekte mit insgesamt 11.000 Wohneinheiten in Planung.

Die hohe Anzahl der Wohneinheiten (11.000) verweist auf einen weiteren Trend: Während sich Energiesprong-Projekte lange Zeit nur auf einzelne Mehrfamilienhäuser bezogen, werden in jüngster Zeit vermehrt auch größere Projekte realisiert. Immer mehr Wohnungsunternehmen sanieren ganze Quartiere seriell. Große Bestandshalter wie die Deutsche Bahn AG oder die Berliner Immobilienmanagement GmbH haben das Konzept für sich entdeckt. Nach dena-Angaben haben zudem Kommunen damit begonnen, ihre Schulen, Kitas und Turnhallen seriell zu sanieren.

Kosten und Förderung

Bis 2022 machten serielle Sanierungen nicht einmal 2 % aller Sanierungen nach den Effizienzhausstandards 55 und 40 aus. Seit Anfang 2023 eine verbesserte staatliche Unterstützung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude ( BEG ) erfolgt, beobachtet die dena allerdings eine „breite serielle Sanierungswelle“. Ende 2024 lag der Anteil serieller Sanierungen an den EH 40/EH 55-Sanierungen schon bei rund 20 %.

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Die wichtigsten Details zur BEG-Förderung für serielle Sanierungen hat die dena übrigens auf der Website von Energiesprong Deutschland zusammengefasst (Direktlink hier ). Laut Energie-Agentur hat der neue „BEG-Bonus“ bewirkt, dass serielle Sanierungen bereits heute auf dem Kostenniveau konventioneller energetischer Modernisierungen möglich sind. Zugleich lassen sie sich aber schneller und mit weniger Fachkräften umsetzen.

Schon jetzt refinanzieren sich die Sanierungskosten langfristig über eingesparte Energiekosten. Für dena-Mitarbeiter Uwe Bigalke ist das Kostensenkungspotenzial serieller Sanierungslösungen aber noch längst nicht ausgeschöpft: „Der aktuelle Nachfrageschub wirkt kostensenkend, da bei größeren Projekten und höheren Stückzahlen die erhofften Skaleneffekte anfangen zu greifen. Perspektivisch werden die Kosten für serielle Sanierungen unter das Niveau konventioneller Lösungen sinken.“

Auch Einfamilienhäuser geeignet

Lange Zeit wurden Energiesprong-Projekte fast ausschließlich bei alten Mehrfamilienhäusern umgesetzt. Laut Portfolioanalysen der dena sind in Deutschland rund 30 % dieser Bestandsgebäude für eine serielle Sanierung geeignet.

Doch mittlerweile gibt es auch erste Projekte im Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser, die etwa 83 % des gesamten Wohngebäudebestands in Deutschland ausmachen. Aktuell arbeitet ein Marktentwicklungsteam der dena gemeinsam mit Herstellern, Bauunternehmen und Innovatoren daran, serielle Sanierungslösungen zu entwickeln, die insbesondere auf die speziellen Anforderungen von Ein- und Zweifamilienhäusern zugeschnitten sind.

Ein Baugerüst umgibt ein Einfamilienhaus, dessen Fassade saniert wird. Im Vordergrund sind Äste eines Baumes zu sehen.
Auch Ein- und Zweifamilienhäuser eignen sich grundsätzlich für serielle Sanierungen. (Quelle: dena / Maarten Vermeiren)

Ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass diese Herausforderung gelingen kann, ist ein Projekt im nordrhein-westfälischen Schlangen. Dort hat die Familie Nasso ihr Eigenheim aus dem Jahr 1955 umfassend seriell sanieren lassen, sodass es nun den ambitioniertesten Effizienzhausstandard „40 EE-Klasse“ erreicht. Zum Einsatz kamen dabei neben vorgefertigten Fassadenelementen auch eine Luftwärmepumpe , eine zentrale Lüftungsanlage sowie eine Photovoltaikanlage mit Solarspeicher .

Die dena hat zu dem Projekt in Schlangen ein Video anfertigen lassen, das dokumentiert, wie die Sanierung in nur drei Tagen abgelaufen ist (Direktlink hier ). Der fünfminütige Film zeigt den gesamten Prozess – von der Produktion der Fassadenelemente im Werk bis zur Montage auf der Baustelle.

zuletzt editiert am 08. Mai 2025