Ein Bauarbeiter mit grünem Helm hebt einen großformatigen Kalksandstein mit einem Kran an einer Baustelle an.
Schneller Mauerwerksbau mit großformatigen Kalksandsteinen (Bausystem „KS-Quadro E“). (Quelle: H+H Deutschland GmbH)

Massivbau 2025-04-08T07:00:00Z Kalksandstein erfüllt QNG-Anforderungen

Holz wird in der Regel als besonders nachhaltiger Baustoff vermarktet. Der Bundesverband Kalksandsteinindustrie wollte das nicht so stehen lassen und hat daher eine vergleichende Ökobilanzstudie veröffentlicht. Diese behandelt folgende Fragestellung: Gibt es hinsichtlich der Nachhaltigkeit tatsächlich signifikante Unterschiede zwischen Gebäuden aus Kalksandsteinmauerwerk und Holz?

Bei der zwölfseitigen „Ökobilanzstudie eines Mehrfamilienhauses gemäß Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) – Kalksandstein und Holz im Vergleich“ handelt es sich um eine vergleichende Analyse für ein beispielhaftes Mehrfamilienhaus mit drei Geschossen und 17 Wohneinheiten auf einer Grundfläche von rund 485 m2. Die Studie steht als PDF im Download-Bereich der Website www.kalksandstein.de zum kostenlosen Abruf bereit.

Gleichauf bei der Ökobilanz

Der bereits im Jahr 1900 gegründete Bundesverband Kalksandsteinindustrie (BV KSI) mit Sitz in Hannover versteht sich als Sprachrohr der – nach der Mauerwerkziegelbranche – zweitgrößten deutschen Mauersteinindustrie. Er vertritt derzeit die Interessen von 71 Kalksandsteinwerken im Bundesgebiet und ist in diesem Zusammenhang natürlich an einem positiven Image des Baustoffs Kalksandstein interessiert.

Eine Broschüre über die Ökobilanzanalyse von Kalksandstein, die auf einem Tisch geöffnet liegt.
Die Studie steht auf www.kalksandstein.de zur Verfügung. (Quelle: Bundesverband Kalksandsteinindustrie)

Zentrales Ergebnis seiner neuen Studie ist, dass es in Sachen Ökobilanz keinen Unterschied mache, ob das beispielhafte Mehrfamilienhaus mit Kalksandstein-Mauerwerk oder in Holztafelbauweise errichtet wird. Mit beiden Wandbildnern könne man die Anforderungen des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude ( QNG ) erfüllen. Dieses Siegel muss derzeit vorzeigen, wer in Deutschland den Bau eines Wohnhauses mit staatlicher KfW-Förderung plant. Mehr Infos zu diesem Thema bietet der BaustoffWissen-Beitrag „ Was ist das QNG-Siegel? “.

Das Fördermittel-Thema dürfte ein zentraler Grund gewesen sein, weshalb der BV KSI die Ökobilanzstudie erstellt hat. Denn der Verband beobachtet derzeit eine große Unsicherheit bei Architekten, Planern und Projektentwicklern, wenn es um Nachhaltigkeitsaspekte und Fördermittel für den Wohnungsbau geht. Roland Meißner (Geschäftsführer BV KSI): „Ganz konkret erreichen unsere Berater immer wieder die Fragen: Kann ich auch Fördermittel beantragen, wenn ich bei meinem Projekt auf mineralische Baustoffe setzen möchte? Und kann man eigentlich sagen, Baustoff x ist nachhaltiger als Baustoff y?“.

Kalksandstein förderfähig

Derzeit gibt es für den Wohnneubau nur staatliche Fördergelder, wenn die energetischen Anforderungen des Gebäudestandards Effizienzhaus 40 (EH40) eingehalten und zugleich noch besondere Nachhaltigkeitsanforderungen beachtet werden, die durch das QNG-Siegel nachzuweisen sind. Mit seiner Ökobilanzstudie will der BV KSI zeigen, dass all diese Anforderungen auch dann erfüllbar sind, wenn das Gebäude mit Kalksandstein errichtet wird.

Laut Studie erfüllt das Mehrfamilienhaus aus Kalksandstein die QNG-Anforderungen und ist somit über die Bundesförderung für effiziente Gebäude ( BEG ) beziehungsweise über das KfW-Programm „Klimafreundlicher Neubau“ ( KFN ) förderfähig. Im Rahmen seiner Ökobilanz hat der Bundesverband sowohl das Treibhauspotenzial (Global Warming Potential: GWP) als auch die nicht erneuerbare Primärenergie (Primary Energy Non-Renewable Total: PENRT) der Baustoffe bilanziert. Bei beiden Indikatoren würden Kalksandstein und Holztafelbauweise über einen Zeitraum von 50 Jahren fast identisch abschneiden – so der BV KSI.

Indikatoren GWP und PENRT

Konkret heißt es in der Studie, dass die durch Kalksandstein über den gesamten Lebenszyklus verursachten CO2-Emissionen lediglich 8 % der gesamten CO2-Emissionen des Gebäudes ausmachen. Als Gründe für dieses geringe Treibhauspotential (GWP) werden insbesondere die CO2- und energiearme Steinherstellung, aber auch die hohe lokale Verfügbarkeit der Rohstoffe Kalk , Sand und Wasser sowie kurze Transportwege zu den Kalksandsteinwerken genannt.

Gleichwohl räumt die Studie ein, dass das dreigeschossige Typengebäude in der Kalksandstein-Variante während der Herstellungsphase ein höheres Treibhauspotential aufweist als der Holztafelbau. Das läge allerdings nicht an dem mineralischen Wandbildner selbst, sondern hauptsächlich am Einsatz von Stahlbeton für die Gebäudedecken. Beim alternativen Holzbau dagegen werden auch die Decken – mit Ausnahme der Kellerdecke – in Holzbauweise ausgeführt.

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Den Vorteil beim Treibhauspotenzial in der Herstellungsphase verliert der Holztafelbau laut Darstellung des BV KSI aber wieder, wenn auch die spätere Abfallbeseitigung Berücksichtigung findet. Holz werde am Ende des Lebenszyklus thermisch verwertet, was zur Freisetzung des gebundenen CO2 in die Atmosphäre führt. Kalksandstein dagegen könne man nach dem Rückbau mechanisch brechen, mahlen und anschließend zu 100 % erneut dem Produktionsprozess zuführen. Der Energieaufwand für dieses Recycling sei im Verhältnis zu den gesamten CO2-Emissionen eines Gebäudes minimal (≤ 1 %).

Bezüglich des Indikators PENRT (nicht erneuerbare Primärenergie) sieht die Studie beide Bauweisen in etwa gleichauf. In der Herstellungsphase habe die Holztafelbauweise einen höheren PENRT-Wert, während die Kalksandstein-Variante bei der Abfallbeseitigung geringfügig mehr Primärenergie benötige.

Kalksandstein bindet Kohlendioxid

„Einen überaus wichtigen Aspekt haben wir ökobilanziell noch gar nicht berücksichtigt“, betont Roland Meißner, „denn Kalksandstein kann der Umgebungsluft CO2 entnehmen und dauerhaft einlagern. Durch die sogenannte Rekarbonatisierung bindet jede Tonne Kalksandsteinmauerwerk im Laufe von 50 Jahren 50 kg Kohlendioxid. Das bleibt, anders als bei Holz, auch nach dem Abriss eines Hauses gebunden“. Weitere Infos zu diesem Thema gibt es im BaustoffWissen-Beitrag „ Kalksandstein bindet Kohlendioxid “.

Der Verband betont ferner, dass es bei nachhaltigen Gebäuden nicht nur auf die GWP- und PENRT-Bilanz der verwendeten Baustoffe ankommt. Zu beachten seien auch Aspekte wie regionale Verfügbarkeit, Langlebigkeit, Tragfähigkeit, Brandschutz, Wirtschaftlichkeit und akustischer Komfort. Alles Bereiche, in denen Kalksandstein gut dasteht. Darüber hinaus weist die Studie darauf hin, dass sich die Ökobilanz eines Gebäudes auch unabhängig vom verwendeten Wandbildner durch die Art der Gebäudeplanung optimieren lässt.

zuletzt editiert am 04. April 2025
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