Mit seriellen Sanierungen sollen Bestandgebäude schneller und mit weniger Fachkräften energetisch modernisiert werden. Ganz ausgereift schien das Konzept bislang aber noch nicht. Zumindest galten serielle Sanierungen bislang als relativ teuer. Doch allmählich dreht sich der Wind. Laut einer Evaluation der Deutschen Energie-Agentur hat sich das Tempo serieller Sanierungen in den letzten Jahren verdoppelt, während die Kosten um ein Drittel gesunken sind.
Die Idee des seriellen Sanierens stammt aus den Niederlanden, wo bereits viele tausend Gebäude nach dem so genannten Energiesprong-Konzept („Energiesprung“) seriell saniert wurden. Hierzulande hat die Deutsche Energie-Agentur (dena) die Idee aufgegriffen und zusammen mit Wohnungsgesellschaften und Bauunternehmen sowie dem Bundeswirtschaftsministerium Anfang 2017 die Initiative „ Energiesprong Deutschland “ gegründet.
Seitdem haben die Partner schon eine ganze Reihe von Pilotprojekten umgesetzt, bei denen es meist darum ging, Mehrfamilienhäuser aus dem Bestand mithilfe von vorgefertigten Elementen kostengünstig und zeitsparend zu sanieren. Mittlerweile wird das Konzept auch bei Ein- und Zweifamilienhäusern umgesetzt.
Kosten und Baustellenzeiten sinken
Was genau ist serielles Sanieren? Die Definition des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) lautet wie folgt: „Serielles Sanieren bedeutet die energetische Sanierung von bestehenden Gebäuden unter Verwendung abseits der Baustelle vorgefertigter Fassaden- beziehungsweise Dachelemente einschließlich damit verbundener Anlagentechnik sowie deren Montage an bestehende Gebäude.“

Das Verfahren wurde in Deutschland bislang vor allem in den dena-Pilotprojekten erprobt und galt unter Kostenaspekten noch nicht als marktreif. Das scheint sich gerade zu ändern. Laut einer aktuellen Evaluation des dena-Kompetenzzentrums Serielles Sanieren ist das Konzept mittlerweile auch hierzulande wirtschaftlicher und planbarer geworden. Im Verlauf der Pilotprojekte der letzten Jahre sei es gelungen, die Kosten um rund ein Drittel zu senken und gleichzeitig die durchschnittliche Projektdauer zu halbieren.
Die wichtigsten Ergebnisse der Evaluation 2025 hat die dena in einem sechsseitigen Dokument veröffentlicht, das hier als kostenloser PDF-Download bereitsteht. Die Daten stammen aus 14 fertiggestellten Projekten sowie einem weiteren, das zum Zeitpunkt der Datenerhebung kurz vor dem Abschluss stand. Bei den Projekten handelt es sich um serielle Sanierungen von Ein- und Mehrfamilienhäusern unterschiedlicher Größe mit bis zu 198 Wohneinheiten. In 86 % der Fälle erfolgte eine Modernisierung zum Effizienzhaus EH 55, bei den restlichen 14 % wurde sogar der Standard EH 40 erreicht.
Ergebnisse im Detail
Bei allen in der Evaluation betrachteten 15 Projekten wurden Dämmmaßnahmen an der Fassade (inklusive Fenster), am Dach (oder der obersten Geschossdecke) und an der Kellerdecke realisiert. Außerdem erfolgte eine Umstellung der Wärmeversorgung – überwiegend auf Wärmepumpen , vereinzelt auf Fernwärme – und meist wurden auch angepasste Lüftungssysteme installiert.
Um die Kostenentwicklung zu analysieren, verglich die dena die neun vor 2023 realisierten Projekte mit den sechs neueren seriellen Sanierungen (ab 2023). Es zeigte sich, dass die Kosten der älteren Projekte oft oberhalb von 2.400 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche lagen (Bruttokosten ohne Berücksichtigung von Fördergeldern). Bei den Projekten ab 2023 waren es dagegen oft weniger als 1.650 Euro.
Zugleich zeigte sich – unabhängig vom Sanierungsjahr –, dass große Projekte mit mehr als 50 Wohneinheiten bis zu 500 Euro/m2 günstiger waren als kleinere Projekte. Zu den Ergebnissen der Evaluation gehört also auch die Bestätigung, dass Projektgröße und Wiederholungseffekte bei seriellen Sanierungen entscheidend sind, um Kostensenkungen zu erreichen. Standardisierungen bei der Planung und bei Prozessen beschleunigen die Abläufe und lassen die Kosten zusätzlich sinken.
Was das Tempo serieller Sanierungen betrifft, zeigt die Evaluation, dass Planung und Vorfertigung der Bauteile bei den älteren Projekten im Durchschnitt 14 Wochen dauerten, hinzu kamen im Durchschnitt weitere 28 Wochen für die Montage auf der Baustelle. Bei den Projekten ab 2023 ist für beide Prozessschritte eine Halbierung der Dauer zu beobachten. Planung und Vorfertigung dauern seitdem im Durchschnitt nur noch sieben Wochen, die Bauausführung 14 Wochen.
Jenseits von Durchschnittswerten und Umsetzungsjahren zeigt die Evaluation auch, dass die Dauer der 15 Projekte im Einzelnen stark schwankt: von eineinhalb bis hin zu zehn Monaten. Wie es in der Evaluation heißt, ist die Bauzeit stark abhängig von Projektgröße und Team-Erfahrung. Vorfertigung und eingespielte Teams beschleunigen die Umsetzung deutlich.
Verlässliche Förderung notwendig
„Um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen, ist eine deutliche Bedarfsreduzierung durch mehr Energieeffizienz entscheidend“, betont Corinna Enders, Vorsitzende der dena-Geschäftsführung. „Serielle Sanierungen bieten dafür eine schnelle, skalierbare und kostengünstige Lösung – insbesondere im Mehrfamilienhausbereich wird das immer attraktiver.“ Enders betont aber auch die Bedeutung einer verlässlichen Förderung, damit serielle Sanierungen wirklich den Breitenmarkt erreichen.

Tatsächlich war die Einführung der BEG-Förderung für serielle Sanierungen entscheidend dafür, dass der Markt deutlich größer geworden ist. Bis 2022 machten serielle Sanierungen nicht einmal 2 % aller Sanierungen nach den Effizienzhausstandards 55 und 40 aus. Seit Anfang 2023 staatliche Unterstützung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) erfolgt, hat sich die Lage deutlich verändert. Ende 2024 lag der Anteil serieller Sanierungen an den EH 40/55-Sanierungen schon bei rund 20 %. Der BEG-Bonus sorgt dafür, dass serielle Sanierungen bereits heute auf dem Kostenniveau konventioneller energetischer Modernisierungen möglich sind.
Produktkatalog veröffentlicht
Neben ausgereiften Abläufen und staatlicher Förderung hängt der Erfolg des Konzepts natürlich auch davon ab, dass Besitzer von sanierungsbedürftigen Immobilien überhaupt wissen, dass es die Option der seriellen Sanierung gibt und dass dafür bereits heute marktreife Lösungen bereitstehen.
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Um mehr Transparenz am Markt zu schaffen, hat die dena dieses Jahr den „Produktkatalog Serielles Sanieren“ veröffentlicht (Downloadlink hier ). Das knapp 80-seitige Werk bietet einen kompakten Überblick zu verschiedenen, modularen Lösungen. 15 Unternehmen präsentieren darin ihre standardisierten Systeme für serielle Sanierungen. Die erste Auflage des Katalogs fokussiert sich auf die Darstellung von Fassadenlösungen. Weitere Kapitel zu Technischer Gebäudeausstattung (TGA) und Dachlösungen sollen in späteren Auflagen folgen.