Ein Stapel von geschnittenen Holzstämmen, die eng aneinander liegen und verschiedene Brauntöne aufweisen.
Die Bundesregierung hat die Kaskadenregelung für Holz gestrichen. (Quelle: Pixabay)

Aktuell 2026-05-26T07:00:00Z Streichung der Kaskadenregelung

Der Verband der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie hat sich enttäuscht von der Streichung der Kaskadenregelung im Gebäudemodernisierungsgesetz geäußert. In Bezug auf die feste Biomasse Holz hatte der Referentenentwurf eine Regelung vorgesehen, nach der Holzsortimente für die Wärmegewinnung nur anerkannt werden, wenn sie eine Prüfreihenfolge mit prioritär stofflicher Verwendung durchlaufen haben. Diese Regelung ist im Kabinettsentwurf des Gesetzes nun nicht mehr enthalten.

„Die Streichung der Kaskadenregelung für Holz ist eine vergebene Chance“, kommentiert Anemon Strohmeyer, Geschäftsführerin des Verbandes der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie (VHI). „Die Kaskadenregelung hätte das Bewusstsein für die stoffliche Verwertbarkeit der für die Holzwärme eingesetzten Biomasse geschärft. „Folge der europarechtlichen Kaskadenzielstellung wäre allein (aber immerhin) gewesen, dass sich die Bereitsteller von fester Biomasse Gedanken darüber hätten machen müssen, ob sie neben dem (etablierten) Weg des Holzes in die Verbrennung auch einen Weg in die stoffliche Verwertung anbieten können. Diese Pflicht zur Reflektion hat das Bundeskabinett gestrichen und vergibt damit eine echte Chance und verzichtet auf konstruktive Gestaltungsoptionen.“

Was bedeutet Kaskadennutzung?

Zum Hintergrund: Unter Kaskadennutzung versteht man die Strategie, Holz und andere feste Biomasse erst dann für Heizzwecke zu verbrennen, wenn die Naturmaterialien zuvor bereits möglichst viele Produktleben durchlaufen haben. Auf diese Weise bleibt das im Holz gespeicherte Kohlendioxid lange gebunden und wird nicht sofort als „Klimagas“ in die Atmosphäre freigesetzt.

Verbrennen als typische Endnutzung für Holz wird bei einer Kaskadenregelung also nicht generell verteufelt – zumal es allemal besser ist, nachwachsende Rohstoffe zu verbrennen als fossile Brennstoffe wie Öl und Gas. Hochwertiges Holz aus dem Wald sollte nach der Ernte aber nicht direkt als Energieholz genutzt werden. Anemon Strohmeyer: „Die Kaskadenregelung hätte nicht das Ende der Verbrennung von Holz für die Gebäudewärme bedeutet, es hätte daher auch nicht zu Verwerfungen in den Stoffströmen oder gar zu einer Beeinträchtigung oder Unwirtschaftlichkeit der nachhaltigen Waldbewirtschaftung geführt.

Wie bereits im BaustoffWissen-Beitrag „ VHI begrüßt Kaskadenregelung “ berichtet, war die Kaskadenregelung im ursprünglichen Referentenentwurf noch Teil des geplanten neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes. Im Rahmen des Gesetzesbeschluss durch das Bundekabinett wurde die Regelung aber wieder gestrichen.

Vertane Chance

Der VHI bedauert das ausdrücklich. Holz sei ein nachwachsender, aber leider kein unendlicher Werk- und Brennstoff. Ob der steigenden Bedarfe in der Transformation einerseits und der begrenzten Rohstoffpotenziale andererseits sei die vorgeschlagene Kaskadenregelung eine Chance gewesen, einen praxistauglichen Vollzug der Kaskade zu diskutieren, um das Klimaschutzpotenzial des Rohstoffs Holz zu heben.

Der VHI betont, dass eine Kaskadenregelung im neuen Gebäudemodernisierungsgesetz eine (hocheffiziente und emissionsarme) Holzenergie nicht ausgeschlossen hätte. Sie wäre aber eine Chance gewesen, die „stoffliche und fördertechnisch angereizte energetische Verwertung zu hinterfragen und mit Blick auf langlebige Holzverwendungen auszutarieren“.

Eine überbordende Bürokratie, wie von Teilen der Wertschöpfungskette befürchtet, hätte mit der Kaskadenregelung nach Ansicht des VHI nicht verbunden sein müssen. Vielmehr wäre es gerade die Aufgabe und Chance bei der Erstellung einer Vollzugshilfe gewesen, praxistaugliche Regelungen zu entwickeln.

„Es ist ausgesprochen bedauerlich, dass die Streichung der Kaskadenregelung ohne Aussprache und damit ohne die Chance zur Diskussion praxistauglicher Umsetzungen erfolgte“, findet Anemon Strohmeyer. „Gegebenenfalls wurden durch die Kaskadenregelung Ängste in der Wertschöpfungskette geschürt, die sich im Diskurs idealerweise als irrational herausgestellt hätten.“

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zuletzt editiert am 21. Mai 2026
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