Seit dem zweiten Halbjahr 2023 stagniert der deutsche Wärmepumpenausbau. (Quelle: BWP / Bosch)

Haustechnik 2024-03-19T08:00:00Z Studie zur Wärmepumpen-Krise

Der Wärmepumpenausbau in Deutschland ist zuletzt ins Stocken geraten. Die Studie „Der Wärmepumpenhochlauf nach der Heizungsdebatte“ analysiert, wie sich der Markt in den letzten Jahren entwickelt hat und welche politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen die Branche in Deutschland derzeit hemmen.

Zu den Folgen des russischen Überfalls auf die Ukraine am 24. Februar 2022 gehört bekanntlich auch eine massive Verknappung und Verteuerung von Erdgas für den deutschen Heizungsmarkt. Vom plötzlichen Versorgungsengpass profitierte der Wärmepumpenmarkt anfangs spürbar. Nach Angaben des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP) hat die Branche in Deutschland 2022 insgesamt 236.000 Heizungswärmepumpen abgesetzt – ein Plus von 53 % gegenüber dem Vorjahr.

Für 2023 weist die Absatzstatistik sogar 356.000 verkaufte Geräte aus (+ 50 %), so viele wie noch nie in der bundesdeutschen Geschichte. Die Hersteller reagierten auf den Boom und begannen damit, ihre Produktionskapazitäten und Schulungskapazitäten für Handwerker an die gestiegene Nachfrage anzupassen.

Rückgang seit Mitte 2023

Trotzdem ist der Optimismus in der Branche mittlerweile getrübt. Schon der Rekordumsatz des letzten Jahres konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es seit dem zweiten Halbjahr 2023 mit den Wärmepumpen in Deutschland bergab geht.

Im europäischen Vergleich hinkt der deutsche Wärmepumpenausbau hinterher. (Quelle: PwC-Studie)

Stattdessen setzen Hausbesitzer bei der Installation neuer Heizungen wieder verstärkt auf fossile Technologien. Der Absatz von Erdgasheizkesseln und selbst von Ölheizungen hat in Deutschland 2023 wieder stark zugenommen. Es ist zu befürchten, dass dies in den nächsten Jahren so weitergeht, zumindest solange die Regeln des neuen Gebäudeenergiegesetzes („Heizungsgesetz“) dies noch zulassen.

„Die Verbraucher haben im Zuge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine eine saubere, nachhaltige und sichere Wärmeversorgung als sehr wichtig empfunden“, erinnert sich der BWP-Vorstandsvorsitzende Claus Fest. „Daher ist der Absatz noch im ersten Halbjahr 2023 sprunghaft nach oben geschnellt – mit Zuwächsen von rund 100 % gegenüber dem Vorjahr. Die Menschen wollen offensichtlich den Umstieg, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Doch die sehr destruktive und irreführende Debatte um das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und das lange Warten auf die neue Förderkulisse haben den Markt insbesondere im letzten Quartal spürbar gelähmt.“

Seit Juni 2023 ist der Trend beim Wärmepumpen-Absatz nunmehr rückläufig. Im Dezember gab es sogar einen Rückgang um über 40 % im Vergleich zum Vorjahr. Der plötzliche Absatzeinbruch bedroht die hiesige Wärmepumpen-Industrie und stellt zudem das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung infrage, dass bis 2030 in Deutschland 6 Mio. Wärmepumpen installiert werden. Um dieses Ausbauziel zu erreichen, müssten in Deutschland ab sofort jedes Jahr mindestens 500.000 neue Wärmepumpen installiert werden.

Neue PwC-Studie

Einen Rückschlag für die deutsche Heizungsindustrie und die Klimaziele insgesamt befürchtet auch die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC). Sie hat im November 2023 die Studie „ Der Wärmepumpenhochlauf nach der Heizungsdebatte “ veröffentlicht – im Auftrag des BWP.

Die Studie ist im November 2023 erschienen. (Quelle: PwC)

In ihrer Analyse zeigen die Autorinnen und Autoren auf, wie sich die Wärmewende in Deutschland nach der „Heizungsdebatte“ um das GEG entwickelt hat und welche Rahmenbedingungen die Branche in Deutschland derzeit noch hemmen. Laut Studie ist die Zahl der Förderanträge für Wärmepumpen in den ersten acht Monaten des Jahres 2023 um mehr als 70 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken. Der jetzt zu beobachtende Einbruch bei den Neuinstallationen hat sich also schon früher angekündigt.

Der gewaltige Rückgang hing auch mit einer verschlechterten Förderung zusammen. Ende Juli 2022 hatte die Bundesregierung angekündigt, dass die staatlichen Zuschüsse im Rahmen der BEG-Förderung bereits Mitte August 2022 sinken werden. Das führte damals zu einem kurzfristigen Förderantrags-Boom – danach gingen die Zahlen dann rapide bergab.

Bedeutung des Strompreises

Die Studie macht auch deutlich, dass der Wärmepumpenausbau hierzulande gegenüber vielen anderen europäischen Ländern hinterherhinkt. 2022 war Deutschland zwar der drittgrößte Markt für Wärmepumpen in Europa – nach Frankreich und Italien –, aber in Relation zur Gesamtanzahl der Haushalte blieb der Absatz selbst in den zurückliegenden Boom-Jahren vergleichsweise gering. Selbst 2022 war der Wärmepumpenabsatz pro 1.000 Haushalte in Deutschland sechs- bis elfmal niedriger als in den skandinavischen Ländern.

Energiepreisverhältnis Strom/Gas bzw. Strom/Öl in Europa. (Quelle: PwC-Studie)

Ein Hauptgrund dafür ist der hohe Strompreis in Deutschland. Dessen negativer Einfluss auf die Wärmepumpennachfrage verdeutlicht die Studie anhand des Energiepreisverhältnisses Strom/Gas. In Deutschland ist dieser Kennwert sehr hoch. 2022 lag der Strompreis hierzulande bei durchschnittlich 33 ct/kWH und der Erdgaspreis bei durchschnittlich 10 ct/kWH. Daraus ergibt sich ein Energiepreisverhältnis von 3,3. Zum Vergleich: In Schweden lag derselbe Wert nur bei ungefähr 0,8.

Das hohe Energiepreisverhältnis resultiert in Deutschland aus teurem Strom und dem zugleich nach wie vor relativ geringen Gaspreis. In Schweden dagegen kostet Strom viel weniger, während fossile Brennstoffe – nicht zuletzt wegen eines deutlich höheren CO2-Preises – schon heute deutlich teurer sind. Laut PwC-Studie erhöht ein niedriges Energiepreisverhältnis Strom/Gas die Marktchancen von Wärmepumpen stark.

Was ist zu tun?

Die Autorinnen und Autoren empfehlen daher auch hierzulande steigende CO2-Abgaben für Erdgas (und Öl) sowie niedrigere staatliche Abgaben beim Strompreis. Spielraum für Letzteres wäre vorhanden. Laut Studie entfielen in Deutschland im zweiten Halbjahr 2022 etwa 30 % des Endverbraucher-Strompreises auf Steuern und Abgaben. Im EU-Durchschnitt waren es 15 %.

Zugleich waren die im Gaspreis enthaltenen Steuern und Abgaben 2022 prozentual gesehen nur etwa halb so hoch wie beim Strompreis. Die Studie spricht hier von einer klaren Benachteiligung strombasierter im Vergleich zu gasbasierten Wärmelösungen. Folgerichtig fordert sie „den Abbau der einseitigen Steuer- und Abgabenbelastung von Strom“.

Das ist aber nur eine von mehreren Maßnahmen, die in der Studie gefordert werden, um die Rahmenbedingungen für die Wärmepumpenbranche zu verbessern und die Nachfrage der Endverbraucher zu steigern. Ein weiterer Punkt ist die Forderung nach verlässlichen, unbürokratischen und leicht verständlichen Fördermaßnahmen.

Außerdem fordert die Studie „klar formulierte, langfristige und verlässliche politische Rahmenbedingungen“. Es müsse verhindert werden, dass mit der Wärmepumpen-Industrie eine weitere Zukunftsbranche zur Abwanderung ins Ausland gezwungen wird – so wie 2012/2013 die Photovoltaik -Branche.

Auch eine positive Kommunikationsoffensive zur Wärmepumpe halten die Autorinnen und Autoren für essenziell. Diese sollte unter anderem die langfristigen finanziellen Vorteile der Technologie in den Vordergrund rücken (Energie- und Betriebskosten über die Lebensdauer) und über die breiten Einsatzmöglichkeiten in Bestandgebäuden aufklären.

zuletzt editiert am 15. März 2024
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