Über 90 % der deutschen Mieter sind der Meinung, dass die Wohnungsmieten in Ballungszentren für Normalverdiener derzeit nicht mehr bezahlbar sind. Zugleich ist der Erwerb von Wohneigentum für rund 80 % der Mieter keine Option. Das ergab eine repräsentative Mieterbefragung der Aareal Bank.
Für ihr jüngstes „Trendbarometer zur Lage am Mietmarkt“ hat die Bank im Oktober 2025 bundesweit 5.046 Mieterinnen und Mieter befragen lassen. Die Umfrage basiert auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panel Deutschland und soll repräsentativ für die Mieterinnen und Mieter in Deutschland ab 18 Jahren sein. Die Aareal Bank, die ihren Hauptsitz in Wiesbaden hat, bezeichnet sich selbst als führenden Anbieter von Finanzierungs-, Banking- und Zahlungsverkehrslösungen für die Immobilienbranche und angrenzende Branchen. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse des Trendbarometers 2025 hat sie auf ihrer Website in einem 26-seitigen PDF veröffentlicht (Direktlink hier ).
Neuverträge unbezahlbar
Das Trendbarometer bestätigt noch einmal, was Politik und Immobilienbranche natürlich längst wissen: Wohnen wird hierzulande immer stärker zu einem gesellschaftlich brisanten Thema, da hohe Mieten mittlerweile selbst die breite Mitte der Gesellschaft überfordern und somit zunehmend den sozialen Frieden gefährden. Vor allem in Ballungszentren ist das längst Realität – zumindest für Menschen, die nicht von einem noch verhältnismäßig günstigem Altmietvertrag profitieren oder zum Umziehen gezwungen sind.

Laut Trendbarometer glauben 91 % der Mieter, dass die Mieten in Ballungszentren für Normalverdiener nicht mehr bezahlbar sind. 87 % der Befragten sehen darin eine ernsthafte Gefahr für den sozialen Frieden. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich dieser Wert noch einmal um drei Prozentpunkte erhöht. Immerhin 51 % der Mieter sind aber mit dem Preis-Leistungsverhältnis in ihrer aktuellen Wohnung zufrieden. Das verweist auf die Tatsache, dass die „Unbezahlbarkeit“ vor allem für den Markt der Neuvermietungen gilt, während ein großer Teil der Altverträge offenbar durchaus noch als bezahlbar gilt.
Auch wenn die meisten Mieter die Marktpreise für Neuvermietungen für unbezahlbar halten, ist Wohneigentum für 82 % der Befragten keine Option. Das hat unterschiedliche Gründe. 43 % der Befragten gaben an, dass sie sich Wohneigentum bei den derzeitigen Preisen finanziell einfach nicht leisten können. 24 % sind gegen Wohneigentum, weil sie ihre Flexibilität nicht aufgeben wollen. 15 % ziehen den Erwerb einer Wohnung aus anderen Gründen nicht in Betracht (zum Beispiel berufliche Unsicherheit, derzeitige Lebenssituation).
Hohe Nebenkosten
Zunehmend unbezahlbar wird Wohnen nicht nur durch die reinen Mietpreise, sondern auch durch die hohen Nebenkosten in Deutschland. Besonders im Fokus stehen natürlich die hohen Energiekosten (Strom, Heizung).
Für sinkende Heizkosten könnten mehr energetische Sanierungen sorgen. Doch die diesbezüglichen Ansichten der Mieter im Trendbarometer sind ambivalent. Für mehr als jeden Zweiten (53 %) ist zwar ein nachhaltiges Gebäude bei der Wohnungssuche wichtig, da man ansonsten explodierende Nebenkosten befürchtet. Zugleich befürchten aber 70 % der Mieter, dass energetische Sanierungen die Situation auf dem Mietmarkt noch verschärfen werden, weil sie zu noch höheren Mieten führen.
Wer sowohl hohe Mieten als auch hohe Energiekosten fürchten muss, für den ist zwangsläufig oft Verzicht die einzige Option. 57 % der Befragten gaben an, bereits heute aktiv Energie und Wasser zu sparen, bei der älteren Generation sind es sogar 72 %.
Deutsche Mietwohnungen sind übrigens nicht nur teuer, sondern in vielen Fällen auch nicht besonders gut ausgestattet. Im Trendbarometer zeigen sich jedenfalls nur 53 % der Mieter zufrieden mit der Qualität und Ausstattung ihrer Wohnung. Bei den digitalen Services (insbesondere schnelles Internet) äußerte sich sogar nur ein Viertel der Befragten zufrieden.
Beurteilung der Mietpreisbremse
Was tun? 74 % der Mieter halten die Mietpreisbremse für ein sinnvolles Instrument, um soziale Spannungen zu verringern. Von der Wohnungswirtschaft erwarten 69 % mehr sozialen Wohnungsbau. 51 % erhoffen sich mehr Umwandlungen von Gewerbe- in Wohnimmobilien, 40 % wünschen neue Quartiere am Stadtrand. Auf die Schaffung von mehr Mikroapartments und Angebote zum möblierten Wohnen hoffen dagegen nur 20 % der Mieter.
Von der Politik wünschen sich die Mieter vor allem weniger Bürokratie zur Senkung von Kosten und Bauzeiten (72 %) sowie eine bedarfsgerechte staatliche Förderung (65 %). Der Wohnungsmarkt dürfe nicht nur rein gewinnorientiert sein: Dieser Aussage stimmen 82 % der Befragten zu.
Befragung der Wohnungswirtschaft
Für das Trendbarometer 2025 hat die Aareal Bank nicht nur Mieterinnen und Mieter befragen lassen, sondern auch eine (nicht repräsentative) Umfrage mit rund 110 Entscheidern aus der Wohnungswirtschaft durchgeführt – allesamt übrigens Kunden der Bank. Beim Thema Mietpreise ergab diese Umfrage ein ähnliches Ergebnis wie bei den Mietern: 80 % der Entscheider halten die Mieten in Ballungszentren für Normalverdiener für kaum noch bezahlbar. 94 % erwarten, dass energetische Sanierungen den Markt weiter belasten werden.
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Stark abweichend ist die Einschätzung zur Mietpreisbremse: Während fast drei Viertel der Mieter sie für sinnvoll hält, ist es bei den Entscheidern genau andersherum. 75 % der Befragten glauben, dass die Mietpreisbremse das Wohnungsproblem eher noch verschärfe, da sie Investitionen in den Wohnneubau hemme. Als geeignetere Instrumente zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums betrachten die Entscheider insbesondere eine Senkung der Baunebenkosten (98 %), Bürokratieabbau (94 %) und eine bedarfsgerechte Förderung (82 %).
Doch auch wenn die Politik die – aus Sicht der Immobilienbranche – richtigen Rahmenbedingungen schaffen würde, bliebe ein strukturelles Problem: der Fachkräftemangel. 88 % der befragten Entscheider rechnen diesbezüglich mit einer weiteren Verschärfung, die sich vor allem negativ auf Neubau, Instandhaltung und technische Gebäudeausstattung auswirken werde. Als Lösung sehen zwei Drittel der Entscheider die Digitalisierung von Routineaufgaben.