Wie Holzbauweise und innovative Vorfertigungstechnologien zur nachhaltigen Transformation von Bestandsgebäuden beitragen können, demonstriert das Projekt „The Flag“ in Köln-Nippes. Das ehemalige Bürogebäude wurde in ein modernes Appartementhaus umgewandelt. Neben der Aufstockung in Holzbauweise realisierte das Bauunternehmen Brüninghoff eine energetisch optimierte Vorhangfassade.
Das Familienunternehmen The Flag konzentriert sich auf die Entwicklung, den Bau, den Kauf und den Betrieb von spezialisierten Wohnformen wie Studenten-Apartments oder Senioren- und Hotellösungen. So auch beim Projekt in Köln-Nippes, bei dem ein Bürobau aus den 1980er-Jahren in ein modernes Appartementhaus für Studierende und Young Professionals umgewandelt wurde.
Das Bestandsgebäude wurde nach Entwürfen von ME Projektsteuerung + Bauen Architekten aus Troisdorf ressourcenschonend umgebaut. Im Auftrag von The Flag fungierte dabei die Florack Bauunternehmung als Generalübernehmer, der wiederum die Firmen Brüninghoff und Plansite beauftragte. Brüninghoff setzte die Aufstockung der einzelnen Gebäudeteile in Holzbauweise sowie die energetisch optimierte Vorhangfassade um. Plansite übernahm bei dem Projekt die Tragwerksplanung und die Holzbaufachplanung.
137 Wohneinheiten
Schon der alte Bürokomplex an der Neusser Straße 159 verfügte über verschieden hohe Staffelgeschosse, die im Zuge der Modernisierung durchweg um ein weiteres Geschoss beziehungsweise einen Pavillon erweitert wurden. Nach dem Umbau verfügt der Komplex nun über 137 Wohneinheiten, aufgeteilt auf Baukörper mit vier bis sieben Geschossen und einer Bruttogeschossfläche von insgesamt 7.134 m2.

Ab Dezember 2024 wurde das Bestandsgebäude zunächst vollständig entkernt und bis auf die Stahlbetonskelettstruktur zurückgebaut. Ziel war es, den Bestand durch eine Aufstockung in Holzbauweise zu erweitern und gleichzeitig eine nachhaltige Nutzung zu gewährleisten. Die neuen Geschosse wurden mit vorgefertigten Holzrahmenbau -Elementen realisiert. Das oberste Geschoss umfasst Gemeinschaftsflächen mit Kamin und Zugang zur Dachterrasse. Die komplette Fertigstellung ist für Februar 2026 geplant.
Die Entscheidung für Holz als Hauptbaumaterial war maßgeblich von den Vorteilen des geringen Gewichts bei gleichzeitig hoher Tragfähigkeit und dem positiven Beitrag zur Nachhaltigkeit geprägt. Durch die Aufstockungen in Holzbauweise konnten neue Lasten auf die bestehende Stahlbetonstruktur des Altbaus relativ gering ausfallen. Wo notwendig, wurden Lamellen aus carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK-Lamellen) und zusätzliche Betonwände integriert, um die Tragfähigkeit zu gewährleisten.
Aufbau der neuen Geschosswände
Als tragende Elemente der neuen Geschosse kamen Brettschichtholz -Stützen und Brettsperrholz -Decken zum Einsatz. Die vorgefertigten Außenwände sind aus mehreren Schichten aufgebaut: Auf der Innenseite bildet eine 15 mm dicke Gipsfaserplatte die erste Schicht, die eine glatte und robuste Oberfläche für die Innenraumgestaltung bietet. Direkt darauf folgt eine weitere 15 mm starke Gipsfaserplatte, die als Dampfsperre fungiert. Das tragende Rahmenelement der Wand besteht aus 6/240 Millimeter starkem Konstruktionsvollholz .

Zwischen den Holzständern wurde eine 240 mm dicke, nichtbrennbare Mineralwolle-Schicht eingebracht, die zu einem effektiven Wärme- und Schallschutz gleichermaßen beiträgt. Auf der Außenseite der Dämmung folgt erneut eine 15 mm dicke Gipsfaserplatte und eine diffusionsoffene Fassadenbahn zum Schutz vor Wind und Feuchtigkeit. Auf die Abdichtungsbahn wiederum wurde eine Lattung aus Konstruktionsvollholz montiert, die als Unterkonstruktion für die Fassadenverkleidung dient und gleichzeitig eine Hinterlüftung ermöglicht.
Den Abschluss bildet eine 8 mm dicke Außenverkleidung aus roten „Colours“-Platten von Rockpanel. Diese Platten bestehen aus hoch verdichteter Steinwolle und einer Farbbeschichtung. Sie sind nicht nur witterungsbeständig und langlebig, sondern verleihen der Fassade auch eine moderne und hochwertige Optik. Die Fassade trägt auch wesentlich zur Einhaltung des Effizienzhaus -Standards EH 40 bei, der für die Aufstockung angestrebt wurde.
Vorfertigung und Logistik
Ein zentraler Aspekt des Projekts war der hohe Vorfertigungsgrad der Bauelemente. Die Holzrahmenbauelemente wurden alle vorproduziert – inklusive Fenster, Dämmung und Fassadenverkleidung. Diese Vorgehensweise minimierte die Bauzeit vor Ort und reduzierte die Belastung durch Baustellenverkehr in der dicht bebauten Innenstadtlage. Ferner ermöglicht die Vorfertigung eine wetterunabhängige Produktion und reduziert Abfälle auf der Baustelle.
Die urbane Lage stellte besondere Anforderungen an die Logistik. Aufgrund begrenzter Lagerflächen auf der Baustelle erfolgte die Anlieferung der Bauteile „just in time“. Ein durchdachtes Montagekonzept sorgte für einen reibungslosen Bauablauf. Ein Kran im Innenhof ermöglichte die vertikale und horizontale Verladung der Bauteile. Zudem kam eine funkgesteuerte Traverse zum Einsatz, die eine millimetergenaue Positionierung der Elemente ermöglicht.
Flachdachkonstruktion
Die Flachdachkonstruktion der neuen Geschosse wurde als Warmdach ausgeführt. Eine Brettsperrholzdecke aus Fichtenholz bildet dafür die Basis. Zur Wärmedämmung wird beim Flachdach eine 36 cm dicke EPS -Schicht eingesetzt, bei der Dachterrasse beträgt die Schichtstärke 20 cm. Die Gefälledämmplatten verhelfen zu einer Neigung von 2 %, sodass anfallendes Wasser zur Gebäudemitte abgeleitet wird.
Baustoff-Fachwissen verständlich erklärt: Jetzt Newsletter abonnieren!
Der BaustoffWissen-Newsletter bringt Sie thematisch immer auf den neuesten Stand. Sie erhalten die Branchen-News dann zwei Mal monatlich.