RM Rudolf Müller
Verarbeitung des Abschirmputzes „Meno“ vom Hersteller Lesando. Foto: Hersteller

Verarbeitung des Abschirmputzes „Meno“ vom Hersteller Lesando. Foto: Hersteller

Boden und Wand
24. April 2018 | Artikel teilen Artikel teilen

Elektrosmog: Was ist ein Abschirmputz?

Wer hat noch Angst vor elektromagnetischer Strahlung in seiner Wohnung? Scheinbar immer weniger Menschen. Schließlich ist das Smartphone heute der Deutschen liebstes Kind – da wirkt das Thema Elektrosmog irgendwie von gestern. Kein Wunder, dass Bauprodukte, die Strahlenschutz versprechen, eher Nischenprodukte sind. Das gilt auch für so genannten Abschirmputz.

Das typische Wohnumfeld, in dem Menschen leben, ändert sich immer mal wieder. Jede Zeit hat eben ihre eigenen Möbel- und Einrichtungstrends. Auch wenn einem der Wandel zunächst gar nicht so bewusst ist, weil er sich nur allmählich und schrittweise vollzieht, sieht man ihn doch sofort beim Betrachten alter Fotos. Vor 20 Jahren sahen unsere Wohnungen eben anders aus als heute.

In den letzten Jahren hat sich in unserem Wohnumfeld aber auch noch etwas ganz Anderes geändert – etwas, das man nicht sehen kann. Wir sind heute in unseren eigenen vier Wänden weitaus stärker von elektromagnetischen Funkfeldern umgeben als früher. Der Dauergebrauch von Smartphones, Tablet-PCs sowie immer weiterer technischer Geräte mit WLAN- oder Bluetooth-Funktion setzt uns einer permanenten „Berieselung“ durch Nieder- und Hochfrequenzstrahlen aus.

Geringes Problembewusstsein

Trotzdem scheinen sich heute nur wenige Menschen Sorgen wegen des zunehmenden Elektrosmogs zu machen. Nur einige überlegen überhaupt, wie sie zumindest einzelne Wohnbereiche – etwa das Schlafzimmer – vor den Funkfeldern aus der eigenen Wohnung oder dem Nachbarhaus abschirmen können.

Menschen, die unter elektromagnetischer Hypersensitivität (EHS) leiden, sind allerdings gezwungen, sich über Schutzmöglichkeiten zu informieren. Über spezielle Gipsplatten und Mauerwerksteine, die den Durchgang elektromagnetischer Strahlen durch Gebäudewände stoppen oder zumindest stark eindämmen, haben wir bereits im Beitrag „Wohngesundheit: Baustoffe gegen Elektrosmog“ informiert. Neben diesen Produkten gibt es aber auch so genannte Abschirmputze.

Raumseitiger Schutzputz

Vor elektromagnetischen Feldern in Wohnbereichen wird selten gewarnt, obwohl sie in den letzten Jahren stark zugenommen haben.

Vor elektromagnetischen Feldern in Wohnbereichen wird selten gewarnt, obwohl sie in den letzten Jahren stark zugenommen haben.

Mit Abschirmputzen beschichtet man Raumwände von innen. Elektromagnetische Strahlen, die sich von draußen (bei Außenwänden) oder von einem Nachbarraum aus (bei Innenwänden) durch das Mauerwerk ausbreiten, werden durch diese Putzmörtel größtenteils daran gehindert, in den Innenraum einzutreten. Möglich wird das durch spezielle Zusätze im Putz, meist Karbonfasern oder Graphit, die den Baustoff elektrisch leitfähig machen.

Damit die Abschirmung funktioniert, muss man die Putzfläche allerdings fachgerecht erden lassen. Das „Abblocken“ der Strahlung erfolgt nämlich durch die Ableitung von Elektrizität ins Erdreich. Das macht die Sache allerdings auch etwas komplizierter als den Auftrag eines normalen Putzes. In der Regel muss ein Elektriker hinzugezogen werden, der Kabel in den noch frischen Putz einlegt und diese an spezielle Ableitbleche anschließt, die an Wand oder Decke montiert werden.

Trotz der Zunahme elektromagnetischer Strahlung in Wohnbereichen sind Abschirmputze heute eher Nischenprodukte. Einige große Baustoffhersteller führten sie vor ein paar Jahren noch im Sortiment, haben sich zwischenzeitlich aber wieder davon verabschiedet. Offenbar war das Geschäft nicht lohnend, die Nachfrage zu gering. Ein Hauptgrund dafür ist sicher der Smartphone-Boom der letzten Jahre. Die allgemeine Begeisterung für diese Technik hat wohl entscheidend dazu beigetragen, dass sich die in den 90er-Jahren noch verbreiteten Ängste vor Funkwellen heute weitgehend in Luft aufgelöst haben.

Lehmputz mit Karbonfasern

Sucht man im Internet nach Abschirmputz, wird man aber immer noch fündig, wenn auch eher bei kleineren Anbietern. Meist handelt es sich bei den Angeboten um Lehmputz-Produkte. Gibt man bei Google das Stichwort „Abschirmputz“ ein, erscheint bei den Suchtreffern weit oben zum Beispiel der Lehmfeinputz „Meno“ vom Hersteller Lesando. Er enthält Karbonfasern und soll nach Herstellerangaben bei einer Gesamtschichtstärke von 1,5 mm, die in zwei Lagen aufzutragen ist, den Durchgang hochfrequenter elektromagnetischer Wellen und niederfrequenter elektrischer Wechselfelder deutlich minimieren. Nicht wirksam ist er dagegen bei magnetischen Feldern.

Abschirm-Lehmputze sind Unterputze. Man muss also nach der vollständigen Durchtrocknung immer noch ein abschließendes Oberflächen-Finish auftragen, zum Beispiel einen Lehmdekorputz oder eine Lehmfarbe. Übrigens sind Putze nicht die einzigen Produkte, mit denen man Innenwände zwecks Strahlenabschirmung beschichten kann. Die Industrie bietet auch Abschirmfarben und Abschirmtapeten. Auch diese Alternativprodukte müssen geerdet werden.


Mehr zum Thema Wohngesundheit finden Sie in der Übersicht


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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