RM Rudolf Müller
Die Firstrolle wird unter den Firstziegeln auf der Firstlatte befestigt. Grafik: Klöber

Die Firstrolle wird unter den Firstziegeln auf der Firstlatte befestigt. Grafik: Klöber

Dach
14. Januar 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Steildach-Belüftung: Funktion von First- und Gratrollen

Um Feuchtigkeitsschäden vorzubeugen, müssen Steildächer belüftet werden. Eine freie Luftzirkulation ist aber nur gewährleistet, wenn die Luft, die an der Dachtraufe unter die Eindeckung strömt, am oberen Ende des Daches wieder entweichen kann. Dafür gibt es so genannte First- und Gratrollen.

Vorab ein paar Definitionen zu den Fachausdrücken. Die Stellen am geneigten Dach, wo sich meist Dachrinnen befinden, also die Tropfkanten am unteren Ende der Dachflächen, bezeichnet man als Traufen. Wo die Dachflächen am oberen Ende aneinanderstoßen und eine waagerechte Kante bilden, befindet sich dagegen der so genannte First. Der Ausdruck Grat schließlich beschreibt ebenfalls die Außenecken zweier Dachflächen, allerdings geht es dabei nicht um waagerechte, sondern um schräge Kanten. Grate sind typisch für das Walmdach, das im Gegensatz zum einfachen Satteldach auch auf den Giebelseiten über geneigte Dachflächen verfügt. Die Grate verlaufen hier von der Traufe bis zum First.

Lüftungsebene am Steildach

First- und Gratrollen kommen überall dort zum Einsatz, wo zwei Dachflächen aneinanderstoßen. Foto: Monier Braas

First- und Gratrollen kommen überall dort zum Einsatz, wo zwei Dachflächen aneinanderstoßen. Foto: Monier Braas

Luft strömt beim Steildach vor allem an der Traufe unter die Dachpfannen und muss am First beziehungsweise an den Graten wieder entweichen können. Ziel dieser natürlichen Belüftung ist es, Feuchtigkeit aus der Dachkonstruktion abzuführen. Dabei kann es sich um Niederschläge handeln, die durch die Ritzen der Eindeckung unter die Dachhaut geraten, oder um Feuchtigkeit aus dem Gebäudeinneren. Wasserdampf aus dem Dachraum wandert bei diffusionsoffenen Konstruktionen durch Zwischensparren- und/oder Aufsparrendämmungen und muss auf der anderen Seite entweichen können, damit es in den kühleren Außenbereichen des Dachaufbaus nicht zu Schimmelschäden kommt.

Die Lüftungsebene befindet sich bei modernen Dächern in der Regel direkt unter den Dachpfannen, also zwischen Eindeckung und einer diffusionsoffenen Unterdeckbahn, die heute normalerweise direkt auf der Dämmung verlegt wird. Das war früher noch anders, als man für die Regensicherheit unter den Dachpfannen Unterspannbahnen einsetzte, die nicht diffusionsoffen waren. Wenn unterhalb solcher Unterspannungen eine Zwischensparrendämmung eingebaut wurde, musste zwischen Bahn und Dämmung ein Lüftungsabstand von mindestens 2 cm eingehalten werden.

Der Lüftungsquerschnitt von mindestens 2 cm ist nach DIN 4108­3 aber auch bei modernen Dachkonstruktionen Pflicht. Nur dass er dort eben zwischen Dachpfannen und diffusionsoffener Unterdeckbahn einzuhalten ist. Sichergestellt wird dieser Abstand durch die so genannten Konterlatten, die direkt auf der Unterdeckbahn im Bereich der Dachsparren befestigt sind. Konterlatten verlaufen senkrecht zu den Dachlatten, an denen man die Dachpfannen befestigt.

First- und Gratrollen

Rollenware aus Aluminium, passend zur Dacheindeckung lackiert. Foto: Wienerberger/Koramic

Rollenware aus Aluminium, passend zur Dacheindeckung lackiert.

Nachdem nun klar ist, wo die Lüftungsebene verläuft und wie der Mindest-Lüftungsquerschnitt sichergestellt wird, bleibt noch die Frage, wie die freie Luftzirkulation unter der Eindeckung funktioniert. Wie oben schon erwähnt, muss der Luftstrom, der an der Traufe unter das Dach eindringt, am First irgendwie wieder entweichen können. Das Dach darf dort also nicht komplett geschlossen sein. Möglich wird das, weil die obere Abdeckung durch Firstziegel erfolgt, die leicht erhöht auf der so genannten Firstlatte montiert sind (siehe Foto). So wird einerseits verhindert, dass es von oben in die Dachkonstruktion hineinregnet, andererseits kann auf beiden Seiten der Firstziegel aber auch noch Luft entweichen.

Unterhalb der Firstziegel erfolgt die Abdeckung heute oft mithilfe einer Firstrolle. Da dieselbe Rollenware auch an den Graten zum Einsatz kommt, spricht man von First- und Gratrollen. Diese bestehen entweder aus Metall – meist Aluminium oder Kupfer – oder aus Kunststoff. First- und Gratrollen verfügen über zahlreiche winzige Lüftungsöffnungen, sodass der in DIN 4108-3 vorgeschriebene Lüftungsquerschnitt von 180 cm2 pro laufendem Meter sichergestellt ist. Die Rollen werden über die First- beziehungsweise Gratlatte gelegt und dort einfach mit Nägeln oder Tackerklammern fixiert. Zur Befestigung auf der obersten Dachpfannenreihe verfügen die Rollen meist über Klebebänder.

Vollkeramische Firstlösungen

Viele Dachziegelhersteller bieten für manche ihrer Ziegelmodelle auch vollkeramische Firstlösungen an. Da kommen dann eben keine Metall- oder Kunststoffrollen zum Einsatz. Stattdessen besteht auch der Firstbereich durchgängig aus keramischen Ziegeln. Möglich wird das durch den Einsatz von speziellen Firstanschlussziegeln, die man auf jeder Dachseite für die oberste Ziegelreihe verwendet. Sie sind so geformt, dass sie unterhalb der Firstziegel bis an die Firstlatte heran verlegt werden können. Diese Überlappung garantiert Regensicherheit, zugleich verbleiben aber auch noch Lüftungsschlitze. Doch solche vollkeramischen Lösungen gibt es längst nicht für alle Dachziegelmodelle. Deshalb sind First- und Gratrollen in vielen Fällen unersetzlich.


Mehr zum Thema Dach findest du hier.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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