RM Rudolf Müller
In Offenhausen wurde ein Einfamilienhaus als Effizienzhaus 40 Plus fertiggestellt – mit 42,5 cm Porenbeton-Mauerwerk ohne Zusatzdämmung. Foto: Porit

In Offenhausen wurde ein Einfamilienhaus als Effizienzhaus 40 Plus fertiggestellt – mit 42,5 cm Porenbeton-Mauerwerk ohne Zusatzdämmung. Foto: Porit

Energetisches Bauen
24. Oktober 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Gebäudestandard: Was ist ein Effizienzhaus 40 Plus?

Seit dem 1. April 2016 fördert die KfW-Bank den Bau eines neu definierten Hausstandards: das so genannte Effizienzhaus 40 Plus. Was man darunter versteht, verrät der folgende Beitrag.

Was ist eigentlich ein Effizienzhaus? Und welche Rolle spielt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bank) bei der Finanzierung? Diese Fragen haben wir bereits im Beitrag „Was ist ein KfW-Effizienzhaus?“ ausführlich beantwortet. An dieser  Stelle daher nur eine kurze Wiederholung.

Was ist ein Effizienzhaus?

Das Effizienzhaus-System wurde von der KfW zusammen mit der Deutschen Energie-Agentur (dena) entwickelt. Der Gebäudestandard leitet sich von den so genannten Referenzhäusern ab, die in der Energieeinsparverordnung (EnEV) definiert sind. Die Verordnung legt für Neubauten einen maximal zulässigen Energiebedarf (Jahres-Primärenergiebedarf) und einen maximal zulässigen Wärmeverlust durch die Gebäudehülle (Transmissionswärmeverlust) fest. Allerdings variieren diese Maximalwerte je nach Gebäudetyp. Deshalb definiert die EnEV unterschiedliche Referenzgebäude, für die – in Abhängigkeit von Eigenschaften wie Hausform, Nutzfläche, Ausrichtung und Heizungstechnik – unterschiedliche Obergrenzen festgelegt sind. Wer als Bauherr einen Neubau plant, findet die für ihn geltenden Grenzwerte bei dem jeweiligen Referenzgebäude, das zu seinem Bauvorhaben passt.

Und was ist nun ein Effizienzhaus? Das ist in der Regel ein Gebäude mit einem geringeren Jahres-Primärenergiebedarf als das gleichartige EnEV-Referenzgebäude. Ein Effizienzhaus 70 etwa verbraucht nur 70 % der Energie des Standard-Neubaus (Referenzgebäude), bei einem Effizienzhaus 40 sind es sogar nur 40 %. Außerdem ist für alle Effizienzhaustypen vorgeschrieben, dass der Wärmeverlust durch die Gebäudehülle geringer auszufallen hat als bei dem entsprechenden Referenzgebäude. Genaueres regelt hier die EnEV.

Wer als Bauherr ein Effizienzhaus errichtet, entscheidet sich freiwillig für einen besseren energetischen Standard als von der EnEV gefordert. Ein solches Verhalten will die Politik in Deutschland fördern. Deshalb wird der Bau von Effizienzhäusern durch die öffentliche Förderbank KfW finanziell unterstützt.

Neuer Standard 40 Plus

Von den bisherigen Effizienzhaus-Standards im Neubau fördert die KfW aktuell nur noch die Varianten 55 und 40. Grafik: Deutsche Energie-Agentur

Von den bisherigen Effizienzhaus-Standards im Neubau fördert die KfW aktuell nur noch die Varianten 55 und 40. Grafik: Deutsche Energie-Agentur

Für den neuen Gebäude-Energiestandard Effizienzhaus 40 Plus gelten die gleichen Anforderungen an den Primärenergiebedarf und den Transmissionswärmeverlust wie beim Effizienzhaus 40. Ein solches Haus muss also mindestens 60 % weniger Energie verbrauchen als der Neubau-Standard. Darüber hinaus muss ein Effizienzhaus 40 Plus aber auch selbst Strom erzeugen und speichern – dafür steht das Plus.

Der Strom muss aus einer erneuerbaren Energiequelle stammen, direkt auf dem Grundstück des Effizienzhauses erzeugt und überwiegend im Gebäude selbst genutzt werden. In der Regel wird ein Effizienzhaus 40 Plus also über eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach verfügen. Darüber hinaus fordert der Gebäudestandard die Inbetriebnahme eines Stromspeichers im Haus. Die Photovoltaik-Module sind also an eine moderne Speicherbatterie anzuschließen. Eine weitere Auflage ist, dass Stromerzeugung und -verbrauch über ein Benutzer-Interface zu visualisieren sind, sodass die Hausbewohner die Werte jederzeit überprüfen können. Und noch etwas muss in einem Effizienzhaus 40 Plus zwingend vorhanden sein: eine Lüftungsanlage mit mindestens 80 % Wärmerückgewinnung.

Was fördert die KfW?

Nur wenn alle diese Anforderungen erfüllt sind, handelt es sich um ein förderfähiges KfW-Effizienzhaus 40 Plus. Das bedeutet konkret, dass der Bauherr auf Antrag einen zinsgünstigen Kredit bei der KfW-Bank bekommen kann. Die maximal erhältliche Kreditsumme wurde dieses Jahr übrigens verdoppelt: auf 100.000 Euro pro Wohneinheit. Diesen Förderkredit muss man aber nicht komplett zurückzahlen. Für das Effizienzhaus 40 Plus gewährt die KfW aktuell nämlich einen Tilgungszuschuss von 15 % der Kreditsumme. Pro Wohneinheit bekommt der Hausbesitzer auf diese Weise bis zu maximal 15.000 Euro quasi „geschenkt“.

Mittlerweile fördert die KfW übrigens nur noch den Bau der drei Effizienzhaus-Typen 55, 40 und 40 Plus. Die bisherige Förderung des KfW-Effizienzhauses 70 ist zum 31. März 2016 ausgelaufen. Grund dafür ist die Anhebung der energetischen Anforderungen in der aktuellen EnEV. Die energetischen Leistungswerte des Effizienzhauses 70 unterscheiden sich mittlerweile einfach kaum noch von den Mindestanforderungen an Standard-Neubauten.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: freierjournalist@rolandgrimm.com

 

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