RM Rudolf Müller
Edelputze gibt es vielfach in knallig leuchtenden Farben. Fotos: Quick-Mix

Edelputze gibt es vielfach in knallig leuchtenden Farben.
Fotos: Quick-Mix

Fassade und Massivbau
11. Februar 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Was versteht man unter Edelputzen?

Putz ist eigentlich ein relativ einfaches Produkt. Im Wesentlichen besteht er nur aus Sand, Wasser und einem Bindemittel. Trotzdem bietet die Baustoffindustrie heute ein sehr großes Angebot an unterschiedlichen Putzen mit speziellen Eigenschaften und Anwendungsbereichen. Ein Beispiel ist die Produktgruppe der Edelputze.

Putze sind Mörtel zur ein- oder mehrlagigen Beschichtung von Fassaden, Innenwänden oder Decken. Werden zwei oder mehr Putzschichten übereinander verarbeitet, dann kommen Unter- und Oberputze zum Einsatz. Letztere sind das, was man am Ende sieht, wenn der Putz auf das Mauerwerk aufgetragen wurde. Während der Unterputz im Verborgenen verbleibt und eigentlich nur dafür da ist, eine bestimmte Putzdicke zu erzielen sowie Unebenheiten im Untergrund auszugleichen, sollen Oberputze auch gut aussehen. Edelputze gehören zur Gruppe der Oberputze. Wie der Name schon sagt, stehen sie für eine besonders edle Optik der Putzoberfläche.

Bindemittel auf Kalkbasis

Alle Edelputze haben gemeinsam, dass sie entweder Kalk oder eine Kalk-Zementmischung als Bindemittel enthalten. Es handelt sich um farbige, mineralische Werk-Trockenmörtel für das Oberflächenfinish von Fassaden, aber auch von Innenwänden. Sie werden gebrauchsfertig als Sackware geliefert und müssen auf der Baustelle nur noch mit Wasser angerührt werden. Für den Außenbereich sind Edelputze gut geeignet, weil sie relativ unempfindlich auf Wettereinflüsse wie Wind und Niederschläge reagieren. Sie sind außerdem farbecht und bleichen bei Sonneneinstrahlung nicht aus.

Brillante Optik

Edelputze gibt es nicht nur in klassischem Weiß, sondern auch in vielen anderen, manchmal regelrecht knallig leuchtenden Farben. Keine Frage: Den Zusatz „Edel“ tragen die Produkte vor allem wegen ihrer besonders brillanten Optik. Edelputze enthalten Farbpigmente, wobei die Baustoffindustrie aber auf Natürlichkeit setzt und Chemie vermeidet. Verwendet werden natürliche Zusätze mineralischen Ursprungs – zum Beispiel farbige Gesteinsmehle. Oder die Produkte enthalten farbige Natursteinkörner beziehungsweise glitzernde Mineralkörnungen wie Kalkspat, Feldspat oder Glimmer, die für interessante Lichtreflektionen sorgen.

Natürlicher Feuchteschutz

Edelputze sind also trotz ihrer zuweilen „knalligen“ Optik zu 100 % mineralische Baustoffe. Aufgrund ihres Kalkgehalts eignen sie sich zudem als Feuchtepuffer und erhöhen so die Wohngesundheit. Kalkputze haben wegen ihrer offenporigen Struktur gute Diffusionseigenschaften und können wegen ihrer Saugfähigkeit bis zu einem gewissen Grad auch flüssiges Wasser gefahrlos aufnehmen und zwischenspeichern. So werden feuchte Wände vermieden. Das schützt im Innenraum vor Schimmelbefall und an der Fassade vor Algen-, Pilz- oder Moosbewuchs. Kalkhaltige Produkte haben zudem einen hohen pH-Wert und sind schon deshalb weitgehend unempfindlich gegen Schimmelpilzbefall.

Unterschiedliche Putzstrukturen

Unterschiedliche Putzstrukturen (v.l.): Scheibenputz, Rauputz, Edelfeinputz und Kratzputz.

Unterschiedliche Putzstrukturen (v.l.): Scheibenputz, Rauputz, Edelfeinputz und Kratzputz.

Größere Oberflächen, die völlig glatt sind, wirken meist nicht besonders attraktiv. Das Auge findet an ihnen einfach keinen Halt. Putzfassaden oder Innenwände sind deshalb in der Regel strukturiert – zum Beispiel als Scheibenputz, Münchner Rauputz (Reibeputz), Rillenputz, Kratzputz oder Feinputz (siehe Fotos). Diese unterschiedlichen Verarbeitungstechniken erhöhen auch bei Edelputzen die Gestaltungsvielfalt noch einmal deutlich. Die jeweiligen Optiken erzeugt der Verarbeiter durch Verwendung spezieller Werkzeuge wie Kelle, Reibebrett, Quast oder Streichrolle. Neben der Verarbeitungstechnik wird die Optik zudem auch durch unterschiedliche Sandkorngrößen oder Natursteinzusätze im Putz selbst beeinflusst.


Mehr zum Thema Massivbau finden Sie in der Übersicht.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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