RM Rudolf Müller
Alter Ausbauasphalt wird heute zu etwa 84 % wiederverwendet.  Foto: Pixabay

Alter Ausbauasphalt wird heute zu etwa 84 % wiederverwendet.  Foto: Pixabay

GaLabau und Tiefbau
07. Januar 2020 | Artikel teilen Artikel teilen

Straßenbau: Wiederverwendung von Asphalt

Asphalt ist der am meisten verwendete Straßenbelag. Zugleich ist der Baustoff in den letzten Jahrzehnten deutlich nachhaltiger geworden. Seit den 1970er-Jahren wird so genannter Ausbauasphalt, der beim Aufbruch sanierungsbedürftiger Beläge anfällt, nämlich immer häufiger für den Bau neuer Straßen wiederverwendet. Nach Zahlen des Deutschen Asphaltverbands fielen 2017 etwa 13 Mio. Tonnen an Ausbauasphalt an. Davon wurden etwa 84 % wiederverwendet.

Asphalt ist eine Mischung aus Gesteinskörnungen und Bitumen als Bindemittel und wird nicht nur für die oberste Deckschicht von Straßen verwendet, sondern kommt auch in der darunter liegenden Binderschicht sowie in den gebundenen Tragschichten zum Einsatz. Weitere Infos zum Aufbau von Straßen bietet unser Beitrag „Oberbau: Der Schichtenaufbau einer Straße“.

Hohe Wiederverwendungsrate

Asphalt ist zwar nicht so langlebig, formbeständig und hitzeunempfindlich wie Beton, dafür aber günstiger und geräuschärmer beim Befahren. Außerdem lässt sich der Straßenbaustoff schnell einbauen, weil er in kurzer Zeit trocknet. Und nicht zuletzt hat Asphalt den großen Vorteil, dass man ihn sehr gut wiederverwenden kann. Werden alte Asphaltbeläge aufgebrochen, lässt sich das so gewonnene Material für den Bau neuer Straßen einsetzen.

Neue Straßen werden zwar in der Regel nicht komplett aus Ausbauasphalt hergestellt. Aber das Altmaterial fließt mittlerweile in großen Mengen in die Herstellung von neuem Asphaltmischgut ein. Dessen Gesamtproduktionsmenge betrug in Deutschland 2017 rund 42 Mio. Tonnen. Dabei belief sich der Gesamtanteil von wiederverwendetem Asphaltgranulat immerhin auf 26 %.

Fräs- und Aufbruchasphalt

Ausbauasphalt wird auf zweierlei Weise gewonnen. Entweder fräst man den alten Straßenbelag in relativ kleine Stücke oder aber er wird aufgebrochen und dann in größeren Schollen abgetragen. Entsprechend unterscheidet man Fräs- und Aufbruchasphalt. Beide Sorten müssen nach dem Abbau erst zu Asphaltgranulat zerkleinert werden, bevor sie wieder in die Herstellung von neuem Asphaltmischgut im Heißmischverfahren einfließen können.

Sowohl Fräs- als auch Aufbruchasphalt wird heute meist schichtenweise abgebaut. Man vermeidet eine Vermischung des Altmaterials aus der Fahrbahndecke und den darunter liegenden Tragschichten. Die möglichst sortenreine Sortierung macht Sinn, denn schließlich hat der Asphalt für die Deckschichten eine ganz andere Qualität als der für die Tragschichten. Er enthält zum Beispiel feinkörnigere Gesteinszuschläge und einen größeren Bitumenanteil.

Möglichkeiten der Wiederverwendung

Das Altmaterial fließt in großen Mengen in die Produktion von neuem Asphaltmischgut ein. Foto: Pixabay

Das Altmaterial fließt in großen Mengen in die Produktion von neuem Asphaltmischgut ein. Foto: Pixabay

Die höchstwertigste Wiederverwendung besteht darin, das Material erneut für die Fahrbahndecke zu verwenden – also für die Deck- und Binderschicht. Ausbauasphalt von geringerer Qualität kommt aber auch für die gebundenen Tragschichten unterhalb der Fahrbahndecke zum Einsatz.

Früher war die Wiederverwendung im Tragschichtbereich die häufigste Anwendung. Heutige Tragschichten bestehen bereits oft zu durchschnittlich einem Drittel aus Ausbauasphalt. Da in Deutschland aber nur noch relativ wenige neue Straßen gebaut werden und die einmal eingebauten, tief liegenden Tragschichten selten ausgetauscht werden müssen, liegt der Fokus mittlerweile eindeutig darauf, mehr Ausbauasphalt in die Erneuerung von Fahrbahndecken einfließen zu lassen. Hierfür darf nur Altasphalt zum Einsatz kommen, der auch vorher für die Fahrbahndecke verwendet wurde.

Das Altmaterial muss zudem höhere Qualitätsanforderungen erfüllen als bei der Verwendung für Tragschichten. Forschungen haben aber gezeigt, dass die Verwendung von Ausbauasphalt in neuen Fahrbahndecken zu keinen Qualitätseinbußen führt, sofern das Material zuvor sorgfältig ausgesucht wurde.

Einsatz von Rejuvenatoren

Eine Wiederverwendung für die Deck- und Binderschicht ist allerdings schwierig, wenn das Bitumen aus Altbelägen im Laufe der Zeit zu stark versprödet ist. Das kommt insbesondere vor, wenn bereits die Altbeläge unter Beimischung von Ausbauasphalt hergestellt wurden. Irgendwann ist das Bindemittel Bitumen einfach zu hart und steif geworden, um sich in dieser Form noch für neue, qualitativ hochwertige Beläge zu eignen.

Es gibt aber mittlerweile die Möglichkeit, altes Asphaltgranulat durch Hinzufügung so genannter Rejuvenatoren (Verjüngungsmittel) so aufzubereiten, dass es sich wieder für die Wiederverwendung eignet. Rejuvenatoren sind spezielle Öle, die das alte Bindemittel weniger zähflüssig machen, also seine Viskosität senken.

Errechnung der Zugabemenge

Und wieviel Asphaltgranulat darf man nun in der Praxis dem Mischgut für einen neuen Straßenbelag beimengen? Das lässt sich pauschal nicht sagen. Es hängt unter anderem vom jeweiligen Straßenbauprojekt und der dort gewünschten Asphaltqualität ab, ferner aber auch von der Gleichmäßigkeit des Asphaltgranulates sowie nicht zuletzt von den technischen Eigenschaften der verwendeten Asphaltmischanlage.

Die Berechnung der maximal möglichen Zugabemenge ist jeweils im Einzelfall zu errechnen. Das Verfahren ist eine Wissenschaft für sich, die in der Publikation „Wiederverwenden von Asphalt“ des Deutschen Asphaltverbands näher beschrieben wird. In der Praxis hat es sogar bereits Straßenbauprojekte gegeben, bei denen der verwendete Asphalt zu über 90 % aus granuliertem Altmaterial bestand. Derartig hohe Wiederverwendungsraten sind aber nicht die Regel.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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