RM Rudolf Müller
Diese dreischichtigen Fertigparkett-Dielen haben eine Nutzschicht aus Edelholzfurnier. Foto: Kährs Parkett

Diese dreischichtigen Fertigparkett-Dielen haben eine Nutzschicht aus Edelholzfurnier. Foto: Kährs Parkett

 
Boden und Wand
27. Juli 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Was versteht man unter Fertigparkett?

Der Name Fertigparkett hat sich für Holzböden eingebürgert, die vom Hersteller bereits im Werk komplett endbehandelt werden. Im Gegensatz dazu steht herkömmliches Parkett, das der Parkettleger unbehandelt verlegt und danach vor Ort noch abschleifen, gegebenenfalls bürsten und mit Holzveredelungsmitteln behandeln muss. In der Regel besteht Fertigparkett aus mehreren, miteinander verleimten Holzschichten.

Als Erfinder des Fertigparketts gilt das schwedische Unternehmen Kährs. Bei der Entwicklung, die sich die Schweden im Jahr 1941 patentieren ließen, handelte es sich schon damals um ein Mehrschichtparkett. Die einzelnen Teile des Bodenbelag bestanden also nicht, wie bei herkömmlichem Parkett, aus massiven Holz, sondern waren aus drei Schichten aufgebaut: eine dünne Nutzschicht aus edlem Holz an der Oberfläche und darunter zwei zusätzliche Trägerschichten aus günstigerem Holz zur Gewährleistung der Formstabilität.

Schwedische Erfindung

Doch der mehrschichtige Aufbau war nicht die einzige Neuerung des Kährs-Produktes. Hinzu kam, dass der Belag nach dem Verlegen ohne weitere Nachbehandlungen sofort nutzbar war. Das spart viel Zeit und Geld beim Innenausbau. Beim herkömmlichen Massivparkett ist es dagegen so, dass die eigentliche Arbeit nach dem Verlegen der Holzstäbe oder -dielen oft erst richtig beginnt. Der Parkettleger muss dann erst noch die Oberflächen abschleifen, gegebenenfalls bürsten und mit Holzveredelungsmitteln wie Ölen, Wachsen oder Lacken behandeln. Bei der Erfindung von Kährs geschah all das bereits im Herstellerwerk. Der Boden also war fix und fertig, wenn er auf die Baustelle kam. Deshalb kam schnell der Begriff Fertigparkett auf.

Heute ist es so, dass auch Massivholzböden wie Stabparkett oder Mosaikparkett oft bereits werkseitig endbehandelt werden. So gesehen ist es nicht ganz logisch, wenn die Begriffe Mehrschichtparkett und Fertigparket synonym verwendet werden. Schließlich kann auch Massivparkett bereits ab Werk fertig endbehandelt sein. Gleichwohl handelt es sich bei Fertigparkett in den meisten Fällen um mehrschichtige Beläge. Diese dominieren nämlich mittlerweile eindeutig den Markt. Das verdeutlichen Zahlen des Verbandes der deutschen Parkettindustrie: Dessen Mitglieder produzierten 2016 insgesamt 7,9 Mio. m2 Parkett, davon waren rund 92 % Mehrschichtprodukte.

Aufbau des Parketts

Bei mehrschichtigem Fertigparkett ist die obere Nutzschicht in der Regel lackiert, geölt oder gewachst, oft auch gebürstet, und hat üblicherweise eine Stärke zwischen 2,5 und 5 mm. Sie besteht meist aus Hartholz, zum Beispiel aus Eiche oder Buche. Die Trägerschichten bestehen nicht selten aus günstigem Nadel-Weichholz oder sogar nur aus Holzwerkstoffen wie Spanplatten, Faserplatten oder Sperrholz. Die Schichten werden fest miteinander verleimt. Der Schichtaufbau hat im Übrigen einen praktischen Vorteil: Die Holzböden reagieren weniger empfindlich auf Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen als massives Parkett, sie quellen und schwinden weniger stark.

Im Gegensatz zum klassischen Massivparkett, bei dem kleinteilige Stab- und Mosaikoptiken sehr verbreitet sind, dominieren beim Mehrschichtparkett eindeutig die langestreckten, dielenförmigen Formate, zum Beispiel die so genannte Landhausdiele und der optisch etwas kleinteiligere Schiffsboden.

„Fertig“  sind diese Bodenmaterialien oft auch noch in einem anderen Sinn: Die Dielen verfügen nämlich häufig über ein Nut- und Feder-System, das eine schnelle, einfache und sichere Verlegung erlaubt. Durch praktische „Klick“-Verbindungen zwischen den einzelnen Dielen ist oft sogar eine schwimmende Verlegung möglich, sodass der Bodenbelag nicht mehr auf dem Untergrund verklebt werden muss. Um Nachteile beim Trittschallschutz auszugleichen, empfiehlt sich dann aber eine Dämmung unterhalb des Belags.

Eingeschränkte Schleifbarkeit

Bei rund 92 % des heute produzierten Parketts handelt es sich um mehrschichtiges Fertigparkett. Grafik: vdp

Bei rund 92 % des heute produzierten Parketts handelt es sich um mehrschichtiges Fertigparkett. Grafik: vdp

Wie wir gesehen haben, hat Fertigparkett/Mehrschichtparkett viele Vorteile gegenüber traditionellem Massivparkett. Hinzu kommt, dass es auch noch deutlich günstiger angeboten wird. Aber es gibt natürlich auch Nachteile. Vor allem verfügt Massivparkett über eine unübertroffene Langlebigkeit, da man es immer wieder erneuern kann, indem man die Oberfläche abschleift. Beim Mehrschichtparkett ist das in der Regel nur ein oder zwei Mal möglich – je nach Stärke der Nutzschicht. Danach ist die Oberfläche komplett abgeschliffen.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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