RM Rudolf Müller
Fichtenholz kommt für Bauprodukte besonders häufig zum Einsatz. Foto: Pixabay

Fichtenholz kommt für Bauprodukte besonders häufig zum Einsatz. Foto: Pixabay

Grundstoffe des Bauens
20. Juli 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Einheimische Holzarten (Teil 1): Nadelbäume

Viele Baustoffe bestehen aus Holz beziehungsweise Holzbestandteilen. Doch das Naturmaterial hat unterschiedliche Eigenschaften, je nachdem aus welchen Baumarten es gewonnen wird. Für die Bau- und Möbelindustrie in Deutschland sind vor allem die Nadelhölzer Fichte und Kiefer sowie die Laubhölzer Buche und Eiche wichtig. Im ersten Teil unseres Beitrags geht es zunächst um die einheimischen Nadelhölzer.

Nach den Zahlen der jüngsten Bundeswaldinventur von 2012 besteht rund 54,2 % der deutschen Waldfläche aus Nadelhölzern. Am meisten verbreitet sind Fichten, die hierzulande 25,4 % der gesamten Waldfläche einnehmen, gefolgt von den Kiefern mit 22,3 %. Erst weit dahinter folgen Lärche (2,8 %), Douglasie (2 %) und Tanne (1,7 %). Fichte und Kiefer sind auch die einheimischen Holzarten mit der größten Bedeutung für die Bauwirtschaft.

Der Anteil der Nadelhölzer am Gesamtwaldbestand (54,2 %) spiegelt übrigens deren Bedeutung für die Holzwirtschaft nur unzureichend wider. Vor allem bei den Bauprodukten ist die Dominanz der Nadelhölzer tatsächlich weitaus größer. Nach Angaben des Bundesverbandes der Säge- und Holzindustrie beträgt der Anteil der Laubbäume am jährlich geernteten Rundholz in Deutschland nur etwa 4 %. Der große Rest entfällt auf Nadelbäume.

Nadel- oder Laubholz?

Große Teile des deutschen Waldes bestehen aus Nadelbäumen. Foto: Pixabay

Große Teile des deutschen Waldes bestehen aus Nadelbäumen. Foto: Pixabay

Zwar werden Laubwälder in den letzten Jahrzehnten aus ökologischen Gründen vermehrt aufgeforstet, sodass ihr Anteil am Waldbestand wächst, aber die Baustoffindustrie setzt bisher weiterhin bevorzugt auf Nadelholz. Das mag überraschen, denn auf den ersten Blick haben Laubbäume eigentlich viele Vorteile. Ihr Holz hat eine höhere Dichte und ist daher deutlich härter und druckfester als das von Nadelbäumen.

Nadelholz wird dagegen auch als Weichholz bezeichnet. Es hat eine geringere Rohdichte als Laubholz und ist daher weniger fest, dafür aber auch deutlich leichter. Letzteres ist bei vielen Anwendungen im Baubereich durchaus von Vorteil. Die Industrie schätzt am Weichholz zudem, dass es leichter zu bearbeiten ist. Außerdem wachsen Nadelhölzer viel schneller und sind daher auch preiswerter. Insgesamt lässt sich sagen, dass Nadelhölzer aufgrund ihrer Rohstoffeigenschaften für viele Baustoffprodukte besonders geeignet sind. Die Festigkeit ist zwar geringer als bei Laubholz, aber das Verhältnis von geringem Gewicht und Festigkeit gilt als günstiger.

Fichte und Tanne

Keine andere Holzart kommt in Deutschland so häufig für Bauprodukte zum Einsatz wie die Fichte. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass sie besonders schnell wächst. Fichtenholz lässt sich gut zu Holzwerkstoffen verarbeiten (Spanholz, Faserholz, Sperrholz), spielt aber auch als Konstruktionsholz eine wichtige Rolle – etwa für Dachstühle, Holzbalkendecken oder auch für Träger aus Brettschichtholz. Im Innenausbau bestehen beispielsweise Wand- und Deckenbekleidungen sowie Böden und Treppen häufig aus dieser Holzart.

Auch Fenster, Türen und sogar Fassadenbekleidungen aus Fichtenholz sind keine Seltenheit. Allerdings ist das Material nicht besonders witterungsfest und relativ anfällig für Pilz- und Insektenbefall – insbesondere bei Kontakt mit dem Erdreich. Im Außenbereich ist deshalb in der Regel ein chemischer Holzschutz notwendig.

Weitgehend ähnliche Eigenschaften wie die Fichte hat die Tanne, die jedoch einen Vorteil hat: Ihr Holz ist feuchtigkeitsbeständiger. Außerdem tritt bei dieser Nadelbaumart kein Harz aus, deshalb eignet sie sich auch gut für den Möbelbau. Im Hausbau ist die Tanne im Prinzip für die gleichen Anwendungen nutzbar wie die Fichte. Allerdings geschieht das wesentlich seltener, da Tannenholz teurer ist.

Kiefer und Lärche

Nach der Fichte ist die Kiefer die am zweithäufigsten genutzte Baumart in der Holzindustrie. Ihr Holz wird im Gebäudebereich vielfältig verwendet, sowohl für Konstruktionszwecke als auch für Vertäfelungen in Innenräumen und an Fassaden, für Fußböden und Treppen sowie für Fenster und Türen. Das Material zeichnet sich durch eine vergleichsweise lange Haltbarkeit, eine hohe Tragfähigkeit und eine ansprechende Optik aus. Natürlich werden auch Holzwerkstoffe aus Kiefer hergestellt. Das Holz lässt sich mit dem Kesseldruckverfahren leicht imprägnieren und ist dann auch für den Außenbereich geeignet.

Unter allen einheimischen Nadelbaumarten liefern Lärchen das schwerste und härteste Holz. Es ist auch ohne Imprägnierung vergleichsweise witterungsbeständig, resistent gegen Chemikalien und dauerhaft. Deshalb wird es hierzulande häufig für Terrassendielen genutzt – als nachhaltige Alternative zu Tropenhölzern. Sogar im Erd-, Brücken- und Wasserbau kommt es zum Einsatz. Ansonsten ist die Verwendung ähnlich wie bei Kieferholz.

Douglasie

Die Douglasie ist eigentlich gar keine einheimische Baumart. Sie stammt aus Nordamerika und wird erst seit Ende des 19. Jahrhunderts in Europa angepflanzt. Aufgrund der guten natürlichen Dauerhaftigkeit des Holzes wird es hierzulande besonders im Außenbereich mittlerweile häufiger verwendet – zum Beispiel für Fassaden, Gerüste von Fachwerkhäusern, Dachüberstände oder Balkone. Allerdings sind die Einsatzmöglichkeiten noch begrenzt, da der flächenmäßige Anteil der Douglasie am deutschen Waldbestand – wie oben bereits erwähnt – bisher nur 2 % beträgt.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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