RM Rudolf Müller
Ölbehandlung eines Holzbodens. Foto: Auro

Ölbehandlung eines Holzbodens. Foto: Auro

Grundstoffe des Bauens
28. September 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Holzpflegemittel: Öl, Wachs oder Lack?

Holz ist in Gebäuden allgegenwärtig: als Material für Fußböden, Türen, Fenster, Wand- oder Deckenprofile und natürlich auch für Möbel aller Art. Dauerhaft Spaß an dem Naturmaterial hat allerdings nur, wer die Oberflächen fachgerecht pflegt. Dabei kommen insbesondere Öle, Wachse und Lacke zum Einsatz. Unser Beitrag bietet eine Übersicht über die Eigenschaften der verschiedenen Pflegemittel.

Bei Holz im Außenbereich ist zum Schutz vor Witterungseinflüssen oft ein Anstrich mit chemischen Holzschutzmitteln notwendig. Oder man kauft von vorneherein Hölzer, die mithilfe spezieller Schutzsalze bereits tiefenimprägniert sind (Kesseldruckimprägnierung). Als umweltfreundlichere Alternativen stehen hitzehandelte Thermohölzer zur Verfügung oder das „Dauerholz“-Verfahren, bei dem Holz vollständig mit Paraffinöl durchtränkt wird.

Im Innenbereich spricht man dagegen seltener von Holzschutz, sondern vielmehr von Holzpflege. Dafür stehen spezielle Holzpflegemittel zur Verfügung, die im Gegensatz zu vielen chemischen Holzschutzmitteln keine Biozide gegen Pilz- oder Insektenbefall enthalten. Über die dennoch möglichen VOC-Ausdunstungen der Indoor-Produkte informiert ein eigener Beitrag auf baustoffwissen.de. In diesem Beitrag geht es dagegen um die Frage, was für Holzpflegemittel es überhaupt gibt und welche Eigenschaften sie haben.

Warum Holzpflegemittel?

Das Angebot an Holzpflegemitteln ist riesig und ziemlich unübersichtlich. Grob unterscheiden lassen sich Öle, Wachse und Lacke/Lasuren, wobei Öle und Wachse als besonders schonend und umweltfreundlich gelten, Lacke dafür als langlebiger. Die Frage, welches Pflegemittel an Ende zu bevorzugen ist, hängt nicht zuletzt von der Art der Beanspruchung ab, der die Holzflächen im täglichen Gebrauch ausgesetzt sind. Darüber hinaus entscheidet natürlich auch der individuelle Geschmack. Für die Optik des Holzes macht es schließlich einen Unterschied, ob es geölt, gewachst oder lackiert wurde.

Ein Ziel aller Holzpflege besteht darin, die Oberflächen unempfindlicher gegen Kratz- und Stoßbelastungen zu machen. Auch im Innenbereich ist zudem ein gewisser Schutz vor Feuchtigkeit wichtig, wie sie etwa durch Spritzwasser entstehen kann. Zumal Holz in den letzten Jahren auch im Badbereich immer beliebter wird. Außerdem pflegen Holzpflegemittel nicht nur, sondern erleichtern auch die Reinigung der Oberflächen. Bekanntlich ist es sehr mühsam, auf unbehandeltem Holz Staub zu wischen. Nicht zuletzt entfalten viele Hölzer ihre Schönheit erst so richtig durch den Einsatz von pflegenden Anstrichen.

Natürliche Holzöle

Polieren eines mit Pflanzenwachs behandelten Bodens. Foto: Auro

Polieren eines mit Pflanzenwachs behandelten Bodens. Foto: Auro

Wenn hier von Ölen zur Holzbehandlung die Rede ist, sind Produkte gemeint, die aus natürlichen pflanzlichen Ölen wie etwa Leinöl bestehen. Diese Eingrenzung ist wichtig, denn es gibt auch Anstrichmittel, die auf synthetisch hergestellten Ölen basieren.

Natürliches Holz- oder Möbelöl dringt tief ins Holz ein und lässt dessen Oberfläche dunkler und glänzender – man könnte auch sagen: nasser – erscheinen. Die Maserung wird hervorgehoben, die Farben erscheinen intensiver. Fachleute sprechen davon, dass Öle das Holz „anfeuern“. Zugleich werden die Poren des Materials nicht verschlossen, das Holz bleibt also dampfdurchlässig.

Normale Holzöle haben allerdings den Nachteil, dass sie nicht besonders langlebig sind. Alle ein bis drei Jahre sollte man die Oberflächenbehandlung erneuern, da die Schutzwirkung schnell nachlässt. Außerdem reagiert geöltes Holz relativ empfindlich auf Feuchtigkeit. Der Pflegeanstrich ist also eher nichts fürs Bad. Pfützen auf der Oberfläche sollte man umgehend aufwischen, ansonsten drohen dauerhafte Wasserflecken. Unterm Strich lässt sich sagen, dass Holzöle zwar durchaus Schutz vor normalen äußeren Verschmutzungen bieten, die Oberflächen aber weniger stark versiegelt werden als es mit Holzwachs und erst Recht mit Lacken möglich ist.

Öl-Wachs-Kombinationen

Wer die optische Anmutung geölter Holzflächen bevorzugt, zugleich aber eine höhere Widerstandsfähigkeit wünscht, der wird sich möglicherweise für eine Behandlung mit einem so genannten Hartöl oder Hartwachs entscheiden. Diese Pflegemittel kombinieren Öle und Wachse und werden insbesondere im Fußbodenbereich gerne verwendet. Ihr Wachsanteil sorgt für eine stärkere Versiegelung der Oberflächen, sodass Schmutz nicht tiefer ins Material eindringt und auch Wasser abperlt. Zugleich bleibt das Holz aber noch wasserdampfdurchlässig.

Holzwachse

Holzwachse haben eine zähere, weniger flüssige Konsistenz als Öle, ihre Verarbeitung ist deshalb weniger leicht. Die mit Wachs behandelten Oberflächen werden glatter, wasserabweisender und optisch matter als bei Ölanstrichen. Der Nass-Effekt entfällt. Auch verändern Wachse die Naturoptik des Holzes weniger stark als Öle. Ein mehr oder weniger starker Glanzeffekt lässt sich durch das Polieren der Oberflächen erreichen. Als Rohstoffbasis für die Pflegemittel dienen zum Beispiel Bienen- oder Pflanzenwachs. Es gibt aber auch synthetisch hergestellte Holzwachse.

Wachse schützen nicht nur stärker vor Feuchtigkeit als Öle, die damit behandelten Flächen sind auch widerstandsfähiger gegen physischen Abrieb. Dafür reagieren sie allerdings empfindlicher auf Wärmeeinflüsse. Wachs wird dann schnell weich – man kennt das ja von Kerzen. Die Wasserdampfdurchlässigkeit wird durch eine Wachsbehandlung nicht völlig unterbunden. Zumindest werben viele Hersteller mit dem Prädikat „atmungsaktiv“. Häufig werden Holzoberflächen, die zunächst mit Öl behandelt wurden, nachträglich noch mit Wachs versiegelt.

Lacke und Lasuren

Deckender Buntlack für Holzoberflächen. Foto: Auro

Deckender Buntlack für Holzoberflächen. Foto: Auro

Wer bei der Holzbehandlung ein Maximum an Versiegelung wünscht, muss lackieren. Auf diese Weise lässt sich das Naturmaterial vollflächig mit einer dichten Schutzschicht von der Außenwelt abtrennen. Kommen nicht klare, sondern deckende Lacke zum Einsatz, kann man geradezu von Verhüllung sprechen. Der Nachteil: Man sieht das Holz dann nicht mehr. Das kann gewollt sein, wenn vorhandene Holzflächen zum Beispiel stark verunreinigt sind. Bei optisch ansprechenden Holzoptiken sind deckende Lacke dagegen unüblich.

Zweifellos bieten Lacke eine sehr wasserfeste Schutzschicht, die zumindest grundsätzlich langlebig ist und nicht so häufig erneuert werden muss wie Öl- oder Wachsflächen. Allerdings gilt das nur, solange der Lack nicht durch äußere Einflüsse beschädigt wird. Man kennt das vom Auto: Ein kleiner Kratzer oder ein partielles Absplittern des Lacks genügt oft, und man muss gleich die gesamte Oberfläche ausbessern. Lacke sind zudem weniger umweltfreundlich als natürliche Öle und Wachse, sie enthalten häufiger gesundheitsbedenkliche Inhaltstoffe und sind nicht atmungsaktiv.

Eine „softere“ Alternative zu Lacken sind Lasuren. Bei ihnen bleibt die Holzoberfläche dampfdurchlässig und die natürliche Holzmaserung sichtbar – selbst beim Einsatz farbiger Lasuren. Über den grundsätzlichen Unterschied von Lacken und Lasuren haben wir auf baustoffwissen bereits in einem eigenen Beitrag informiert.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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