Eine moderne Biogasanlage inmitten einer ländlichen Landschaft mit mehreren Fermentern und einem Hauptgebäude.
Gasheizungen sollen künftig verstärkt mit Biogas betrieben werden. (Quelle: Aroundhome)

Panorama 2026-05-05T07:00:00Z Geplantes GMG: Heizen mit Biomethan?

Die Bundesregierung will das bisherige Gebäudeenergiegesetz („Heizungsgesetz“) durch ein neues „Gebäudemodernisierungsgesetz“ ersetzen. Der Einbau neuer Gas- und Ölheizungen soll darin erlaubt sein – allerdings nur, wenn die Anlagen mit einem wachsenden Anteil an CO2-neutralen Brennstoffen wie etwa Biomethan betrieben werden. Aber woher soll das notwendige Biogas kommen? Die Plattform Aroundhome hat nachgerechnet und warnt vor einem stark zunehmendem Flächenbedarf.

Für das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG), das noch in diesem Jahr das bisherige GEG ersetzen soll, haben Union und SPD im Februar bereits ein Eckpunktepapier vorgelegt. Als zentralen Punkt enthält dieses Papier die Abschaffung der erst 2024 eingeführten 65-%-Regelung, der zufolge neue Heizungen mindestens zu 65 % mit erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme betrieben werden müssen.

Das geplante GMG soll künftig sogar wieder den Einbau neuer Gas- und Ölheizungen erlauben. Diese müssen allerdings mit einem im Zeitverlauf anwachsenden Anteil an „CO2-neutralen Brennstoffen“ betrieben werden. Dazu zählen laut Eckpunktepapier insbesondere Biomethan, aber auch Wasserstoff, Wasserstoffderivate, synthetisches Methan und Bioöl.

Analyse von Aroundhome

Was den genauen Zeitplan der Umstellung von neuen Gas- und Ölheizungen auf CO2-neutrale Brennstoffe betrifft, sieht das Eckpunktepapier bisher nur vor, dass der Anteil dieser Brennstoffe ab 1. Januar 2029 mindestens 10 % betragen muss. Der weitere Anstieg bis 2040 soll im neuen GMG in drei Schritten festgelegt werden. Da sich Deutschland im Klimaschutzgesetz verpflichtet hat, bis zum Jahr 2045 auch im Gebäudesektor treibhausgasneutral zu sein, müsste bis dahin der Anteil CO2-neutraler Brennstoffe eigentlich bei 100 % liegen.

Aber ist das wirklich realistisch? Oder anders gefragt: Ist die Klimaneutralität im Gebäudesektor tatsächlich erreichbar, wenn auch künftig neue Gas- und Ölheizungen erlaubt sind? Zweifel daran wurden kürzlich von Aroundhome gesät. Die nach eigenen Angaben unabhängige Internet-Plattform, die Hauseigentümern passende Fachfirmen für Projekte rund ums Haus vermittelt, hat im März eine Analyse veröffentlicht, die verdeutlicht, dass eine vermehrte Nutzung von Biomethan als Brennstoffersatz für fossiles Erdgas einen erheblichen Flächenbedarf erfordern würde.

Konkret hat Aroundhome ausgerechnet, wieviel landwirtschaftliche Anbaufläche notwendig wäre, um den Erdgasverbrauch der 150 größten Städte in Deutschland zu 10 %, 30 %, 50 % oder sogar 100 % durch Biomethan zu ersetzen, das durch den Anbau von Mais gewonnen wird. Ergebnis: Schon bei einem zehnprozentigen Biomethan-Anteil wäre eine Anbaufläche notwendig, die weit größer als Berlin ist. Soll der Biomethan-Anteil höher liegen, so steigt der Flächenbedarf für den Anbau des notwendigen Silomaises sprunghaft an.

Hypothetische Rechnung

„Die hypothetische Rechnung zeigt, dass der Flächenbedarf schnell extrem hoch werden kann“, sagt Jannis Mischke, Senior Category Manager für „Energieeffizientes Wohnen“ bei Aroundhome. Dass er selbst nur von einer hypothetischen Rechnung spricht, ist nachvollziehbar. Denn wie oben schon erwähnt, ist Biomethan ja nicht die einzig mögliche CO2-neutrale Brennstoffalternative für Erdgas. Außerdem ist sicher nicht damit zu rechnen, dass alle bisherigen Besitzer einer Gasheizung künftig bei dieser Heizungsart bleiben werden, wenn das neue GMG dies erlauben sollte.

Ein lächelnder Mann in einem dunklen Anzug vor weißem Hintergrund.
Jannis Mischke ist bei Aroundhome Senior Category Manager für „Energieeffizientes Wohnen“. (Quelle: Aroundhome)

Im Gegenteil: Die Wärmepumpe wird künftig sicher auch im Bestand weiter zulegen. Trotzdem enthält die Analyse von Aroundhome zumindest einen wichtigen Fingerzeig, den man nicht einfach ignorieren sollte. Sie zeigt unter anderem, dass der Flächenbedarf für die Erzeugung von ausreichend CO2-neutralen Bio-Brennstoffen schnell gewaltig steigen und sogar unrealistisch hoch werden kann.

Die Analyse kann als Warnung verstanden werden, dass Deutschland erneut in eine energiepolitische Sackgasse geraten könnte, wenn beim Heizen der Zukunft tatsächlich die mit Biomethan betriebene Gasheizung zum Standard würde. „Besonders in Kombination mit Photovoltaik ist und bleibt die Wärmepumpe langfristig der sicherste Anker im eigenen Zuhause“, betont auch Jannis Mischke von Aroundhome.

Nicht vergessen sollte man zudem, dass Biomethan und alle anderen aus organischen Reststoffen gewonnenen Brennstoffe zwar nachhaltiger als klassische fossile Brennstoffe sind, weil sie erstens nachwachsen und zweitens als Biomasse währende ihrer Lebenszeit CO2 speichern. Aber dieses CO2 wird beim Verheizen dann doch wieder in die Atmosphäre freigesetzt. Insofern ist Heizen mit Biomasse zwar relativ nachhaltig, aber noch lange nicht gut fürs Klima.

Enormer Flächenbedarf

Für seine Analyse hat Aroundhome zunächst die Anzahl der mit Gas beheizten Wohnungen in den 150 größten Städten Deutschlands ermittelt. Als Quellen wurden die Erhebung des Statistischen Bundesamts zur Wohnungsanzahl (Stichtag: 31.12.2024) sowie der mit Gas beheizte Anteil aus dem Zensus 2022 verwendet. Die Summe für jede Stadt wurde mit dem durchschnittlichen Energieverbrauch von 12 MWh – abgeleitet aus Energieverbrauchsdaten privater Haushalte des Umweltbundesamts – multipliziert.

Auf diese Weise ermittelte Aroundhome für jede Stadt den jährlichen Gasverbrauch. Basierend auf diesen Verbrauchswerten wurde dann für jede Stadt der Flächenbedarf berechnet, der sich ergibt, wenn fossiles Erdgas durch Biomethan ersetzt wird. Dabei wurden vier Szenarien berücksichtigt: ein Biomethan-Anteil von 10 %, 30 %, 50 % und 100 %. Zudem wurde jeweils eine optimistische und eine konservative Ertragsrate pro Hektar Maisanbau durchgerechnet.

Nach den Berechnungen ergibt sich bereits bei einem Biomethan-Anteil von 10 % ein Flächenbedarf von rund 209.000 bis 316.000 Hektar allein für die Versorgung der 150 größten Städte. Das entspricht der zwei- bis dreieinhalbfachen Fläche Berlins. Bei einem Anteil von 30 % werden bereits 627.000 bis 949.000 Hektar benötigt. Bei 50 % übersteigt der Wert sowohl für die optimistische Schätzung (1.045.000 ha) als auch für die konservative Schätzung (1.582.000 ha) deutlich die Millionenmarke. Das entspräche fast einem Zehntel der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland.

Praktisch nicht umsetzbar

Wächst der Biomethan-Anteil auf 100 %, erhöht sich der Flächenbedarf auf rund 3,2 Mio. ha. Das sind knapp 9 % der Gesamtfläche Deutschlands (35,8 Mio. ha). Und wie gesagt: Diesen Flächenbedarf hat Aroundhome nur für die 150 größten Städte des Landes errechnet. Betrachtet man alle Wohnungen des Landes, die mit Gas beheizt werden (56 %), ergibt sich beim reinen Betrieb über Biomethan (Anteil von 100 %) eine potenziell notwendige Fläche von bis zu 7,55 Mio. ha. Das entspricht 21 % der Gesamtfläche Deutschlands.

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Die hypothetischen Berechnungen zeigen, dass ein steigender Biomethan-Anteil für die Gebäudeheizung den Flächenbedarf für Silomais erheblich erhöhen würde. Nach Angaben von Aroundhome wirf dies Fragen zur praktischen Umsetzbarkeit auf. Weitere Detailergebnisse seiner Analyse hat der Fachfirmenvermittler auf seiner Website zusammengefasst (Direktlink hier ).

zuletzt editiert am 28. April 2026