Angesichts hoher Baukosten und zugleich wachsender Wohnungsnot werden auch in Deutschland die Chancen der wirtschaftlich effektiven Modulbauweise zunehmend erkannt. Was viele nicht wissen: Moderner Modulbau funktioniert auch in massiver Ziegelbauweise. Im Werk vorgefertigte Ziegel-Raumodule ermöglichen nach Ansicht des Herstellers Leipfinger-Bader günstigen Wohnraum mit hoher Qualität.
Die Modulbauweise ist eine Variante des seriellen Bauens , das für die Errichtung standardisierter Gebäude oder Gebäudebauteile steht, die – nachdem sie einmal geplant wurden und eine Typengenehmigung erhalten haben – sich an verschiedenen Orten „in Serie“ bauen lassen. Dabei kann es sich beispielsweise um Wand- oder Decken-Fertigteile handeln, die im Werk komplett vorgefertigt werden und dann auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt werden müssen.
Der Modulbau geht noch einen Schritt weiter und zeichnet sich durch einen besonders hohen Vorfertigungsgrad aus. Vorgefertigt werden hier nicht nur flächige Wand- oder Deckenbauteile, sondern dreidimensionale Raumzellen, die man auf der Baustelle dann nach dem Baukastenprinzip zu Gebäuden zusammenfügt. Manche Hersteller bieten sogar Raumodule mit komplett vorgefertigten Innenausstattungen, so gibt es beispielsweise direkt bewohnbare Bad- oder Küchenmodule.
Vom Fertigteil zum Raummodul
In ihrer Studie „ Modulbau – Das Bauen von morgen “ prognostizierte die Unternehmensberatung S&B Strategy jüngst einen deutlichen Aufschwung des seriellen und modularen Bauens in Deutschland bis 2030. Schon heute verzeichne dieses Marktsegment starkes Wachstum – wenn auch bislang von einem geringen Basisniveau aus.

Den neuen Markt bereits für sich entdeckt hat der bayerische Ziegelmauerwerk-Hersteller Leipfinger-Bader . Lieferte das Unternehmen früher fast ausschließlich lose Steinprodukte, die der Maurer auf der Baustelle erst noch in mühsamer Kleinarbeit Stück für Stück zu Ziegelmauerwerk-Wänden auftürmen musste, so beschäftigt man sich seit Anfang 2022 auch verstärkt mit Ziegel-Fertigteilen.
Dafür hat das mittelständische Unternehmen, das Mitglied des Unipor-Markenverbunds ist, sogar ein eigenes Unternehmen gegründet. Die Fertigteile Bayern GmbH produziert am neu errichteten Produktionsstandort in Vilseck/Schönlind Außen- und Innenwände aus Ziegelmauerwerk, die als Fertigteile zu den Kundenbaustellen geliefert werden. Das ermöglicht kurze Montagezeiten auf der Baustelle und ein höheres Maß an Planbarkeit. Beides trägt zur allgemeinen Kostensenkung im Neubau bei.
Mit seinem neuen modularen Wohnraumkonzept geht Leipfinger-Bader jetzt noch einen Schritt weiter. Es geht dabei eben nicht mehr nur um „zweidimensionale“ Fertigteile, die auf der Baustelle zu Räumen montiert werden, sondern um bereits im Werk komplett vorgefertigte, dreidimensionale Raummodule aus Ziegelbaustoffen. Diese werden genauso wie herkömmliches Ziegelmauerwerk mit mineralischem Mörtel aus Einzelsteinen errichtet, nur dass dies eben nicht erst auf der Baustelle, sondern bereits im Herstellerwerk erfolgt.
Vorfertigungsgrad über 90 %
Mehr noch: Nicht nur die Hülle dieser Module wird bereits im Werk witterungsabhängig vorgefertigt, auch eine Sanitäreinheit und Küche sind auf Wunsch bereits integriert, wenn die Module auf der Baustelle eintreffen. Dasselbe gilt für den Unterboden und den Bodenbelag sowie für Heizung und dezentrales Lüftungssystem. Nach Angaben von Leipfinger-Bader kann der Vorfertigungsgrad somit bei über 90 % liegen.

Die einzelnen Module verfügen – je nach Kundenwunsch – über eine Fläche von bis zu 24 m2. Die Außenwände bestehen aus dämmstoffgefüllten Mauerziegeln in einer Wandstärke von 42,5 cm. Die mit Mineralgranulat gefüllten, porosierten Lochziegel der Marke „W07 Coriso“ bieten eine Wärmeleitfähigkeit von lediglich 0,07 W/mK. Dadurch erfüllen die Module auch ohne zusätzliche Dämmschichten bereits die Anforderungen des hohen energetischen Gebäudestandards EH 40 .
Da es sich um Mauerwerksteine der Festigkeitsklasse 14 handelt, lassen sich mit den Modulen Gebäude mit bis zu fünf Geschossen realisieren. Die einzelnen Module jedoch sind mit einer Standardlänge von 9,29 m nach Angaben von Leipfinger-Bader per Schwerlaster „vergleichsweise problemlos zu transportieren“. Mit einem Autokran kann man sie an ihren Platz auf der Baustelle heben. Dort wird entweder ein Streifenfundament oder eine Bodenplatte benötigt.
Kunden können die neuen Wohnraum-Module von Leipfinger-Bader ab Werk beziehen, wobei sie dann alle weiteren Schritte selbst organisieren müssen. Als Alternative bietet der Hersteller aber auch ein Komplettpaket inklusive Logistik und Montage an. In diesem Fall übernimmt der Ziegelproduzent zusammen mit Partnern die Funktion des Generalunternehmers oder Generalübernehmers.
Vielfältige Einsatzmöglichkeiten
Konzipiert hatte Leipfinger-Bader die Module ursprünglich vor allem als Lösung für Flüchtlingsunterkünfte und Studentenwohnheime. Sie sind aber grundsätzlich auch für andere Anwendungsbereiche nutzbar – etwa für Betriebswohnungen und Büros, aber auch im sozialen Wohnungsbau.

Bei den Materialien setzt Leipfinger-Bader umfassend auf Ziegelbaustoffe – auch für die Innenwände und den Bodenaufbau der Module. Die Innenwände bestehen aus 17,5 cm starken Planziegeln, die durch ihre zusätzlichen Dämmeigenschaften die Heiz- und Kühlkosten weiter senken.
Für den Boden kommen Estrichziegel zum Einsatz. Der keramische Trockenestrich spielt zudem eine entscheidende Rolle für die ebenfalls bereits vorinstallierbare Fußbodenheizung . Dafür kombiniert Leipfinger-Bader die Estrichziegel mit einem elektrisch betriebenen Heizpapier als dünnschichtige Wärmequelle. Die Bodenziegel übernehmen in diesem System die effiziente Wärmeverteilung.
Auch wärmegedämmte Rollladenkästen – natürlich mit Ziegelverkleidung – werden bereits werkseitig in die Module eingebaut. Auch diese erfüllen eine Doppelfunktion. Sie nehmen nämlich nicht nur die Außenrollladen auf, sondern beherbergen auch das dezentrale Lüftungssystem, das nach Herstellerangaben bis zu 93 % Wärmerückgewinnung ermöglicht. Die Be- und Entlüftung erfolgt über den Rollraum. Von außen ist das System unsichtbar.
Schnell aufgebaut – und wiederverwendbar
Pro Tag lassen sich bis zu fünf Module montieren. Der Anschluss von Modul zu Modul wird ebenfalls bereits werkseitig vorbereitet. Er befindet sich auf der kurzen Seite der Module – auf der gegenüberliegenden Seite sind Fensterflächen integriert. Auf der Baustelle erfolgen neben dem Aufstellen und dem Anschluss der Module zudem der Dachabschluss, der Einbau der Treppenanlagen sowie die Ausführung der Fassade.
„Das Konzept dient nicht nur der schnellen Umsetzung von Wohnraum mit hohem Qualitätsanspruch, sondern trägt auch dem Kreislaufgedanken Rechnung“, erklärt Stefan Gruber, Projektleiter bei Leipfinger-Bader. „So lassen sich die einzelnen Module ebenfalls temporär einsetzen und wieder zurückbauen beziehungsweise an anderer Stelle wiederverwenden.“