Viele Besitzer alter Häuser sorgen sich um die Wohngesundheit in ihren eigenen vier Wänden. Kamen einst bei der Errichtung der Gebäude Baustoffe mit problematischen Schadstoffen zum Einsatz? Um hier Klarheit zu gewinnen, bedarf es Fachbetriebe mit dem notwendigen Know-how – bei der Schadstofferfassung ebenso wie bei der anschließenden Sanierung. Das neue RAL-Gütezeichen „Schadstoffsanierung im Bestand“ hilft Hausbesitzern, Experten mit hohen Qualitätsstandards zu finden.
Beim Thema Schadstoffe in Bestandsgebäuden geht es um problematische Substanzen wie zum Beispiel Pentachlorphenol (PCP) oder Formaldehyd – und natürlich auch um Asbest. Eine Schadstoffsanierung, die solche und andere gefährliche Stoffe in Baumaterialien beseitigt oder unschädlich macht, setzt Experten voraus, die sich mit der Durchführung solcher Sanierungen und der Entsorgung der Gefahrstoffe auskennen.
Mehr noch: Bevor die Entsorgung oder Behandlung belasteter Baustoffe überhaupt beginnen kann, muss erst einmal geprüft werden, ob, wo und welche Schadstoffe in einem Bestandsgebäude zu finden sind und wie diese sachgerecht entfernt oder – beispielsweise durch Beschichtung – unschädlich gemacht werden können. Auch für diesen Schritt braucht es erfahrene und kompetente Experten.
Gütezeichen als Qualitätslabel
Mit dem neuen RAL-Gütezeichen Schadstoffsanierung im Bestand können Anbieter von Planungs- und Sanierungsleistungen im Bereich der Gebäudeschadstoffe nun nachweisen, dass sie hohe Qualitätsstandards erfüllen. Das Label signalisiert Hausbesitzern, dass sie es mit qualitätsgeprüften Fachbetrieben zu tun haben.

In den Güte- und Prüfbestimmungen des neuen RAL-Zeichens werden die geforderten Qualitätsstandards klar definiert. Das notwendige Know-how bezieht sich sowohl auf die Fähigkeit zur gutachterlichen Erfassung von Gebäudeschadstoffen und Biostoffen als auch auf die Fachplanung für die eigentliche Sanierung mit detaillierten Sanierungs-, Entfrachtungs- und Entsorgungskonzepten. Die Einhaltung der Güte- und Prüfbestimmungen wird durch eine kontinuierliche Eigen- und Fremdüberwachung sichergestellt.
Die Abkürzung RAL steht übrigens für „Reichs-Ausschuss für Lieferbedingungen“. Dieser wurde 1925 auf Initiative von Wirtschaftsverbänden und der damaligen deutschen Reichsregierung gegründet. Ziel war die Etablierung einer unabhängigen Institution, die für unterschiedliche Branchen einheitliche Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen definiert und überwacht.
Damit begann auch die Geschichte der RAL-Gütezeichen, von denen es heute etwa 150 gibt. Die Gütezeichen werden an Gütezeichenbenutzer verliehen, deren Produkte oder Dienstleistungen die jeweiligen Güte- und Prüfbestimmungen erfüllen und die sich der RAL-Güteüberwachung unterwerfen.
Gefahren durch Asbest
Um welche Stoffe geht es vor allem bei der Schadstoffsanierung im Bestand? Ein weiterhin großes Gesundheitsrisiko stellt leider Asbest dar, obwohl diese Substanz in Deutschland seit 1993 verboten ist. Nach wie vor befindet sich der krebserregende Gefahrstoff aber in zahlreichen Baustoffen, die bis etwa 1990 in Bestandsgebäuden verbaut wurden. Mehr Infos zu diesem Thema bietet der BaustoffWissen-Beitrag „ Asbest im Wohnungsbestand “.

Die Mineralfaser Asbest galt aufgrund ihrer Langlebigkeit und Feuerbeständigkeit lange Zeit als idealer Rohstoff zur Herstellung von Dacheindeckungen und Fassadenplatten. Weniger bekannt ist, dass Asbest früher auch in unterschiedlichsten Mörtel -Produkten wie Putze, Spachtelmassen und Fliesenkleber ( PSF-Asbest ) zum Einsatz kam – oder auch in Spritzbeton .
Solange die betroffenen Bauteile sicher verbaut sind, solange man an den belasteten Baustoffen nicht bohrt oder fräst, droht durch Asbest zwar keine unmittelbare Gefahr. Doch bei Sanierungsarbeiten kann der krebserregende Stoff freigesetzt werden. Deshalb ist es wichtig, dass solche Sanierungsarbeiten nur von Profis durchgeführt werden, die wissen, wie man asbesthaltige Baustoffe erkennt und wie man mit ihnen umgeht.
Gefahrstoffe in Holzschutzmitteln
Auch in Holzschutzmitteln wurden früher Substanzen verwendet, die heute als gesundheitsgefährdend erkannt und daher verboten sind. Gleichwohl gibt es immer noch viele Bestandsgebäude, in denen kontaminierte Holzbaustoffe verbaut sind. Zwei bekannte Schadstoffe aus diesem Bereich sind Lindan und Pentachlorphenol.
Lindan wurde seit den 1940er-Jahren als Insektizid in der Land- und Forstwirtschaft verwendet, kam darüber hinaus aber auch als Bestandteil von Holzschutzmitteln zum Einsatz. Mittlerweile gilt der Stoff als „krebserregend bei Menschen“. Der Lindan-Einsatz in Holzschutzmitteln erfolgte häufig in Kombination mit dem Fungizid Pentachlorphenol (PCB). Auch diese Substanz gilt leider mittlerweile als problematischer Gefahrenstoff.
Vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren wurden Holzschutzmittel, die Lindan und PCP enthalten, auch in Innenraumbereichen eingesetzt – etwa um Holzbalken und Holzverkleidungen vor Insekten- und Pilzbefall zu schützen. Seit 1989 sind beide Substanzen in Deutschland verboten, da sie sich als krebserregend und neurotoxisch erwiesen haben. Von den kontaminierten Holzkonstruktionen geht aber auch heute noch eine Gesundheitsgefahr aus.
Die Gefahren durch Lindan und PCP in Innenräumen lassen sich am konsequentesten bekämpfen, indem man die betroffenen Holzbauteile als Sondermüll entsorgt. Wo dies nicht gewollt oder möglich ist, versucht man die betroffenen Bereiche vom Innenraumbereich zu isolieren – beispielsweise durch Beschichtungen.
Einen interessanten neuen Lösungsansatz präsentierte kürzlich das Fraunhofer-Institut für Bauphysik. Die Forschenden haben ein spezielles „Adsorber-Gel“ entwickelt, das sich wie eine Lasur auf kontaminierte Holzoberflächen auftragen lässt und giftige Holzschutzmittel rückstandsfrei und gesundheitlich unbedenklich entfernen soll. Weitere Infos dazu bietet der BaustoffWissen-Beitrag „ Giftige Holzschutzmittel entfernen “.
Formaldehyd
Es gibt noch viele andere problematische Gebäudeschadstoffe. Zu den bekanntesten zählt sicher Formaldehyd. Diese „Flüchtige organische Verbindung“ ( VOC ) kommt allein schon deshalb sehr häufig in Innenräumen vor, weil Formaldehyd früher standardmäßig als Bestandteil von Bindemitteln in Holzwerkstoffen wie etwa Spanplatten verwendet wurde. Mehr dazu im BaustoffWissen-Beitrag „ Wohngesundheit: Bindemittel in Spanholzplatten “.
Doch Formaldehyd steckt nicht nur in Holzwerkstoffen, sondern auch in vielen anderen Produkten, die in Innenräumen zum Einsatz kommen. Die RAL-Gütegemeinschaft Schadstoffsanierung erwähnt beispielsweise den Einsatz von Formaldehyd als Topfkonservierer in wasserbasierten Anstrichmitteln. Aber auch viele Harze und Ortschäume und sogar Teppichwaren würden Formaldehyd enthalten.
Formaldehyd ist sicher nicht so gefährlich wie Asbest, aber auch keineswegs unproblematisch. Die RAL-Gütegemeinschaft Schadstoffsanierung bietet auf ihrer Website einen „ Schadstoffkatalog “, in dem die Substanz wie folgt charakterisiert wird: „Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen können von Befindlichkeitsstörungen (wie Reizungen an den Schleimhäuten des Atemtraktes und der Augen) über Kopfschmerzen, Nervosität, Schlafstörungen und allgemeines Unwohlsein bis hin zu allergischen Reaktionen wie zum Beispiel Kontaktdermatitis reichen. Formaldehyd ist als krebserzeugend eingestuft (Kategorie 1B)“.