RM Rudolf Müller
Bei großen Feinsteinzeug-Wandfliesen sorgen Flexkleber für eine hohe Standfestigkeit. Foto: PCI

Bei großen Feinsteinzeug-Wandfliesen sorgen Flexkleber für eine hohe Standfestigkeit. Foto: PCI

Bauchemie
10. Oktober 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Fliesen: Flexkleber und ihre Eigenschaften

Die Ansprüche an Verlegemörtel für Keramikfliesen haben sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich erhöht. Immer größere Formate, die zunehmende Verbreitung von Feinsteinzeug-Fliesen, der Wunsch nach Keramikböden auch im Außenbereich: Mit herkömmlichen Zementklebern lässt sich das nicht mehr realisieren. Deshalb wurden so genannte Flexkleber entwickelt.

Bei Fliesenklebern unterscheidet man einerseits zementgebundene Kleber und andererseits nicht zementgebundene Kleber wie Dispersionskleber und Reaktionsharzkleber. In diesem Beitrag beschränken wir uns auf die zementgebundenen Produkte. Man bezeichnet sie ebenfalls als Kleber, obwohl es sich rein stofflich betrachtet eigentlich um Mörtel handelt.

Eine besondere Form des Zement-Fliesenmörtels ist der Flexkleber. Er ist in der Regel teurer als Standard-Zementmörtel und enthält im Gegensatz zu diesem Kunststoffzusätze, die dafür sorgen, dass er eine weitaus größere Klebekraft hat und zudem flexibler aushärtet. Daher der Name: Flexkleber steht für flexibler Zement-Fliesenkleber. Was das bedeutet, wird im Folgenden erklärt.

Trend zu Feinsteinzeug

Ein wesentlicher Grund dafür, dass Flexkleber zunehmend den einfachen Zementkleber abgelöst hat, ist die Tatsache, dass in Deutschland zunehmend Fliesen aus Feinsteinzeug verlegt werden. Dieses Keramikmaterial ist dichter als Fliesen aus herkömmlichem Steinzeug und nimmt deshalb weniger Wasser auf. Noch größer ist der Unterschied zu den früher stark verbreiteten Steingut-Fliesen, die weitaus poröser und damit sauffähiger waren als die modernen Materialien.

Die dichte Materialstruktur und geringe Saugfähigkeit von Feinsteinzeug hat den Vorteil, dass die Fliesen unter anderem frostbeständiger im Außenbereich sind. Außerdem sind die Beläge härter und belastbarer, was vor allem im Bodenbereich eine wichtige Eigenschaft ist. Dafür lassen sich die dichten, glatten Fliesenrückseiten aber mit rein zementärem Kleber nicht mehr sicher verkleben. Der herkömmliche Verlegemörtel findet einfach kaum noch Poren, in die er eindringen kann, damit durch Verzahnung eine feste Haftung zwischen Fliese und Mörtel entsteht.

Kunststoff für mehr Klebekraft

Als Lösung für das Verarbeitungsproblem bei porenarmen Fliesenbelägen kamen in den 1980er-Jahren die ersten Flexkleber auf den Markt. Das sind – wie oben schon erwähnt – zementäre Fliesenkleber mit Kunststoffzusätzen. Die Kunststoffe bewirken eine deutlich stärkere Klebekraft, ohne dass der Mörtel dafür in das Belagsmaterials eindringen muss.

Mit Flexkleber lassen sich auch Feinsteinzeug-Fliesen sicher auf dem Untergrund verkleben. Sie eignen sich zudem besser für kritische Untergründe wie etwa alte Keramikbeläge oder sonstige glatte Flächen. Schließlich kommt es für die Beständigkeit des Belags nicht nur auf die Haftung zwischen Fliese und Mörtel, sondern auch auf die zwischen Mörtel und Untergrund an. Die erhöhte Klebekraft der Flex-Produkte bewährt sich zudem, wenn es darum geht, Wände mit großformatigen Platten zu verfliesen, ohne dass diese abrutschen.

Höhere Verformbarkeit

Auch für hochbelastete Bodenbereiche sind die kunststoffvergüteten Kleber ideal. Foto: PCI

Auch für hochbelastete Bodenbereiche sind die kunststoffvergüteten Kleber ideal. Foto: PCI

Neben der stärkeren Klebekraft und der damit zusammenhängenden besseren Haftung auch auf kritischen Unterlagen, hat Flexkleber noch eine andere sehr vorteilhafte Eigenschaft: Der kunststoffvergütete Verlegemörtel ist deutlich elastischer und damit verformbarer als rein zementärer Kleber. Nach dem Trocknen ist das Material weniger starr. Es kann daher Schwingungen, Spannungen und sonstige Bewegungen des Untergrunds besser aufnehmen, die speziell bei „arbeitenden“ Untergründen wie Trockenestrichelementen oder Faserzement- und Gipskartonplatten vorkommen. Dadurch sinkt die Gefahr, dass einzelne Fliesen abplatzen oder reißen.

Nach der „Richtlinie für Flexmörtel“ der Deutschen Bauchemie müssen zementäre Fliesenkleber mindestens eine Verformbarkeit von 2,5 mm erreichen, damit sie als Flexkleber bezeichnet werden dürfen. Diese Elastizität hat auch den Vorteil, dass man frisch verlegten Nassestrich viel schneller mit Fliesen verlegen kann als es mit rein zementärem Kleber möglich ist. So wirbt der Hersteller PCI damit, dass sich mit seinem „Flexkleber S2“ Zementestriche bereits nach drei Tagen problemlos mit Fliesen und Platten belegen lassen. Zwar geht während der fortlaufenden Trocknung der Schwund des Estrichs noch eine Weile weiter, er wird aber durch die Verformbarkeit des Klebemörtels kompensiert.

Regeln der Technik

Viele modernen Flexkleber sind übrigens leistungsfähiger als es die anerkannten Regeln der Technik des Fliesenlegerhandwerks zurzeit vorsehen (Stand: September 2017). Diese empfehlen dem Handwerker nämlich, mindestens 28 Tage abzuwarten, bevor ein zementgebundener Nassestrich mit Fliesen belegt wird. Wie gesagt: Mit dem S2-Produkt von PCI soll die Verfliesung aber bereits nach drei Tagen technisch problemlos möglich sein! Um Haftungsproblemen vorzubeugen, empfiehlt der Hersteller den Verarbeitern allerdings ausdrücklich, eine entsprechende schriftliche Vereinbarung mit dem Auftraggeber zu vereinbaren, wenn der Estrich tatsächlich früher als nach 28 Tagen Wartezeit belegt wird.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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