RM Rudolf Müller
Prunkvoll: Mansarddach in London. Foto: Pixabay

Prunkvoll: Mansarddach in London. Foto: Pixabay

Dach
31. Mai 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Vor- und Nachteile von Mansarddächern

Unter den Steildächern gilt das Mansarddach als besonders luxuriöse und edle Variante. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass diese Dachform historisch zuerst in Frankreich auf prunkvollen Herrschaftsgebäuden zum Einsatz kam. Doch auch auf normalen Wohngebäuden findet man „Mansarden“. Sie haben viele Vorteile, aber auch einige Nachteile.

Anders als beim Satteldach besteht die geneigte Dachhaut des Mansarddachs nicht aus einer durchgehend ebenen Fläche. Stattdessen weist sie einen Knick auf. Unterhalb dieses Knicks hat das Dach eine steilere Neigung als darüber. Teilweise ist die Neigung so stark, dass die Dachfläche fast senkrecht auf der Hauswand zu stehen scheint. Von außen betrachtet wirkt das dann wie ein Zwitter aus Fassade und Dach – oder wie ein mit Dachpfannen gepflastertes Wandbauteil.

Es gibt Mansarddächer, die wie das klassische Satteldach nur über zwei Dachseiten verfügen. Man spricht dann von einem Mansardgiebel- oder auch Mansardsatteldach. Davon zu unterscheiden sind so genannte Mansardwalmdächer. Diese verfügen – wie das Walmdach – auch auf den Giebelseiten über dreiecksförmige, geneigte Dachflächen. Nur dass diese Flächen eben nicht durchgehend gerade verlaufen, sondern ebenfalls den Mansard-typischen „Knick in der Optik“ haben.

Ursprung in Frankreich

Der Name Mansard geht auf die französischen Architekten und Baumeister François Mansart (1598–1666) und Jules Hardouin-Mansart (1646–1708) zurück, die diese Dachform im 16. und 17. Jahrhundert insbesondere bei Luxus-Gebäuden in Paris einsetzten und sie so berühmt machten. François Mansart wurde 1625 zum Architekten des französischen Königs Ludwig XIII. ernannt und war damit für alle offiziellen Bauvorhaben des Königshauses verantwortlich. Sein Großneffe Jules Hardouin-Mansart wurde später sein Nachfolger unter der Regentschaft des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV.

Die beiden Mansarts hatten offenbar eine Vorliebe für die abgeknickten Dächer und verwendeten sie häufig bei ihren Bauobjekten. Das blieb historisch in Erinnerung und machte sie zu den Namensgebern der Mansarddächer, auch wenn sie das Prinzip keinesfalls erfunden haben. Als eigentlicher Erfinder der Bauweise gilt vielmehr der französische Architekt Pierre Lescot, der schon Mitte des 16. Jahrhunderts Mansarddächer baute – auch wenn die damals noch nicht so genannt wurden. Lescot setzte die abgeknickten Dachflächen erstmals beim Neubau des damaligen Stadtschlosses Louvre in Paris ein. Das Gebäude ist heute als Museum weltberühmt, war aber ursprünglich Sitz der französischen Könige, bevor diese es vorzogen, vor die Tore von Paris nach Versailles umzuziehen.

Vorteile

Unter dem Knick wird das Mansarddach deutlich steiler.

Unter dem Knick wird das Mansarddach deutlich steiler.

Zunächst einmal: Es ist sicher kein Zufall, dass die „Architekten des Königs“ das Mansardach für ihre prunkvollen Gebäude favorisierten. Seine Form sieht eben einfach schicker und „majestätischer“ aus als ein einfaches Satteldach. Reiche Bürger kopierten diese Gebäude-Optik dann später für ihre repräsentativen Stadthäuser und Villen.

Der größte Vorteil der Mansarde ist aber ein ganz praktischer: Durch die spezielle Dachform erhöht sich die nutzbare Wohnfläche im Obergeschoss, weil es eben kaum Schrägen gibt beziehungsweise weil die Schrägen erst so weiten oben steiler werden, dass die Bewohner fast auf der gesamten Grundfläche aufrecht stehen können.

Aufgrund dieses Raumvorteils war das Mansarddach im 18. und 19. Jahrhundert übrigens auch vielerorts ein Steuersparmodell. Denn in vielen Ländern richtete sich damals die Höhe der zu zahlenden Grundsteuer unter anderem nach der Anzahl der Vollgeschosse, über die Gebäude auf einem Grundstück verfügten. Da der Raum direkt unter einem Mansarddach nicht als Vollgeschoss galt, konnten Bauherren ihre Grundsteuer verringern, wenn sie statt eines weiteren Vollgeschosses „nur“ eine zusätzliche Mansarde bauten. Im Idealgeschoss mussten sie dabei trotzdem kaum auf Wohnraum verzichten.

In gewissem Umfang spielt das Mansarddach auch heute noch eine Rolle als „trickreiche Finte“ zur Umgehung behördlicher Bauauflagen. In vielen Gemeinden gibt es Bebauungspläne, die für Neubauten eine maximale Höhe vorschreiben. Diese wird gemessen an der Traufhöhe, also dem Abstand zwischen der Geländeoberfläche und der Dachtraufe. Da sich ein Mansarddach oberhalb der Traufe befindet, lässt sich auf diese Weise unter Umständen ein zusätzliches, nahezu komplettes Vollgeschoss bauen, ohne dass die maximale Bauhöhe überschritten wird.

Nachteile

Natürlich haben Mansarddächer auch Nachteile. Zunächst einmal ist ihre Errichtung schlichtweg teurer als die eines Satteldachs. Aufgrund der besonderen Form mit dem Knick ist der Bau der Dachstuhl-Unterkonstruktion viel aufwändiger als bei einem Satteldach. Während bei letzterem die Dachsparren einfach aus geraden Balken bestehen, die vom First bis zur Traufe „durchlaufen“, muss beim Mansarddach eben der Knick bautechnisch konstruiert werden. Das erfordert nicht nur mehr Holz, sondern auch mehr Planung und Aufwand als ein einfaches Sparrendach.

Der Knick ist zudem oft eine Problemzone für die Abdichtung der Dachfläche. Schließlich wird die äußere Dachhaut an dieser Stelle unterbrochen, die Dachneigung verändert sich. Der Handwerker muss hier also sorgfältig dämmen und abdichten, damit es nicht zu undichten Stellen und damit zur Gefahr des Feuchtigkeitseintrags kommt.

Schließlich gibt es noch einen weiteren Nachteil, der allerdings erst in jüngerer Zeit an Bedeutung gewonnen hat: Mansarddächer eignen sich weniger gut zur Installation von Solartechnik als klassische Satteldächer. Da große Teile der Dachhaut eine sehr steile Neigung haben, gibt es einfach weniger Platz, auf dem entsprechende Module – Solarthermie oder Photovoltaik – effizient betrieben werden können.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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