RM Rudolf Müller
Perlite-Dämmplatten sind diffusionsoffen, kapillaraktiv und einfach zu verarbeiten. Foto: Knauf Aquapanel

Perlite-Dämmplatten sind diffusionsoffen, kapillaraktiv und einfach zu verarbeiten. Foto: Knauf Aquapanel

Dämmstoffe
07. Februar 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Perlite-Dämmplatten: Eigenschaften und Einsatzbereiche

Der mineralische Dämmstoff Perlite kommt meist in Form von losem Granulat zum Einsatz: als Schüttungsmaterial für Fußböden, als Einblasdämmung für Steil- und Flachdächer und als lose Kerndämmung für zweischalige Außenwände oder Wände in Holzrahmenbauweise. Doch es gibt auch feste Perlite-Dämmplatten. Sie werden vor allem für die Innendämmung verwendet.

Bei der Montage von Innendämmungen kann man viel falsch machen. Durch eine nicht fachgerechte Ausführung drohen Feuchtigkeitsprobleme und Schimmelbefall. Als sichere Variante gelten allerdings so genannte kapillaraktive Dämmsysteme. Denen kann Feuchtigkeit nichts anhaben, weil sie Dämmplatten enthalten, die Wasserdampf und flüssiges Wasser problemlos aufnehmen und zeitversetzt wieder an die Innenraumluft abgeben können. Zu diesen kapillaraktiven Produkten gehören auch Perlite-Dämmplatten.

Was sind Perlite-Dämmplatten?

Perlit ist ein natürlich vorkommendes Vulkangestein, das auch einen Anteil an fest gebundenem Wasser enthält. Für die Dämmstoffherstellung wird das Gestein gemahlen, anschließend erhitzt man die Mehlkörner kurzzeitig. Bei 1.000 °C verdampft das eingeschlossene Wasser und das Material bläht sich auf das zehn- bis zwanzigfache seines ursprünglichen Volumens auf.

Durch das Aufblähen entsteht das körnige Granulat, das – wie oben beschrieben – als loses Material für zahlreiche Dämmaufgaben verwendet wird. Auch viele gefüllte Mauerwerksteine enthalten dieses Granulat in ihren Hohlkammern als integrierten Dämmstoff. Allerdings nicht in loser Form, sondern stark verdichtet und mit einem mineralischen Bindemittel versetzt. Ganz ähnlich verhält es sich mit den Perlite-Platten für den Innendämmbereich. Auch diese sind mit Bindemitteln versetzt, weil sonst keine zusammenhängende, feste Plattenstruktur möglich wäre.

Eigenschaften der Platten

Perlit ist von Natur aus alkalisch und schon deshalb unempfindlich gegenüber Schimmelpilzsporen. Diese Eigenschaft gilt natürlich auch für Platten aus Perlit. So haben zum Beispiel die „Tec Tem“-Platten des Herstellers Knauf Aquapanel den pH-Wert 10. Bei einem pH-Wert > 7 beginnt der alkalische Bereich. Die Platten sind außerdem diffusionsoffen und kapillaraktiv, können also Wasserdampf und flüssiges Wasser problemlos zwischenspeichern, ohne dadurch Schaden zu nehmen. Da die Platten mögliches Kondenswasser auf der Innenseite der Wand einfach aufsaugen, wird dem Schimmel der Nährboden entzogen, sodass er gar nicht erst entstehen kann.

Perlite-Dämmplatten haben darüber hinaus noch weitere positive Eigenschaften. Sie sind schadstofffrei, verrotten und schrumpfen nicht und werden auch durch Ungeziefer nicht zerstört. Das Material ist sehr langlebig, falls es aber doch irgendwann mal ausgetauscht werden soll, ist es zudem vollständig recycelbar. Und nicht zuletzt punkten Dämmstoffe aus Perlit auch beim Thema Brandschutz. Die Platten gehören der höchsten Baustoffklasse A1 an, sind also nicht brennbar.

Dämmen tun die Platten selbstverständlich auch und sorgen damit für warme Wandoberflächen. „Dämmwunder“ sind sie allerdings nicht. Die Wärmeleitfähigkeit der „Tec Tem“-Platten von Knauf Aquapanel liegt bei 0,045 W/mK – ein üblicher Wert in dieser Produktkategorie, ein mittelmäßiger Wert im Vergleich zu vielen anderen Dämmstoffen. Mit „Tec Tem Climaprotect“ bietet Knauf Aquapanel auch eine spezielle Perlite-Dämmplatte für Schimmelpilzsanierungen im Gebäudebestand. Diese ist dünner als die Standardplatten und hat eine höhere Rohdichte, allerdings auch eine noch höhere Wärmeleitfähigkeit.

Einsatz als Sanierplatte

Die Platten kommen häufig bei der Schimmelpilzsanierung zum Einsatz und verhindern einen erneuten Befall. Foto: Knauf Aquapanel

Die Platten kommen häufig bei der Schimmelpilzsanierung zum Einsatz und verhindern einen erneuten Befall. Foto: Knauf Aquapanel

Werden Perlite-Dämmplatten für die nachträgliche Innendämmung im Rahmen einer Schimmelpilzsanierung eingesetzt, muss der vorhandene Schimmelpilz natürlich zunächst fachgerecht entfernt werden, bevor man die Platten an die Innenwand montiert. Anschließend sorgt das kapillaraktive Dämmsystem dafür, dass es in Zukunft nicht zu einem erneuten Schimmelbefall kommt. Hersteller Knauf Aquapanel verspricht auf seiner Website, dass der Einsatz der „Tec Tem“-Platten für ein „ausgewogenes Wohnklima“ sorgt und es „nie wieder feuchtkalte Räume“ gibt.

Einfache Verarbeitung

Ein Vorteil der Perlite-Dämmplatten als Innendämmlösung ist auch ihre einfache Verarbeitung. Anders als bei nicht kapillaraktiven Dämmsystemen entfällt die aufwändige und fehleranfällige Montage einer Dampfbremse zwischen Innenwand und Dämmstoff. Produktsysteme wie das von Knauf Aquapanel sehen lediglich das Aufbringen einer Grundierung vor, bevor die Platten mit einem Klebespachtel an der Wand befestigt werden.

Die Platten lassen sich zudem flexibel und einfach auf beliebige Maße zuschneiden. Nachdem sie auf die Wand aufgeklebt wurden, trägt der Verarbeiter eine weitere Grundierung und danach eine erste Lage Innenputz auf die Platten auf, in die er anschließend Armierungsgewebe einlegt. Danach folgt eine zweite Lage Innenputz, die dann oft noch gefilzt wird. Zum Abschluss kann man die Putzoberfläche mit einer diffusionsoffenen Farbe beschichten.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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