RM Rudolf Müller
Die Feuerwehr wünscht sich weniger brennbare Materialien an der Hausfassade. Foto: Pixabay

Die Feuerwehr wünscht sich weniger brennbare Materialien an der Hausfassade. Foto: Pixabay

Dämmstoffe
12. Oktober 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

WDVS: Feuerwehr fordert mehr Brandriegel

Die Brandschutzanforderungen für Wärmedämmverbundsysteme mit EPS-Dämmung wurden erst vor rund einem Jahr verschärft. Doch der Deutsche Feuerwehrverband, die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren und die Vereinigung zur Förderung des deutschen Brandschutzes fordern in einem gemeinsamen Positionspapier zusätzliche Brandriegel für die Häuserfassaden.

Durch die aktuellen Brandschutzbestimmungen, die seit Anfang 2016 gelten, hatte sich für Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) mit EPS-Dämmung („Styropor“) die Anzahl der vorgeschriebenen Brandriegel bereits erhöht. Die wichtigsten Fakten dazu haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengestellt (siehe hier). Kurz zusammengefasst: Waren zuvor nur Brandriegel oberhalb von jedem zweiten Geschoss vorgeschrieben, so gibt es nun weitere Orte, an denen solche nichtbrennbaren, gebäudeumlaufenden Bauteile zwingend erforderlich sind: nämlich an der Unterkante des WDVS (am Fassadensockel) sowie in Höhe der Decke über dem Erdgeschoss (erstes Geschoss).

Die Konsequenz aus den Verschärfungen: Während vor 2016 beispielsweise bei einem dreigeschossigen Mehrfamilienhaus ein einziger Brandriegel ausreichte, so müssen es jetzt drei sein. Die Verpflichtung gilt für Neubauten ebenso wie bei einer nachträglichen Fassadendämmung im Bestand. Die in der Regel aus Mineralwolle bestehenden Brandriegel müssen eine Mindesthöhe von 200 mm haben. Sie sollen verhindern, dass infolge eines Raumbrandes eine geschossübergreifende Feuerausbreitung über eine in Brand geratene EPS-Fassade stattfindet. Derartige Fassaden sind übrigens grundsätzlich nur bis zu einer maximalen Gebäudehöhe von 22 m erlaubt. Höhere Häuser müssen in Deutschland komplett mit nicht brennbaren Materialien gedämmt werden.

Fassadenbrände in der Praxis

Vorgeschriebene Brandriegel nach den aktuellen Brandschutzbestimmungen. Grafik: Fachverband WDVS

Vorgeschriebene Brandriegel nach den aktuellen Brandschutzbestimmungen. Grafik: Fachverband WDVS

In einem gemeinsamen Positionspapier vom Juni 2017 haben der Deutsche Feuerwehrverband, die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren und die Vereinigung zur Förderung des deutschen Brandschutzes eine weitere Verschärfung der Brandschutzvorschriften gefordert. Der Einfachheit halber sprechen wir im Folgenden von „der Feuerwehr“, wenn die drei Verbände gemeint sind. Ihr vollständiges Positionspapier kann man hier nachlesen.

Die Feuerwehr betont in ihrer Stellungnahme, dass Brände von WDVS mit EPS-Dämmstoff die Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen stellen. „Die rasante Brandausbreitungsgeschwindigkeit und die enorme Rauchintensität dieser Systeme unterscheiden sich deutlich von anderen Fassadensystemen“, heißt es im Positionspapier. Die Feuerwehr spricht von rund 90 derartigen Brandfällen in Deutschland seit dem Jahr 2012. Wichtiges Detail: Etwa zwei Drittel dieser Brände wurden gar nicht durch Raumbrände im Gebäude, sondern durch Brandlasten vor dem Gebäude ausgelöst – also zum Beispiel durch brennende Mülltonnen im Sockelbereich der Fassade.

Empfehlungen der Feuerwehr

Ein WDVS mit nichtbrennbaren Dämmstoffen (hier: Steinwolle) bietet optimale Sicherheit. Foto: Rockwool

Ein WDVS mit nichtbrennbaren Dämmstoffen (hier: Steinwolle) bietet optimale Sicherheit. Foto: Rockwool

Um die Brandgefahr am Fassadenfuß zu verringern, war eigentlich Anfang 2016 der Brandriegel an der Unterkante des WDVS als zwingende Vorschrift eingeführt worden. Doch nach Ansicht der Feuerwehr reicht diese Maßnahme nicht aus. Für die Montage künftiger WDV-Systeme mit EPS als Dämmstoff empfiehlt sie stattdessen Brandriegel in jedem Geschoss.

Bewegliche Brandlasten wie Müllcontainer, Sperrmüll oder Fahrzeuge sind zudem mit einem ausreichenden Abstand zur Fassade abzustellen – fordert die Feuerwehr. Wo dies nicht möglich ist, sollte man die Fassade im Erdgeschossbereich komplett mit nichtbrennbaren Materialien dämmen. Alternativ könnten Mülltonnen im Fassadenbereich auch „nicht-brennbar eingehaust werden“ – heißt es im Positionspapier.

Die Feuerwehr empfiehlt den Gebäudeeignern zudem, Beschädigungen am WDVS zeitnah auszubessern. Schließlich sorgen Risse oder Absplitterungen an der äußeren Putzschicht dafür, dass das darunterliegende EPS schneller in Brand geraten kann. Mehr Vorsicht sei zudem auf vielen Baustellen notwendig, so die Feuerwehr. Brennbare Materialien (zum Beispiel Dämmstoffe!) sollten keinesfalls direkt vor dem Gebäude gelagert werden – insbesondere nicht, wenn das Haus während der Baumaßnahme bewohnt ist.


Mehr zum Thema Dämmung finden Sie in der Übersicht


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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