RM Rudolf Müller
Wände streichen zählt zu den Renovierungsarbeiten. Foto: Pixabay

Wände streichen zählt zu den Renovierungsarbeiten. Foto: Pixabay

Energetisches Bauen
07. Dezember 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Sanieren, Renovieren, Modernisieren: Was ist der Unterschied?

Sanremo ist ein italienischer Kurort. Als Abkürzung hat sich das Wort aber auch in der Bauwirtschaft eingebürgert, stellvertretend für Sanierung – Renovierung – Modernisierung. Man spricht also kurz und knapp vom SanReMo-Markt. Das ist praktisch, doch das komprimierte Kunstwort verdeckt auch die Unterschiede. Denn Sanierung, Renovierung und Modernisierung sind nicht dasselbe.

Der Begriff SanReMo-Markt war in den Nullerjahren in der Baustoffbranche allgegenwärtig, heute hört man ihn nicht mehr so oft. Stattdessen ist meist vom Modernisierungsmarkt die Rede – als Gegensatz zum Neubaumarkt. Das macht die Sache aber eher noch verwirrender, denn wenn vom Modernisierungsmarkt gesprochen wird, sind normalerweise alle Bauaktivitäten im Gebäudebestand gemeint: sanieren, renovieren und modernisieren. Und wie gesagt: Diese Aktivitäten sind eben nicht dasselbe – zumindest nicht in der Theorie.

Sanieren bedeutet Schadensbehebung

Sanieren ist angesagt, wenn ein Schaden am Gebäude zu beheben ist. Muss etwa Schimmel in Innenräumen beseitigt werden, spricht man von einer Schimmelsanierung. Auch Feuchteschäden, Risse im Außenputz, Löcher in der Dachhaut oder Ausblühungen an Bauteilen sind typische Sanierungsfälle. Ziel einer reinen Sanierung ist es, den ursprünglichen Bauzustand wiederherzustellen – so wie vorm Schadensfall. Ein Mangel wird durch Reparatur beseitigt. Die sanierten Bauteile haben anschließend wieder die ursprüngliche Qualität.

Renovierung als Auffrischung

Auch bei Renovierungen wird in gewisser Weise ein ursprünglicher Zustand wiederhergestellt. Allerdings geht es nicht um Baumängel, die man zwangsläufig beseitigen muss, um weiteren Schaden abzuwenden, sondern eher um optische Verschönerungen. Alte Bauteile, die sich im Laufe der Jahre oberflächlich abgenutzt haben, werden durch die Renovierung wieder „aufgefrischt“. Man spricht auch von Schönheitsreparaturen.

Der Klassiker unter den Renovierungen ist das Tapezieren oder Streichen der Wohnungsinnenwände. Dabei muss natürlich nicht genau der alte Zustand wiederhergestellt werden, man kann auch eine andere Optik und andere Farben wählen. Wichtig ist nur, dass die Wände hinterher wieder frisch gestrichen oder neu tapeziert aussehen. So wie früher. Auch die Verlegung neuer Bodenbeläge – zum Beispiel Teppich oder Laminat – gehört zu den Renovierungen.

Modernisieren heißt verbessern

Dieses Gebäude müsste dringend saniert werden, was dann sicher auch eine Modernisierung nach sich ziehen würde. Foto: Pixabay

Dieses Gebäude müsste dringend saniert werden, was dann sicher auch eine Modernisierung nach sich ziehen würde. Foto: Pixabay

Und was bedeutet Modernisierung? Dabei geht es um mehr als um die bloße optische Verschönerung. Es geht auch um mehr als nur darum, einen Schaden zu beheben und den alten, funktionsgerechten Zustand wiederherzustellen. Genauer gesagt muss für eine Modernisierung nicht einmal ein baulicher Schaden vorliegen. Ziel ist es vielmehr, Gebäudeteile zu verbessern, sie auf den jeweils neuesten baulichen Stand zu bringen, ihren Nutzwert zu erhöhen.

Typische Beispiele sind die Dämmung einer zuvor nicht gedämmten Gebäudehülle und der Austausch intakter Fenster durch Wärmeschutzfenster, um Energiekosten zu sparen und mehr Wohnbehaglichkeit zu schaffen. Aber auch die Anschaffung einer leistungsfähigeren, energiesparenderen Heizungsanlage, die schallschutztechnische Ertüchtigung von Wohnungstrennwänden oder die Verbesserung des Brandschutzes von Bauteilen sind Beispiele für Modernisierungen.

Abgrenzungsschwierigkeiten

So weit die Theorie der Unterscheidung von Sanierung, Renovierung und Modernisierung. In der Praxis fließen die Begriffe aber häufig wieder zusammen. Ein Bauschaden, der eine Sanierung notwendig macht, wird oft zugleich zu einer Modernisierung. Ist etwa ein altes Dach undicht, dann beseitigen viele Bauherren nicht nur die Löcher, sondern lassen das Bauteil auch gleich noch dämmen. In vielen Fällen schreibt die Energieeinsparverordnung (EnEV) das sogar verpflichtend vor.

Ein anderes Beispiel: Wird eine Fassade erstmals gedämmt, also modernisiert, erhält sie abschließend natürlich auch einen frischen Anstrich. Diese Arbeit ist dann rein theoretisch eine Renovierung, allerdings eine, die erst durch die Modernisierung notwendig wurde. Umgekehrt verpflichtet eine Schönheitsrenovierung an der Fassade oder am Dach in vielen Fällen auch zur Dämmung, also zur Modernisierung. Stichwort EnEV.

Man könnte noch viele solcher Beispiele nennen, bei denen die verschiedenen Bauaktivitäten im Gebäudebestand – sanieren, renovieren, modernisieren – geradezu automatisch ineinanderfließen. So stehen die drei Begriffe zwar grundsätzlich für etwas Verschiedenes, in der Praxis führt das eine aber oft zum anderen.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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