RM Rudolf Müller
Die Eiche-Landhausdiele im angesagten Retro-Look. Foto: vdp/Haro

Die Eiche-Landhausdiele im angesagten Retro-Look. Foto: vdp/Haro

Boden und Wand
07. August 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Parkettboden: Welche Dielenformate gibt es?

Beim Begriff Parkettboden denken viele zuerst an kleinteilige Stab- und Mosaikoptiken. Aber es gibt ja auch noch die langgestreckten, großformatigen Bodendielen. Sie werden meist als Landhausdiele, Schlossdiele oder Schiffsboden vermarktet.

Gehören Bodendielen aus Holz zum Sortimentsbereich Parkett? Manch einer mag hier stutzen. Viele sind es gewohnt, nur die eher kleinteiligeren Böden – zum Beispiel mit Fischgrät-Muster oder Würfeloptik – als Parkett zu bezeichnen, während sie bei großformatigen Holzbrettern den Begriff Dielenboden bevorzugen. Doch die Parketthersteller verstehen unter Parkett in der Regel Hartböden mit Echtholzoberfläche und zählen dazu auch die Dielenböden. Dieser Betrachtungsweise schließen wir uns hier an.

Klar ist, dass es sich bei Hartböden aus Laminat oder Vinyl beziehungsweise bei anderen Designböden nicht um Parkett handelt. Schließlich besteht ihre Oberflächenschicht nicht aus massivem Holz. Aber auf die Nutzschicht dieser Beläge sind oft täuschend echt aussehende Holzoptiken gedruckt und bei Form und Aussehen der Dielen orientieren sich die Hersteller ebenfalls an den Parkett-Originalen. Deshalb findet man Bezeichnungen wie Landhausdiele oder Schiffsboden heute auch im Bereich von Laminat und bei modernen Designböden. Sie beschreiben in diesem Zusammenhang Format und Optik der jeweiligen Bodendielen.

Landhausdielen

Die Landhausdiele gilt als klassische Bodendiele schlechthin. Es handelt sich um meist 15 bis 20 cm breite Bretter, die in der Regel zwischen 1 m und 2,5 m lang sind. Unabhängig vom Format wird der Begriff Landhausdiele auch oft in Zusammenhang mit einer speziellen Optik verwendet. Gemeint ist dann eine lebhafte, eher rustikale Oberflächenanmutung mit vielen Asteinschlüssen und oft auch mit einem bewusst erzeugten „Used-Look“. Aber natürlich gibt es das klassische Landhausdielen-Format auch in ruhiger wirkenden, eleganteren Optiken.

Im Gegensatz zu den kleinteiligeren Parkettarten bieten Landhausdielen relativ großflächige Holzansichten mit weniger Unterbrechungen. Man sieht praktisch den Baumstamm im Querschnitt. Das passt gut zu aktuellen Bodentrends, nach denen das Thema Natürlichkeit bei den Käufern eine große Rolle spielt. Trotzdem besteht auch Landhausdielen-Parkett heute nur noch selten durch und durch aus massivem Holz. Meist handelt es sich bei den Dielen um mehrschichtig aufgebaute Produkte mit einer dünnen, edlen Nutzschicht und darunter liegenden Trägerschichten aus günstigeren Holzwerkstoffen.

Schlossdielen

XXL-Dielen: Schlossboden-Element in der Produktion des oberbayerischen Herstellers Hain. Foto: Hain Parkett

XXL-Dielen: Schlossboden-Element in der Produktion des oberbayerischen Herstellers Hain. Foto: Hain Parkett

Bei großen Räumen reichen die typischen Maße von Landhausdielen natürlich nicht aus, um mit nur einem Brett die gesamte Raumlänge auszufüllen. Man legt dann mehre Dielen der Länge nach hintereinander. Umgekehrt gibt es aber auch imposante Großdielen, die in eine kleine Wohnung gar nicht hineinpassen würden. So genannte Schlossdielen heißen so, weil sie früher oft in großen Sälen von Schlössern verlegt wurden. Es handelt sich gewissermaßen um Landhausdielen im XXL-Format, die anmutig und eindrucksvoll wirken – vorausgesetzt die Location passt. Der deutsche Parketthersteller Hain bietet seine „Castello“-Schlossdielen zum Beispiel in Längen bis zu 5 m – bei Eichendielen sogar bis zu 7 m.

In Objektbauten, aber auch in großzügigen Wohnbereichen erleben Schlossdielen übrigens gerade ein kleines Comeback. Der Bodenbelagshersteller Parador berichtet, dass viele Verbraucher bei der Dielenauswahl derzeit der Devise „Je größer, desto besser“ folgen. In großen Räumen verlegt, entfalten Großdielen durch ihre Länge und Breite einen besonders natürlichen Charakter, der das Material Holz eindrucksvoll in Szene setzt.

Während sich Großdielen in der Vergangenheit aufgrund ihrer besonderen Maße oft nur schwer verlegen ließen, geht das bei modernen Dielensystemen wesentlich einfacher. Hersteller wie Parador bieten heute auch Schlossdielen mit praktischer Klick-Technik. Die Parkettdielen lassen sich einfach ineinander stecken und halten ohne weitere Verklebung, was eine schwimmende Verlegung möglich macht – auch in Kombination mit einer Fußbodenheizung.

Schiffsboden

 Parkett-Bodendielen in Schiffsboden-Optik. Foto: vdp/Bauwerk

Sehr verbreitet in deutschen Wohnungen – nicht nur als Parkett, sondern insbesondere auch in der Laminat-Variante – ist der so genannte Schiffsboden. Diese Dielenart unterscheidet sich in Sachen Format eigentlich gar nicht von der Landhausdiele, obwohl es oberflächlich betrachtet anders aussieht. Zumindest die Trägerschichten der heute üblichen Schiffsbodendielen haben nämlich das gleiche Langformat. Den Unterschied macht allerdings die oberste Schicht, die beim Schiffsboden eben nicht aus einer durchgängigen Holzfläche besteht.

Charakteristisch für den Schiffsboden sind vielmehr kleine, stabförmige Holz-Elemente, die auf der obersten Trägerschicht verleimt sind. Sie sind dort in einem bestimmten Muster angeordnet: In der Regel befinden sich auf jeder Einzeldiele nebeneinander drei Reihen aus untereinander versetzen Stäben. Ein derartiges Muster gab es früher auch oft bei den Planken von Schiffen – daher der Name Schiffsboden.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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