RM Rudolf Müller
Schallschutzfenster halten Lärm effektiv draußen. Foto: VFF/Saint-Gobain

Schallschutzfenster halten Lärm effektiv draußen. Foto: VFF/Saint-Gobain

Bauelemente
04. April 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Was sind Schallschutzfenster?

Schallschutzfenster schützen vor störendem Lärm, der von außerhalb des Hauses kommt. Ob man sie braucht, hängt also von der Wohnumgebung ab. In der einsamen Hütte am Waldesrand sind sie sicher überflüssig. Doch auch in der Großstadt lohnt sich der höhere Anschaffungspreis nicht in allen Räumen. Dort wo maximale Ruhe gewünscht ist, etwa in Schlaf- oder Büroräumen, können Schallschutzfenster dank ihrer speziellen Konstruktion aber durchaus weiterhelfen.

Zunächst einmal muss klargestellt werden: Es gibt nicht das Schallschutzfenster. Unter dem Etikett werden Bauelemente mit sehr verschiedener Dämmwirkung und entsprechend unterschiedlicher Ausstattung vermarktet. Das Spektrum ist durchaus breit, die VDI-Richtlinie 2719 unterscheidet bei Fenstern sechs Schallschutzklassen. Mit Produkten der Klasse 1 lässt sich ein Schalldämm-Maß von 25 bis 29 dB erzielen, Fenster der höchsten Klasse 6 reduzieren äußere Schallquellen dagegen um mehr als 50 dB. Das ist ein riesiger Unterschied, wenn man bedenkt, dass das menschliche Ohr bei der Reduzierung einer Schallquelle um nur 10 dB die Geräusche nur noch halb so laut wahrnimmt.

Sechs Schallschutzklassen

Dieses Dachfenster mit Dreifach-Verglasung erfüllt die Anforderungen der Schallschutzklasse 4. Foto: Velux

Dieses Dachfenster mit Dreifach-Verglasung erfüllt die Anforderungen der Schallschutzklasse 4. Foto: Velux

Dass es so unterschiedlich leistungsstarke Schallschutzfenster gibt, macht durchaus Sinn. Nur so lässt sich der Schallschutz individuell an die jeweilige Geräuschsituation außerhalb der Wohnung anpassen. Keinesfalls empfiehlt es sich, in jeder Situation auf Bauelemente mit maximaler Dämmwirkung zu setzen. Nicht nur, weil diese teurer und schwerer sind, sondern auch, weil Fenster, die praktisch alle Geräusche der Außenwelt abschirmen, zu einem unangenehmen Isolationsgefühl in der eigenen Wohnung führen können. Außerdem hört man Geräusche aus der Nachbarwohnung umso lauter, je weniger sie durch das „Hintergrundrauschen“ von draußen überlagert werden!

In der Praxis werden am häufigsten Fenster der Klassen 2 bis 4 verbaut. Aber wie gesagt: Es kommt auf die Umgebung an. Liegt die Wohnung an einer vielbefahrenen Straße, an einer Bahntrasse, in einem beliebten Ausgehviertel oder gar in der Nähe eines Flughafens, können auch Fenster der höchsten Schallschutzklassen Sinn machen. Die Klasse 5 steht für einen Schalldämmwert von 45 bis 49 dB und wird beispielsweise empfohlen, wenn das Gebäude in weniger als 100 m Entfernung zu einer stark befahrenen Hauptverkehrsstraße steht.

Bei einer Verkehrsdichte ab 3.000 Kraftfahrzeugen pro Stunde empfehlen Experten sogar Fenster der Schallschutzklasse 6. Allerdings ist eine Schalldämmung von mehr als 50 dB mit normalen Fenstern schwer zu erreichen. Möglich ist das aber mit Kastenfenster-Konstruktionen. Diese bestehen aus zwei parallelen Fensterflügeln, die sich nacheinander öffnen und schließen lassen.

Typischer Scheibenaufbau

Im Wohnungsbau sind Mehrscheiben-Isolierverglasungen mittlerweile der Normalfall – allein schon aus Wärmeschutzgründen. Dieser Aufbau hilft aber auch, den Schallpegel äußerer Lärmquellen zu dämmen. Ab Schallschutzklasse 2 haben die Fenster heute in der Regel einen Dreischeiben-Aufbau. Das allein macht aber noch kein gutes Schallschutzfenster aus. Sonst würden sich die Produkte auch nicht von normalen Wärmeschutzfenstern unterscheiden.

Typisch für Schallschutzfenster ist, dass die einzelnen Scheiben besonders dick sind. Das macht die Bauelemente vergleichsweise schwer, bringt aber viel Lärmreduzierung. Je dicker die Scheiben, umso besser die Schalldämmung. Diese hängt darüber hinaus auch vom Scheibenabstand ab. Dieser sollte mindestens 1 cm betragen, ansonsten lässt sich mit zwei Scheiben keine bessere Dämmung erzielen als mit einer entsprechend dicken Einfachverglasung. Größere Abstände bewirken dagegen eine Zunahme des Schallschutzes. Weiter optimieren lässt sich der Effekt, wenn der Zwischenraum mit einem Edelgas wie Argon gefüllt wird, das eine geringe Wärmeleitfähigkeit hat.

Positiv auf den Schallschutz wirkt sich zudem ein asymmetrischer Scheibenaufbau aus. Damit ist gemeint, dass nicht alle Scheiben gleich dick sind. Bei Schallschutzfenstern ist meist die äußere Scheibe deutlich dicker als die innere. Dickeres Glas schwingt weniger, wenn es von Schallwellen getroffen wird. Das reduziert die Schallweiterleitung.

Glasarten

Bei diesem Fenster sorgen eine spezielle Mitteldichtung und die Luftführung durch den Flügel für Schalldämmung auch in der Lüftungsstellung. Foto: Schüco International KG

Bei diesem Fenster sorgen eine spezielle Mitteldichtung und die Luftführung durch den Flügel für Schalldämmung auch in der Lüftungsstellung. Foto: Schüco International KG

Typisch für Schallschutzfenster ist auch, dass nicht alle Scheiben aus normalem Fensterglas (Floatglas) gefertigt sind. Zumindest die Außenscheibe besteht bei Produkten der höheren Schallschutzklassen meist aus Verbundglas oder aus Einzelscheiben, die mit speziellen Schallschutzfolien beschichtet sind. Da Verbundglas aus mindestens zwei Glasscheiben besteht, die durch eine dazwischenliegende Folie oder durch ein Gießharz fest miteinander verklebt sind, ergibt sich eine größere Stärke der Gesamtscheibe. Das sichert die gewünschte Asymmetrie des Scheibenaufbaus.

Fensterrahmen und Fugen

Die beste Verglasung nützt aber wenig, wenn der Schall einfach durch den Rahmen oder die Fugen des Fensters dringen kann. Bei einem funktionierenden Schallschutzfenster müssen daher auch Blendrahmen und Flügelrahmen ausreichend gedämmt sein. Entscheidend ist dabei weniger das Rahmenmaterial, sondern vielmehr die innere Geometrie der Rahmenprofile. Hohlprofile, die aus möglichst vielen, unverbundenen Einzelkammern bestehen, sind besonders schalldicht. Je mehr Kammern, umso besser.

Wichtig sind nicht zuletzt effektive Dichtungen zwischen Blendrahmen und Fensterflügel, damit bei geschlossenem Fenster möglichst wenig Schall durch die Fugen eindringt. Besonderes Augenmerk ist zudem auf die Fuge zwischen Blendrahmen und Mauerwerk zu richten. Bereits kleine Undichtigkeiten können hier große Schallbrücken bewirken. Wie man die Fugen durch einen fachgerechten Fenstereinbau dicht bekommt, zeigt unser Beitrag „Fenstereinbau: Wie vermeidet man Wärmebrücken?“.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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