RM Rudolf Müller
Besonders druckfest: Deckenelement mit „stehenden“ Furnierlagen.  Foto: steico.com


Besonders druckfest: Deckenelement mit „stehenden“ Furnierlagen.  Foto: steico.com

Boden und Wand
12. März 2020 | Artikel teilen Artikel teilen

Was ist Furnierschichtholz?

Furnierschichtholz ist ein aus verleimten Furnieren hergestellter hochwertiger Holzwerkstoff, der im konstruktiven Holzbau zum Einsatz kommt. Angeboten werden sowohl stab- als auch plattenförmige Produkte. Der folgende Beitrag erläutert die wichtigsten Eigenschaften und Anwendungsbereiche von Furnierschichtholz und erklärt den Unterschied zu Furniersperrholz sowie Brettschichtholz.

Furnierschichtholz besteht aus 3 mm bis maximal 6 mm dicken Schälfurnieren, die miteinander verklebt sind. Furniere sind dünne Holzblätter, die man aus Baumstämmen herausschneidet. Als Schälfurniere wiederum bezeichnet man die eher einfachen, optisch nicht so edlen Furniere, die durch Schälen von Rundhölzern gewonnen werden. Für dekorative Oberflächen – etwa im Innenausbau oder bei Möbeln – verwendet man dagegen so genannte Messerfurniere, die man mit Messer-Werkzeugen aus solchen Baumstämmen schneidet, die über ein besonders edles Holz verfügen.

Faserparallele Verleimung

Beim Furnierschichtholz werden die verwendeten Schälfurniere mit Phenolharz so verklebt, dass die Holzfasern der Furniere überwiegend parallel verlaufen. Das ist der entscheidende Unterschied zum klassischen Sperrholz – auch Furniersperrholz genannt. Sperrholzplatten bestehen ebenfalls aus Schälfurnieren, die aber in der Regel dünner sind als die von Furnierschichtholz.

Vor allem aber werden die Furniere von Sperrholz kreuzweise miteinander verleimt, sodass die Faserrichtungen benachbarter Lagen im 90°-Winkel zueinander verlaufen. Dadurch verziehen sich die Platten bei Feuchtigkeitseinflüssen kaum, das holzübliche Quellen und Schwinden wird weitgehend „gesperrt“. Bei Furnierschichtholzplatten weisen die Fasern dagegen in der Regel in die gleiche Richtung. Nur bei breiteren Holzwerkstoffen ist es üblich, die Lagen vereinzelt auch kreuzweise zu verleimen.

Äußerst formstabil

Fineline-Optik: Die sichtbare Oberfläche dieser Decke zeigt die Furniere im Querschnitt. Foto: steico.com

Fineline-Optik: Die sichtbare Oberfläche dieser Decke zeigt die Furniere im Querschnitt. Foto: steico.com

Der spezielle Aufbau aus einer Vielzahl dünner, fest miteinander verleimter Furnierblätter sorgt dafür, dass Furnierschichtholz ein besonders formstabiler Holzwerkstoff ist. Seine Druck-, Zug- und Biegefestigkeit übertrifft die von Sperrholz – und übrigens auch die von herkömmlichem Vollholz – bei Weitem. Die hohe Festigkeit und Formstabilität hängen unter anderem damit zusammen, dass beim Furnierschichtholz Fehlstellen wie Risse oder Astlöcher immer nur auf einzelne Furnierblätter begrenzt bleiben.

Die Druckfestigkeit ist übrigens noch einmal deutlich höher, wenn die Drucklast parallel zur Faserrichtung angreift, anstatt senkrecht zu dieser. Ein gutes Beispiel dafür sind die neuen Deckenelemente aus Furnierschichtholz, die Steico auf der Messe Dach+Holz 2020 in Stuttgart vorgestellt hat (siehe Fotos). Die sichtbare Oberfläche dieser Decken zeigt kein glattes Holz, sondern eine Fineline-Optik. Die kommt zustande, weil die Elemente so aufgebaut sind, dass der Hausbewohner die „stehenden“ Furnierlagen im Querschnitt sieht. Die Fineline-Optik sieht auch schick aus, ist zumindest mal etwas Anderes. Es wirkt, als hätte man Hochkantlamellenparkett an der Decke verlegt.

Doch die in Längen bis 18 m, Breiten bis 96 cm und Höhen bis 40 cm erhältlichen Steico-Produkte sehen nicht nur gut aus, sondern sind auch besonders formstabil. Nach Angaben des Herstellers sind sie deutlich druck-, schub- und biegefester als es entsprechende Elemente aus Vollholz oder auch aus Brettschichtholz wären. Und diese besondere Formstabilität hängt eben auch damit zusammen, dass bei diesen Decken die Drucklast parallel zur Faserrichtung erfolgt. Nach Angaben von Steico werden selbst hohe punktuelle Lasten ohne Verstärkungsmaßnahmen sicher durch die Elemente geleitet.

Vielfältig einsetzbar

Furnierschichtholz für den konstruktiven Holzbau wird sowohl in Form von Balken (stabförmig) als auch im Plattenformat angeboten. Bei der stabförmigen Variante sind typische Einsatzbereiche zum Beispiel Träger, Stützen, Dachsparren und -pfetten sowie Deckenbalken. Plattenförmiges Furnierschichtholz verwendet man unter anderem für aussteifende Wandschalungen, für aussteifende oder auch tragende Dach- und Deckenschalungen sowie für Dachüberstände.

Unterschied zu Brettschichtholz

Vor allem im Anwendungsbereich Träger und Balken konkurriert Furnierschichtholz mit Brettschichtholz, das ebenfalls aus faserparallel verleimten Echtholzlagen besteht, nur dass diese deutlich dicker sind – nämlich zwischen 6 mm und 45 mm. Bei Stärken über 45 mm spricht man dann von Balkenschichtholz.

Der Unterschied zwischen stabförmigem Furnierschichtholz und Brettschichtholz liegt also eigentlich nur darin, dass bei Letzterem die verleimten Lamellen deutlich dicker sind. Die Bezeichnungen sagen es ja schon: Bei dem einen Produkt bestehen die einzelnen Lagen aus dünnen Furnieren, bei dem anderen sind es Bretter. Mengenmäßig kommt Brettschichtholz für Träger und Balken deutlich häufiger zum Einsatz, nicht zuletzt, weil es preiswerter ist. Das formstabilere Produkt ist aber Furnierschichtholz, gerade wegen des Aufbaus mit den vielen dünnen Furnierblättern.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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