RM Rudolf Müller
Bambus-Parkett der Marke „Bamboo Forest“. Foto: Moso

Bambus-Parkett der Marke „Bamboo Forest“. Foto: Moso

Energetisches Bauen
22. September 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Bambus-Baustoffe für den Innen- und Außenbereich

Bambus gehört zu den am schnellsten wachsenden Pflanzen der Erde. Das Material gilt deshalb als sehr nachhaltig und wird in den letzten Jahren auch in Europa immer beliebter – vor allem als Alternative zu Holz aus Tropenwäldern. Typische Anwendungsbeispiele sind Parkettböden sowie Terrassen- und Fassadendielen, aber auch Furniere für Innentüren.

Bambusse zählen zu den Süßgräsern und wachsen vor allem in den tropischen Klimaregionen Asiens, Mittel- und Südamerikas, Australiens und Afrikas. In Europa kommen sie dagegen nicht natürlich vor. Das scheint zunächst gegen die Nachhaltigkeit einer Nutzung in unseren Breitengraden zu sprechen, denn schließlich muss das Material von weit her importiert werden. Das wird aber dadurch aufgewogen, dass der Rohstoff extrem schnell nachwächst.

Schnell wachsender Rohstoff

Eine Bambuspflanze produziert jedes Jahr mehrere neue Sprossen und ihr Stamm – der Bambushalm – kann bis zu 35 m hoch werden. In tropischen Regionen wachsen einige Bambusarten sogar bis zu drei Meter in nur 24 Stunden! Bambushalme sind in der Regel innen hohl, weswegen sie häufig auch Bambusrohre genannt werden. Der Durchmesser dieser Rohre unterscheidet sich je nach Bambusart. Meist beträgt er etwa 5–12 mm, es gibt aber auch Sorten, bei denen die Halme einen Durchmesser bis zu 30 mm erreichen.

Bambusstämme bilden auch Zweige und Blätter aus, die für die Baustoffindustrie allerdings keine Rolle spielen. Parkett, Furnier und Dielen aus Bambus werden aus dem Halm (Stamm, Rohr) hergestellt. Dieser liefert das „Holz“ des Bambus, das im unbehandelten Zustand eine honiggelbe bis bräunliche Farbe hat. Wobei die Bezeichnung Holz eigentlich nicht korrekt ist, denn Bambus zählt ja zu den Gräsern. Allerdings enthalten die Wände der Bambusrohre den typischen Holz-Baustein Lignin, und aufgrund ihrer Größe ähneln sie eher Baumstämmen als Grashalmen. Bambus wird daher auch häufig als verholzendes Riesengras bezeichnet.

Auch die Eigenschaften der Halmwände ähneln denen von Holz. Das Material ist sehr hart und stabil und verfügt über eine hohe Zug-, Druck- und Biegefestigkeit. Zugleich ist Bambus aber leichter und elastischer als Holz und bei Feuchtigkeitsbelastung ist das Quell- und Schwindverhalten deutlich geringer als zum Beispiel bei Eichenholz.

Böden für den Innenbereich

Aus den Halmen der Bambuspflanze fertigt man zum Beispiel mehrschichtige Parkettböden für Innenräume. Dafür spaltet man die Hohlrohre der Länge nach, sodass man flache Streifen erhält, die anschließend gekocht, getrocknet und unter hohem Druck zu Schichtplatten verleimt werden. Bambusparkett ist sowohl im großformatigen Langdielen-Format („Landhausdielen“) als auch in Form von filigranerem Stabparkett erhältlich. Die Oberflächenbehandlung erfolgt wie bei Holzparkett mit Öl, Lack oder Wachs.

Durch ein besonderes Herstellungsverfahren zeichnet sich das Parkett „Bamboo Forest“ von Moso aus. Die 6 mm dicke Nutzschicht dieses mehrschichtigen Bodens entsteht dadurch, dass unversehrte, also nicht zuvor gespaltene Bambusrohre zu geraden Latten gepresst werden (siehe Foto ganz oben). Das Ergebnis ist ein sehr robuster Bodenbelag, der wegen seiner steinharten Oberfläche keine Endbehandlung mit Öl oder Lack benötigt. Der niederländische Hersteller Moso bezeichnet sich selbst als europäischen Marktführer bei Bambus-Produkten für die Raum- und Gebäudeausstattung sowie den Garten- und Landschaftsbau.

Bambus bei Innentüren

Mit Bambus-Furnier beschichtete Innentür. Foto: Reinaerdt Deuren

Mit Bambus-Furnier beschichtete Innentür. Foto: Reinaerdt Deuren

Auch Türblätter mit Furnier-Oberflächen aus Bambus gibt es bereits. Der niederländische Hersteller Reinaerdt Deuren bietet so etwas zum Beispiel an. „Messerfurniere aus Bambus sind europäischen Laubhölzern nicht nur ebenbürtig, sondern nach unserer Meinung in Sachen Härte, Widerstandsfähigkeit und Dauerhaftigkeit sogar überlegen“, sagt dazu Reinaerdt-Vertriebsleiter Thomas Borbeck. Das Unternehmen vertreibt mittlerweile sogar Türrahmen aus Bambus. Die sind nicht nur mit Furnier-Oberflächen beschichtet, sondern bestehen komplett aus verleimtem Bambus-Schichtholz.

Bambus im Außenbereich

Wärmebehandelte „Bamboo X-Treme“-Terrassendielen. Foto: Moso

Wärmebehandelte „Bamboo X-Treme“-Terrassendielen. Foto: Moso

Zwar hat Bambus – wie schon erwähnt – ein geringes Quell- und Schwindverhalten, aber trotzdem ist die Verwendung des Materials für den Außenbereich umstritten. Zumindest in unseren nasskalten Breitengraden haben sich in der Vergangenheit viele Terrassen- und Fassadendielen oder auch Gartenmöbel aus Bambus als wenig witterungsbeständig und anfällig gegenüber Mikroorganismen erwiesen.

Allerdings gibt es heute auch speziell behandelte Bambus-Werkstoffe, die man uneingeschränkt für den Outdoor-Bereich empfehlen kann. So bietet Moso zum Beispiel wärmebehandeltes Bambusholz („Bamboo X-Treme“), das unter Hitze und Druck stark verdichtet wird. Durch dieses patentierte Thermo-Druck-Verfahren entsteht ein dunkelbraunes Bambusholz, das nach Herstellerangaben resistent gegen Schimmel und Pilzbefall sowie formstabil und rissunempfindlich ist. Und das ohne Einsatz von Insektiziden, Fungiziden oder holzschützenden Lacken und Lasuren.

Wer in Sachen Witterungsresistenz auf Nummer sicher gehen will, kann auch auf den Verbundwerkstoff BPC (Bamboo Plastic Composites) setzen. Das ist ein künstlich hergestelltes Material, das durch die Vermischung von Bambusfasern und Kunststoff entsteht und aus dem sich zum Beispiel Terrassendielen oder Fassadenprofile formen lassen. BPC ähnelt in seinen Eigenschaften dem bekannten Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff WPC (Wood-Plastic-Composite) – nur dass es eben keine Holzbestandteile, sondern Bambusfasern enthält. Bei beiden Werkstoffen sorgt der Kunststoffanteil für die erhöhte Witterungsresistenz und damit für eine bessere Eignung im Outdoor-Bereich.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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