RM Rudolf Müller
Normalmauermörtel wird in einer Fugenbreite von 12 mm verarbeitet. Foto: Xella

Normalmauermörtel wird in einer Fugenbreite von 12 mm verarbeitet. Foto: Xella

Fassade und Massivbau
22. November 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Mauermörtelarten: Normal – Leicht – Dünnbett

Gemauerte Wände bestehen nicht nur aus Steinen, sondern auch aus Mörtel, der die Einzelteile zusammenhält. Was viele nicht wissen: Das Fugenmaterial Mauermörtel ist kein beliebig austauschbarer Allerwelts-Baustoff, sondern muss für die jeweiligen Anwendungen sorgfältig ausgesucht werden. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Mörtelarten für Hintermauersteine vor. Speziellen Mörtel für Vormauerwerk haben wir in einem eigenen Beitrag behandelt, den du hier findest.

Mauermörtel besteht traditionell aus Sand, Wasser und dem Bindemittel – zum Beispiel Zement oder Kalk. Früher hat der Maurer den Mörtel aus diesen Einzelzutaten noch selbst zusammengemischt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte sich aber immer mehr der fertig gemischte Trockenmörtel durch. Der wird als Sackware auf die Baustelle geliefert und muss vom Verarbeiter nur noch mit Wasser angerührt werden. Je nach Herstellerrezeptur enthalten moderne Trockenmörtel in der Regel noch weitere Zusatzstoffe, um dem Mörtel bestimmte gewünschte Eigenschaften zu verleihen.

Die klassischen Bindemittel für Mauermörtel sind Zement oder Kalk, wobei Zementmörtel deutlich druckfester als Kalkmörtel ist. Letzterer hat dafür andere Vorteile: Kalkmörtel ist diffusionsoffen und kann daher Wasserdampf zwischenspeichern sowie bei Bedarf wieder abgeben. Außer ist er weniger spröde als Zementmörtel und damit auch weniger rissanfällig. Es gibt aber auch eine Kompromisslösung: Kalkzementmörtel vereint Vorteile beider Mörtelarten in einem Produkt.

Normalmauermörtel

Normalmauermörtel wird in einer Fugenbreite von 12 mm verarbeitet. Es handelt sich um einen Standardmörtel, der eben nicht durch Zusatzstoffe für besondere Aufgaben optimiert wird – deshalb „normal“. Früher war Normalmörtel gewissermaßen der Universalmörtel, den man für alle Arten von Mauerwänden einsetzte: für Innenwände im Gebäude, aber auch für Außenwandkonstruktion – sowohl im Hintermauer- als auch im Vormauerbereich.

Heute verwendet man Normalmauermörtel meist nur noch für Innenwände beziehungsweise für Außenwände, die noch eine Zusatzdämmung erhalten, selbst aber wenig Wärmeschutz bieten. Normalmauermörtel ist nämlich relativ dicht und schwer und dämmt daher nicht besonders gut. In einer Wand mit ansonsten hochdämmenden Mauersteinen würden Fugen aus Normalmörtel als Wärmebrücke wirken.

Leichtmauermörtel

Enthält der Mörtel Zuschläge wie Bims, Perlite, Blähton oder Blähglas (Foto), spricht man von Leichtmauermörtel. Foto: Liapor

Enthält der Mörtel Zuschläge wie Bims, Perlite, Blähton oder Blähglas (Foto), spricht man von Leichtmauermörtel. Foto: Liapor

Bei Außenwänden mit hochwärmedämmenden Mauersteinen ohne Zusatzdämmung ist dagegen darauf zu achten, dass der Wärmeschutz auch im Fugenbereich sichergestellt wird. Eine Möglichkeit ist die Verwendung von so genanntem Leichtmauermörtel. Der enthält Leichtzuschläge wie Perlite, Blähton, Blähglas oder Bims und wird genauso wie Normalmauermörtel in einer Fugenbreite von 12 mm vermauert. Aufgrund seiner geringeren Rohdichte dämmt er besser, ist aber nicht so druckfest.

Leichtmauermörtel sorgt dafür, dass moderne Mauersteine mit Dämmstoff-Füllung ihre Wirkung besser entfalten können. Denn es nutzt ja nichts, wenn die Steine selbst hervorragend dämmen, die Wärme aber leicht durch das Fugenmaterial entweichen kann. Aber auch bei Verwendung von Leichtmauermörtel bleibt der Fugenbereich eine gewisse Schwachstelle im ansonsten hochwärmedämmenden Mauerwerk. Gefüllte Mauersteine erreichen bei der Wärmeleitfähigkeit heute sehr niedrige Werte um 0,08 W/mK. Bei Leichtmauermörtel liegen die Spitzenwerte eher um 0,2 W/mK, also deutlich höher.

Dünnbettmauermörtel

Dünnbettmörtel wird meist mit dem Mörtelschlitten aufgetragen. Foto: Unipor

Dünnbettmörtel wird meist mit dem Mörtelschlitten aufgetragen. Foto: Unipor

Da die Fugen im Mauerwerk eine Schwachstelle bei der Wärmedämmung sind, gilt im Umkehrschluss: Je weniger Fugen, umso besser der Wärmeschutz. Bei der Verarbeitung von Hintermauerwerk im Außenwandbereich wird deshalb heute sehr oft Dünnbettmörtel verwendet. Den verarbeitet man nämlich nur in Stärken von 1 bis 3 mm, es ergeben sich als entsprechend geringe Fugenstärken.

Dünnbettmörtel heißt so, weil er nur auf die Auflagefläche der Mauersteine aufgetragen wird und dort ein „Bett“ für die nächste Steinlage bildet. Er eignet sich ausschließlich für Mauerwerk aus Plansteinen. Das sind Steine mit plan geschliffenen Oberflächen, die sehr maßhaltig, eben und glatt sind, sodass sich die einzelnen Steine praktisch lückenlos aufeinandersetzen lassen. Der Mörtel hat dann im Grunde nur die Funktion eines Klebers und wird nicht mehr zum Ausgleich von Unebenheiten benötigt. Passende Dünnbettmörtel gibt es sowohl für Kalksandsteine als auch für Porenbeton-, Leichtbeton- und Ziegel-Mauerwerk. Also praktisch für alle Arten von Mauersteinen.

Aufgrund der hohen Maßhaltigkeit der Plansteine kann tatsächlich auf einen Großteil der früher üblichen Fugen verzichtet werden. Die Stoßfugen – also die Fugen zwischen den Steinen einer Mauerwerk-Lage – werden in der Regel nicht mehr vermörtelt. Wie heißt es so schön: Die Plansteine werden hier „knirsch“ aneinandergereiht. Der Mörtelauftrag erfolgt nur noch auf der Auflagefläche der Steine, also zwischen zwei Lagen. Und das eben auch nur im Dünnbett. Fugen als Wärmebrücke verschwinden auf diese Weise weitgehend.

Übrigens unterscheidet sich die Rezeptur von Dünnbettmauermörtel nicht grundsätzlich von Normalmauermörtel. Sand, Wasser und Bindemittel sind in beiden Fällen die Zutaten. Dünnbettmörtel enthält nur einfach feiner gemahlene Sand- beziehungswiese Bindemittelkörner. Diese haben einen Durchmesser von maximal 1 mm. Die Verarbeitung von Dünnbettmörtel erfolgt heute meist nicht mehr mit der Mörtelkelle, sondern wesentlich effektiver mit dem „Mörtelschlitten“ (siehe Foto).


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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