RM Rudolf Müller
Trockenmauern werden ganz ohne Mörtel gebaut. Foto: Pixabay

Trockenmauern werden ganz ohne Mörtel gebaut. Foto: Pixabay

GaLabau und Tiefbau
10. Juni 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Trockenmauern: Aufbau und Einsatzbereiche

Trockenmauern sind wegen ihrer natürlichen Optik auch im privaten Garten sehr beliebt. Das Besondere: Sie werden ganz ohne Mörtel gebaut – also „trocken“. Zu ihrer Errichtung schichtet man einfach lose Steine aufeinander.

Als Anfang Mai 2016 in Baden-Württemberg der Koalitionsvertrag zwischen Grünen und CDU ausgehandelt und somit der Weg für die erste grün-schwarze Landesregierung perfekt war, sprach Ministerpräsident Winfried Kretschmann folgende Worte: „Wir haben nicht nur eine lose Trockenmauer aufgebaut, sondern auch den Mörtel angerührt, sodass da auch etwas Stabiles entstanden ist.“ Eine schöne Metapher – zweifellos. Aber doch etwas schief. Denn bei Trockenmauern fehlt zwar tatsächlich der Mörtelkleber, aber bei richtiger Bauweise sind sie keineswegs instabil. Das zeigen die vielen Beispiele teilweise Jahrhunderte alter Trockenmauern, die auch heute noch stehen, obwohl sie nur durch das Gewicht ihrer Steine zusammen gehalten werden.

Einsatzbereiche

Trockenmauern aus örtlich vorkommenden Natursteinen sind eine uralte Bauweise. Man kennt sie insbesondere als Stützmauern für Hänge und Böschungen, aber in früheren Zeiten wurden auch oft freistehende Trockenmauern errichtet. Wer zum Beispiel schon mal im nördlichen Großbritannien unterwegs war – zum Beispiel in Irland oder Wales –, wird sich sicherlich an die kunstvoll aufgeschichteten flachen Steinmauern erinnern, die sich dort überall als Begrenzungen für Weide- oder Ackerflächen durch die Landschaft ziehen. Das Tolle: Diese Mauern wirken nicht als Fremdkörper, sondern wie ein natürlicher Teil der Landschaft. Man hat fast den Eindruck, als wären sie dort „gewachsen“.

Aber auch in unseren Breitengraden gibt es eine lange Trockenmauertradition. Allerdings diente das Mauern ohne Mörtel in Deutschland meist dem Zweck, Böschungen abzustützen beziehungsweise steile Hanglagen durch Terrassenbau landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Bestes Beispiel dafür sind alte Weinberge. Diese werden nicht umsonst immer wieder gerne als „malerisch“ beschrieben. Das liegt nicht nur, aber doch auch an den schönen Trockenmauern aus Natursteinen.

Verwendung als Stützmauer

Heute werden Trockenmauern vor allem als Böschungsschutz im Gartenbereich gebaut. Auch der Nicht-Profi kann sie mit etwas Geschick errichten – zumindest wenn es um niedrige Höhen bis etwa ein Meter geht. Bei größeren Bauwerken ist dann aber der Fachmann gefragt, und spätestens ab zwei Metern Höhe sollte man generell nur noch mit Mörtel mauern. Die Tatsache, dass sich Stützmauern mit einer Neigung an die Form des Hanges anlehnen, erhöht ihre Stabilität, weil der Druck des Erdreichs dadurch nicht so stark ist.

Die Funktion der Trockenmauer als Böschungsschutz ist im Garten oft notwendig, um ein Abrutschen des Erdreichs – zum Beispiel nach starken Regenfällen – zu verhindern. Außerdem kann es sinnvoll sein, steilere Hänge mithilfe von Trockenmauern in mehrere weniger steile Abschnitte zu unterteilen. Eine solche Terrassierung macht es oft überhaupt erst möglich, den Hangboden für Anpflanzungen zu nutzen, denn eine steile Böschung lässt sich gärtnerisch nur schwer pflegen.

Fundament

Wie alle Gartenmauern benötigen auch Trockenmauern ein stabiles Fundament. Zunächst trägt man entlang der Linie, wo die geplante Mauer später stehen soll, den lockeren Humus-Oberboden ab und hebt einen etwa 50 cm tiefen Graben aus. Anschließend verdichtet man den Grabenboden und füllt ihn mit einer bis zu 40 cm dicken Schicht aus Schotter oder Kies auf. Diese Frostschutz-Schicht wird ebenfalls verdichtet, wozu ein einfacher Handstampfer ohne Motorantrieb ausreicht.

Um Mauerschäden durch gefrierendes Wasser sicher zu vermeiden, sollte man eine Entwässerungsvorrichtung einplanen. Für gewöhnlich genügt es, in die Schotter- oder Kiesschicht einen Drainageschlauch aus Kunststoff mit Gefälle einzulegen. Die Frostschutz-Schicht sollte etwas unterhalb der Geländeoberkante enden, sodass die unterste Steinreihe der Mauer ein Stück im Boden verschwindet. Das sieht besser aus und erhöht zugleich die Stabilität.

Aufschichten der Steine

Im Gartenbau dienen Trockenmauern meist zur Hangbefestigung. Foto: Pixabay

Im Gartenbau dienen Trockenmauern meist zur Hangbefestigung. Foto: Pixabay

Ist das Fundament errichtet, beginnt man damit, nach und nach die Steine aufzuschichten. Dafür sucht man Natursteine aus, die in den unteren Reihen relativ hoch und tief, zum Mauerkopf hin dagegen immer flacher werden sollten. Als Faustregel gilt, dass die Tiefe des Mauerfußes mindestens ein Drittel der Mauerhöhe betragen muss. Das lässt sich in der Regel nur erreichen, wenn man im unteren Bereich zwei oder mehrere Steinreihen hintereinander legt. Kreuzfugen sollten vermieden werden, da sie nicht gut aussehen und die Stabilität beeinträchtigen. Stattdessen werden die Steine überlappend aufeinander gesetzt.

Benachbarte Steine schiebt man ohne Fugenzwischenraum direkt aneinander. Wie heißt es so schön: Sie werden „knirsch“ verlegt. Etwa jeder dritte Stein pro Reihe sollte tiefer sein als die benachbarten Steine, also weiter in den Hang hineinragen. Man spricht in diesem Zusammenhang von Bindersteinen. Diese erfüllen in gewisser Weise die Funktion von Dübeln. Sie sorgen für eine stabilere Verankerung der Trockenmauer im Hanguntergrund.

Während man die Steine aufschichtet, verfüllt man verbleibende Hohlräume im Bereich des Mauerrückens immer wieder mit Kies und verdichtet diesen. Wer all diese Schritte befolgt, erhält eine stabile Trockenmauer, an der er lange Freude haben wird.


Mehr zum Thema Garten- und Landschaftsbau findest du hier


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

Gartenmauern benötigen ein stabiles Fundament

Es gibt viele Gründe eine Gartenmauer zu bauen, und längst nicht alle haben etwas mit Abschottung zu tun. Natürlich wird...

mehr »
 

Wie werden Gartenteiche abgedichtet?

In unserem Beitrag über die Regenwasserbewirtschaftung ging es um verschiedene Methoden, Wasser ins Erdreich versickern zu lassen und damit wieder...

mehr »
 

Natursteine: Ideale Baustoffe für den Garten

Gärten sind keine Natur, sondern von Menschen gemacht. Deshalb gibt es neben Erde und Pflanzen meist auch gepflasterte Wege und...

mehr »
Nach oben
nach oben