Flachdächer werden heute zunehmend als Gründächer ausgeführt. Vor allem in Ballungsräumen mit großflächiger Bodenversiegelung macht das Sinn. So lässt sich das Mikroklima der urbanen Hitzeinseln zumindest etwas erträglicher gestalten. Aber führen Gründächer nicht zu einer Verknappung von Flächen, die auch für Solarmodule interessant wären? Keineswegs – denn beide Dachnutzungsarten lassen sich durchaus kombinieren. Die Koexistenz von Pflanzen und Solartechnik hat sogar Vorteile.
Die Kombination von Begrünung und Photovoltaik – oder Solarthermie -Modulen auf ein und derselben Flachdachfläche ist im Grunde nichts Innovatives. Sie wird schon seit vielen Jahren praktiziert. Gleichwohl gilt sie noch nicht als Selbstverständlichkeit. Vielerorts sind Planende und Bauherren weiterhin der Ansicht, man müsse sich für die eine oder andere Form der Dachnutzung entscheiden. Um hier aufzuklären sowie Unsicherheiten und Wissensdefizite abzubauen, hat der Bundesverband Gebäude Grün e.V. (BuGG) die neue Fachinformation „Solar-Gründach“ erstellt.
Fachinformation des BuGG
Die Fachinformation kann auf der Website des Vereins gegen eine Schutzgebühr von 19 Euro zuzüglich Versandkosten bestellt werden. Die 52-seitige Broschüre im A4-Format bietet Architekten, Städteplanern, Bauherren und Ausführenden viele Praxistipps und erläutert, wie sich Gründächer und Solartechnik mit fachgerechter Planung, Ausführung und Pflege dauerhaft funktionsfähig und zum gegenseitigen Nutzen realisieren lassen. Es werden wichtige Begriffe erläutert, Planungsgrundlagen erörtert, Pflanzenlisten präsentiert, Handlungshinweise für die Ausführung gegeben und verschiedene Solar-Gründächer produktneutral beschrieben.

Natürlich müssen Solar-Gründächer gepflegt und gewartet werden. Um eine fachgerechte Instandhaltung der Technik zu gewährleisten, empfiehlt der BuGG zwischen den Modulreihen einen Mindestabstand von 80 cm. Außerdem sollte der Abstand von der Unterkante der Solarmodule zur Oberfläche der Pflanzen-Substratschicht mindestens 20 bis 30 cm betragen.
Verschattung vermeiden
Ganz wichtig ist es sicherzustellen, dass der Pflanzwuchs nicht irgendwann zu einer Verschattung der Module führt. Zum Glück bedeutet das nicht, dass man die Vegetation ständig zurückschneiden muss. Stattdessen setzt man bei Solar-Gründächern von vorneherein auf Extensivbegrünungen. Diese pflegeleichte Variante besteht aus niedrigwüchsigen, genügsamen Pflanzen wie Moosen oder Gras-Kraut-Begrünungen und erfordert nur geringe Substratschichtdicken.
Das Gegenteil zur Extensivbegrünung wäre die Intensivbegrünung, die sich zwar besser als Lebensraum für Tiere eignet, mit ihren relativ dicken Substratschichten und hochwachsenden Sträuchern – oder sogar kleinen Bäumen – aber nicht für die Koexistenz mit Solarmodulen geeignet ist. Das BuGG empfiehlt stattdessen eine geringe Substrathöhe von nur etwa 5–8 cm im Bereich vor den Solar-Modulen, um hochwachsende Pflanzen und damit eine Verschattung der Module auszuschließen.
Auflastgehaltene Solarsysteme
In der Broschüre erfährt man aber auch, dass das Substrat nicht überall auf dem Dach gleich hoch sein muss. Sinnvoller wäre eher ein wellenförmiger Einbau mit Schichthöhen von 5–8 cm vor den Modulen, während es unter den Modulen auch bis zu 15 cm sein können. Unter den Modulen muss das Substrat nämlich schwer genug sein, um als Auflast für die Solartechnik dienen zu können. Das gilt zumindest, wenn man sich für ein auflastgehaltenes System entscheidet, was das BuGG ausdrücklich empfiehlt.

Auflastgehalten bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Aufständerungen der Solarmodule nicht im Dachschichtenpaket (Abdichtung, Dämmstoff, Dampfbremse ) verankert sind. Stattdessen werden sie einfach durch die Auflast der Substratschicht fixiert. Vorteil dieser Lösung: Die Abdichtungsbahnen , die unter anderem den Dämmstoff vor Feuchtigkeit schützen, müssen nicht durchdrungen werden.
Effizienzsteigerung der Module
Eine gute Kombination sind Gründach und Solartechnik im Übrigen auch, weil die Verdunstungskühlung der Vegetation auch die Umgebungstemperatur der Solaranlagen senkt. Vor allem an heißen Sommertagen kann das ein Vorteil sein, da sich die Module dann nicht so stark aufheizen. Dadurch steigt ihr Ertrag, denn der Wirkungsgrad der meisten Solarmodule sinkt bei erhöhter Betriebstemperatur.