RM Rudolf Müller
Geschliffener Gussasphaltestrich als fugenloser Oberboden im Stuttgarter Kunstgebäude. Foto: HIIIS harderstumpflschramm

Geschliffener Gussasphaltestrich als fugenloser Oberboden im Stuttgarter Kunstgebäude. Foto: HIIIS harderstumpflschramm

 
Boden und Wand
27. Februar 2018 | Artikel teilen Artikel teilen

Was ist Gussasphaltestrich?

Asphalt kennt man vor allem als Straßenbaustoff. Was viele nicht wissen: In der Form von Gussasphaltestrich kommt er auch für Bodenbeläge im Innenbereich zum Einsatz – als Untergrund für Fußbodenbeläge wie Fliesen und Parkett, aber auch als optisch attraktiver Oberboden.

Asphalt besteht üblicherweise aus Sand, Gesteinskörnungen (Splitt), Füllstoffen (zum Beispiel Gesteinsmehl) und dem Bindemittel Bitumen. Die verschiedenen Arten von Straßenasphalt haben wir auf baustoffwissen.de bereits im Atikel „Marktführer: Deutschlands Straßen bestehen größtenteils aus Asphalt“ vorgestellt. In diesem Beitrag wurde auch bereits der Unterschied zwischen den beiden am meisten verbreiteten Asphaltsorten vorgestellt: Walzasphalt und Gussasphalt. Beide Typen unterscheiden sich nicht grundsätzlich bezüglich der in ihnen enthaltenden Materialien (Gesteinsmaterial in unterschiedlichen Korngrößen und Bitumen). Den Unterschied machen vielmehr die Mengenverhältnisse der einzelnen Zutaten aus.

Spezialprodukt Gussasphalt

Sowohl Walz- als auch Gussasphalt verwendet man für Deckschichten im Straßenbau, wobei Walzasphalt das am häufigsten vorkommende Standardprodukt ist, während der teurere Gussasphalt eher bei Spezialanforderungen zum Einsatz kommt. Der Hauptunterschied besteht darin, dass Walzasphalt poröser und hohlraumreicher als Gussasphalt ist. Kein Wunder: Gussasphalt enthält einen besonders hohen Anteil an feinkörnigen Füllern und deutlich mehr vom Bindemittel Bitumen. Das macht ihn besonders dicht, druckfest, alterungsbeständig und nicht zuletzt auch wasserundurchlässig.

In erhitztem Zustand ist Gussasphalt fließfähig und deshalb gieß- und streichbar. Das erleichtert die Verarbeitung. Das Material muss auf der Baustelle nicht verdichtet werden, es wird in speziellen Kochern erhitzt und lässt sich dann einfach verteilen und glätten. Im Straßenbau verwendet man Gussasphalt vor allem für hoch beanspruchte Bereiche – besonders auf Autobahnen – sowie in Bereichen, in denen eine nachträgliche Verdichtung mit schweren Walzfahrzeugen gar nicht möglich wäre.

Wegen seiner wasserabweisenden Eigenschaften wird der flüssig zu verarbeitende Baustoff zudem als Abdichtungsmaterial verwendet – meist in Kombination mit Bitumenbahnen. Ein solcher Einsatz erfolgt beispielsweise auf Brücken und Parkdecks sowie im Tunnel- und Tiefgaragenbau. Doch Gussasphalt ist keineswegs auf Straßen- und Verkehrsbauwerke beschränkt, sondern wird auch als Bodenbelag in Innenräumen verwendet – als so genannter Gussasphaltestrich.

Einsatz in Gebäuden

Der heiße Asphalt lässt sich auf dem Untergrund einfach gießen, verteilen und glätten. Foto: HIIIS harderstumpflschramm

Der heiße Asphalt lässt sich auf dem Untergrund einfach gießen, verteilen und glätten. Foto: HIIIS harderstumpflschramm

Je nach Einsatzbereich lässt sich Gussasphalt in unterschiedlichen Härteklassen herstellen. Für die Verwendung als Gussasphaltestrich im Innenraumbereich nutzt man in der Regel so genanntes Hartbitumen. Dieses Bindemittel ist nach der Trocknung härter als herkömmliches Straßenbaubitumen. Auf der anderen Seite verwendet man in Innenräumen aus optischen Gründen eher kleinere Gesteinskörnungen. Je nach Belastungsanforderungen liegt die maximale Korngröße normalerweise zwischen fünf und elf Millimeter.

Gussasphaltestrich wird zum Beispiel in Industrie-, Geschäfts- und Bürogebäuden sowie in vielerlei Arten von öffentlichen Gebäuden verwendet. Aber auch im privaten Wohnungsbau findet das Material mittlerweile seine Liebhaber, wobei hier meist Estriche mit geringen Korngrößen von maximal 5,5 mm üblich sind. Genauso wie Fließestrich auf Mörtelbasis eignet sich auch Gussasphalt gut für die Integration von Fußbodenheizungen.

Gussasphaltestrich wird meist schwimmend oder auf Trennschicht verlegt und ist als Unterschicht für alle gängigen Bodenbeläge denkbar. Er kommt aber auch als sichtbarer Oberboden zum Einsatz. Im letzteren Fall wird die Oberfläche meist mehrfach geschliffen. Ebenso lässt sich der Asphalt einfärben, er muss also keineswegs immer schwarz sein. Statt einfachem Splitt kann die Asphaltmischung zudem auch optisch ansprechende Natursteinbruchstücke enthalten. So entsteht ein schicker Bodenbelag in Terrazzo-Optik.

Vorteile von Gussasphaltestrich

Gussasphalt hat viele Eigenschaften, die ihn zu einem geeigneten Bodenmaterial machen. Er bietet beispielsweise eine relativ gute Wärmedämmung und ist angenehm fußwarm, zugleich aber auch sehr stabil und druckfest – und das schon bei einer Einbaudicke von nur 2,5 cm (vorgeschriebene Mindestdicke). Wegen des Bitumenanteils ist Gussasphalt außerdem elastischer als Mörtelestrich, was ihn nicht zuletzt weniger rissanfällig macht. Auf der anderen Seite kann es bei hohen punktuellen Belastungen aber auch schneller zu Verformungen der Bodenoberfläche kommen.

Ein großer Vorteil ist die gute Trittschalldämmung von Gussasphaltestrich. Er absorbiert Schall wesentlich stärker als zum Beispiel Beton oder Mörtelestrich. In Kombination mit der guten Wärmedämmung macht diese Eigenschaft das Material gerade auch für die Altbausanierung interessant. Das gilt natürlich auch für ein weiteres großes Plus von Gussasphaltestrich: seine Wasser- und Wasserdampfdichtheit. Dadurch eignet er sich insbesondere auch als Unterboden für feuchtigkeitsempfindliche Beläge wie Parkett. Und er kann als Sperrschicht gegen aufsteigende Feuchte eingesetzt werden. Gussasphalt begünstigt zudem einen schnellen Baufortschritt. Als wasserfreier Estrich trocknet er in nur zwei bis drei Stunden. Die heiße, fließ- und streichfähige Asphaltmasse lässt sich zudem auf großen Flächen leicht und nahezu fugenlos verlegen.

Angesichts so vieler Vorteile drängt sich die Frage auf: Wo ist der Haken? Zu nennen wären hier die notwendigen Vorbereitungen für die Verlegung. Die Verarbeitung von Gussasphaltestrich mag einfach sein, wenn das Material erst einmal verarbeitungsfertig am richtigen Ort vorliegt. Allerdings muss es zuvor auf Temperaturen von 300 bis 400 °C erhitzt werden. Außerdem ist der Asphalt nicht pumpfähig, was die Verarbeitung in höheren Stockwerken erschwert. Nicht zuletzt ist Gussasphaltestrich auch teurer als herkömmliche Nassestriche auf Mörtelbasis.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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