RM Rudolf Müller
Dank Leichtzuschlägen und optimiertem Design wiegt der Dachstein „Doppel-S Aerlox“ besonders wenig.  Foto: Braas

Dank Leichtzuschlägen und optimiertem Design wiegt der Dachstein „Doppel-S Aerlox“ besonders wenig.  Foto: Braas

Dach
10. September 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Gibt es leichte Dachsteine?

Bei den Dachpfannen auf deutschen Dächern handelt es sich meist um Tondachziegel oder Betondachsteine. Letztere bezeichnet man kurz als Dachsteine. Sie haben viele Vorteile, sind aber relativ schwer. Zu schwer für viele Altbauten, deren Dachtragwerk für geringere Traglasten ausgelegt ist. Scheiden Dachsteine bei der Altdachsanierung also aus? Nicht unbedingt, denn mittlerweile gibt es auch leichtere Produkte.

Über den Unterschied von Dachsteinen und Dachziegeln haben wir bereits in einem eigenen Beitrag ausführlich informiert. Betondachsteine bestehen aus Zement, Sand, Wasser sowie Farbpigmenten und haben eine relativ dichte Materialstruktur. Das Material Ton ist poröser und damit leichter als Beton.

Aber natürlich lässt sich nicht pauschal sagen, dass Ziegeleindeckungen stets leichter sind als Betonpfannen. Schließlich gibt es sowohl bei Dachziegeln als auch bei Dachsteinen unterschiedlichste Formate. Wohl aber kann man festhalten, dass Ton an sich leichter ist als Beton. Ein bestimmtes Dachpfannenmodell ist also in der Dachsteinvariante normalerweise schwerer als dasselbe Modell, wenn es aus Ton gefertigt wird.

Statische Probleme im Altbau

Das höhere Gewicht der Dachsteine hat durchaus Vorteile. Die große Masse sorgt für einen verbesserten Schallschutz. Die höhere Dichte bewirkt, dass die Dachpfannen weniger Wasser aufnehmen können und dadurch frostbeständiger sind als Dachziegel. Und in Regionen mit starken Windlasten fliegt der schwere Dachstein bei Sturm nicht so schnell davon. Wobei dieser Vorteil an Bedeutung verliert, wenn ohnehin moderne Sturmklammern zum Einsatz kommen.

Trotzdem kann ein hohes Dachpfannen-Gewicht auch von Nachteil sein. Das gilt nicht unbedingt für die Gebäude der jüngeren Baujahre. Heute planen die Architekten Hausdächer normalerweise mit so hohen Tragkräften, dass auch die schwersten Dachsteine kein Problem darstellen. Altbaudächer wurden dagegen oft weniger stabil gebaut. Und die Tragkraft ihrer hölzernen Unterkonstruktion – bestehend aus den Sparren sowie Trag- und Konterlatten – lässt im Laufe der Zeit auch noch nach. Da kann es schon zu statischen Problemen kommen, wenn man im Sanierungsfall die alten Tondachziegel durch schwere Dachsteine ersetzen möchte. Unter Umständen kann das alte Dachtragwerk das zusätzliche Gewicht nicht mehr sicher aufnehmen.

Dachstein-Leichtgewicht von Braas

Vorher – nachher: Mit leichten Dachsteinen lassen sich auch Altbaudächer problemlos sanieren. Foto: Braas

Vorher – nachher: Mit leichten Dachsteinen lassen sich auch Altbaudächer problemlos sanieren. Foto: Braas

Damit Dachsteine auch als Lösung für sanierungsbedürftige Altbauten in Frage kommen, deren Dachstatik enge Begrenzungen vorgibt, hat sich die Baustoffindustrie in den letzten Jahren etwas einfallen lassen. So präsentierte der Hersteller Braas – Erfinder des 1954 eingeführten Betondachstein-Klassikers „Frankfurter Pfanne“ – auf der Messe Dach+Holz 2018 mit „Doppel-S Aerlox“ ein echtes Dachstein-Leichtgewicht. Unter anderem durch den Einsatz eines leichten Spezialbetons war es Braas gelungen, sowohl das Materialgewicht als auch die Materialstärke in der Mitte des Dachstein-Körpers zu reduzieren.

Der Doppel-S Aerlox (siehe Foto ganz oben) wiegt nur etwa 3 kg und ist damit um etwa 30 % leichter als ein vergleichbares Dachpfannenmodell, das aus einer herkömmlichen Betonmischung gefertigt ist. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Bei der Aerlox-Technologie wird der traditionelle Betonbestandteil Sand durch leichtere Zuschlagstoffe ersetzt. Zugleich hat Braas das Design der Dachstein-Unterseite so optimiert, dass das Produkt insgesamt dünner hergestellt werden kann.

Alternative für Wellplatten und Metallschindeln

In vielen Regionen Deutschlands gibt es Altbauten mit einfachen Dachkonstruktionen, die nur für ein Flächengewicht von circa 25 bis 30 kg/m2 ausgelegt sind. In solchen Fällen verwendete man früher in der Regel leichtere Dacheindeckungs-Materialien wie Wellplatten oder Metallschindeln. Mit dem Doppel-S Aerlox lassen sich aber nach Braas-Angaben sogar viele dieser Altbauten eindecken. Die gute alte „Frankfurter Pfanne“ ist dagegen deutlich zu schwer. Mit ihr wiegt die Dacheindeckung nämlich über 40 kg pro Quadratmeter. Sogar die meisten Tondachziegel haben ein zu hohes Gewicht für Dachstühle, die nur 25 bis 30 kg/m2 tragen können.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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