RM Rudolf Müller
Großvolumige Stahldachpfannen-Elemente ermöglichen eine schnelle Montage. Foto: Luxmetall

Großvolumige Stahldachpfannen-Elemente ermöglichen eine schnelle Montage.

Dach
14. April 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Dachpfannen aus Metall: Klassische Optik – modernes Material

Bei Metalldächern denkt man zunächst an große Blech-Elemente im Trapezprofil– oder Stehfalzdesign. Doch auch kleinteilige Optiken sind mittlerweile realisierbar: mit Dachpfannenblechen, die wie klassische Dachziegel geformt sind.

Der Vorteil solcher Dachpfannen aus Stahl oder Aluminium gegenüber den herkömmlichen Ton- oder Betonprodukten liegt vor allem im sehr geringen Gewicht der Metalleindeckungen. Die in der Regel nur 0,5 mm dicken Bleche lasten mit etwa 5 kg pro Quadratmeter auf dem Dachstuhl. Nach Angaben der Aktionsgemeinschaft Stahldachpfannen wiegen Beton- oder Tondachprodukte auf gleicher Fläche gut das Zehnfache.

Gewichtsvorteile

Das geringe Gewicht ist vor allem ein Vorteil, wenn man Bestandsdächer mit einer Aufsparrendämmung energetisch sanieren möchte. Oft sind die alten Dachstühle nicht belastbar genug, um neben der Eindeckung auch noch dicke Dämmstoffauflagen zu tragen. Sie müssten also aufwändig verstärkt oder komplett erneuert werden. Mit Dachpfannen aus Stahl – oder dem noch leichteren Aluminium – lässt sich das häufig vermeiden. Das Zusatzgewicht des Dämmstoffs wird durch die leichte Eindeckung wieder ausgeglichen. Der Bauherr kann sich über ein gedämmtes Dach mit klassischer Pfannenoptik freuen – nur eben aus Metall. Noch einfacher ist es, wenn das zu sanierende Bestandsgebäude über eine Alteindeckung mit geringem Gewicht verfügt – etwa aus Bitumen oder Faserzement. Dann können Dämmstoff und Metall-Dachpfannen oft sogar direkt auf das Bestandsdach aufgebracht werden.

Preisniveau

Bei der Dach-auf-Dach-Montage spart man Zeit und Kosten, weil die alte Eindeckung nicht entfernt und entsorgt werden muss. Apropos Kosten: Durch den Einsatz von Metall-Dachpfannen lässt sich zwar unterm Strich meist Geld einsparen, das bedeutet aber nicht, dass das Material selbst grundsätzlich preiswerter als Betondachsteine oder Tonziegel wäre. Allgemeines lässt sich zu den Preisen schwer sagen, zumal die Unterschiede ja nicht nur vom Material abhängen, sondern zum Beispiel auch von der Herstellermarke, dem Dachpfannentyp (unterschiedliche Größen und Einsatzbereiche, mit oder ohne Falz) oder der Oberflächenbeschichtung (Farben, Engoben, Glasur, Schutzschichten). Vergleicht man Dachpfannen gleichen Typs, lässt sich vereinfacht sagen, dass die Stahlprodukte meist etwas teurer als Betonsteinpfannen und etwas günstiger als Tonziegel sind. Pfannen aus Aluminium wiederum sind teurer als Stahlprodukte.

Materialeigenschaften

Mehrschichtiger Aufbau einer Stahldachpfanne des Herstellers Luxmetall. Grafik: Luxmetall

Mehrschichtiger Aufbau einer Stahldachpfanne des Herstellers Luxmetall.

Metallische Dachpfannen sind nicht nur leicht, sondern auch sehr langlebig. Das gilt insbesondere für das Metall Aluminium, das nicht rostet. Aber auch die Stahlprofile werden verzinkt und sind daher korrosionsbeständig. Ohnehin kommt der Metallkern nie ungeschützt aufs Dach. Egal ob Stahl oder Aluminium: Die Pfannen werden stets durch eine mehrschichtige Oberflächenveredelung geschützt (siehe Grafik). Die äußere Schicht besteht meist aus verwitterungsresistentem Polyester-Kunststoff und ist in unterschiedlichsten Farben – sowohl in Matt- als auch in Glanzausführung – erhältlich. Die Oberfläche ist in der Regel sehr glatt. Das hat den Vorteil, dass Schmutz, aber auch Moose und Flechten kaum Halt auf den Metall-Dachpfannen finden.

Mögliche Nachteile

Stahl und Aluminium sind „kalte“ Materialien mit hoher Wärmeleitfähigkeit. Sie sind also weniger wärmedämmend als Ton oder Beton. Allerdings fällt dieser Nachteil kaum ins Gewicht, wenn unterhalb der Dacheindeckung ohnehin Dämmstoffe eingebaut sind. Die heute übliche Wärmeisolierung sorgt auch dafür, dass ein anderer vermeintlicher Nachteil von Metalldächern an Bedeutung verloren hat: Bei Regen oder Hagel sind die resultierenden Trommelgeräusche auf der Dachhaut sicher lauter als auf Ton- oder Betondachpfannen, aber die Dämmschicht schützt ja nicht nur vor Wärmeverlust, sondern dämpft auch die Schallübertragung ins Gebäudeinnere.

Auch für die oft diskutierte Schwitzwasserproblematik gibt es Lösungen. Klar ist, dass Wasserdampf auf einer kühlen Metallfläche relativ schnell kondensiert. Problematisch ist es insbesondere, wenn an der Unterseite der Dachpfannen ein abtropfender Feuchtigkeitsfilm entsteht. Um Feuchtigkeitsproblemen entgegenzuwirken, müssen Dacheindeckungen hinterlüftet werden. Die DIN 4108­3 schreibt zwischen Dachpfannen und Dämmung beziehungsweise Unterdeckbahn einen Lüftungsquerschnitt von mindestens 2 cm vor. Der soll sicherstellen, dass Feuchtigkeit aus der Dachkonstruktion zügig abgeführt wird. Darüber hinaus bietet die Industrie auch spezielle Metalldachpfannen an, die auf der Unterseite mit einem wasserabsorbierenden Filzmaterial beschichtet sind.

Verarbeitung

Neben dem geringen Gewicht ist der größte Vorteil moderner Metalldachpfannen-Systeme, dass sie sehr einfach und schnell zu montieren sind. Die Industrie bietet Pfannenbleche bis zu acht Metern Länge, die man je nach Bedarf einfach zuschneiden kann. Die Breite der Elemente beträgt etwa einen Meter. Mit anderen Worten: Der Dachdecker muss nicht jede Pfanne einzeln verlegen, sondern kann mit den großvolumigen Blechen einen sehr schnellen Arbeitsfortschritt erzielen.

Metalldachpfannen benötigen keine eigene Unterkonstruktion. Sie lassen sich einfach auf dem vorhandenen Dachstuhl befestigen. Im Gegensatz zu Tonziegeln oder Betondachsteinen werden sie aber fest mit den Sparren und Latten verschraubt. Das ist möglich, weil die Bleche auch bei größeren Windlasten nicht zerbrechen können. Man kann also sagen, dass Metalldachpfannen besonders sturmfest sind.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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