RM Rudolf Müller
Der Einblasdämmstoff des Herstellers Thermofloc wird von zertifizierten Verarbeitern mit speziell dafür ausgerüsteten Einblasmaschinen eingebaut. Foto: Thermofloc

Der Einblasdämmstoff des Herstellers Thermofloc wird von zertifizierten Verarbeitern mit speziell dafür ausgerüsteten Einblasmaschinen eingebaut. Foto: Thermofloc

Dämmstoffe
26. Januar 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Zellulose-Dämmstoffe: Eigenschaften und Einsatzbereiche

Dämmstoffe aus Zellulose zählen zu den natürlichen Dämmstoffen, denn sie bestehen größtenteils aus recyceltem Papier. Das wiederum wird hauptsächlich aus pflanzlichen Fasern hergestellt – Zellulose eben. Die daraus hergestellten Dämmstoffe kommen hauptsächlich als lose Einblasdämmungen oder Schüttungen im Boden-, Dach- und Wandbereich zum Einsatz.

Die Herstellung von Zellulose-Dämmstoffen ist einfach und nachhaltig. Als Rohstoff kommt Altpapier zum Einsatz, das unter vergleichsweise geringem Energieeinsatz zunächst grob geschreddert, danach in einer Fasermühle zerfasert und abschließend getrocknet und entstaubt wird. Fertig sind die typischen Zelluloseflocken, die als Sackware vertrieben werden und im Vergleich zu anderen Naturdämmstoffen sehr günstig sind.

Beim Verpacken wird das Material zwar zusammengepresst, es bleibt aber ein loser Flockendämmstoff. In dieser Form kommt das Material als Einblasdämmung insbesondere für die Hohlraumdämmung bei Dächern und zum Teil auch im Wandbereich zum Einsatz. Daneben stellen einige Hersteller auch Zellulosematten oder -platten her, bei denen die Flocken durch eine Behandlung mit Wasserdampf zusammengehalten werden. Sie kommen zum Beispiel als Klemmfilz im Dachbereich zum Einsatz, spielen in der Baupraxis aber eine deutlich geringere Rolle als lose Zellulose-Dämmstoffe.

Verarbeitung als Einblasdämmung

Durch vorübergehende Öffnungen gelangt der Zellulose-Dämmstoff auch in abgeschlossene Dach- und Wand-Gefache. Foto: Thermofloc

Durch vorübergehende Öffnungen gelangt der Zellulose-Dämmstoff auch in abgeschlossene Dach- und Wand-Gefache. Foto: Thermofloc

Bei einer Zellulose-Einblasdämmung werden die losen Flocken mithilfe von Luftdruck-Maschinen über Schläuche in Wand- oder Deckenhohlräume eingeblasen. Dies geschieht so lange, bis die Flocken ausreichend verdichtet sind, sodass ein formbeständiger Dämmblock entsteht, der das Gefach lückenlos ausfüllt. Damit überhaupt eingeblasen werden kann, muss der Verarbeiter in vielen Fällen zunächst eine provisorische Hohlraumöffnung schaffen, die er später wieder verschließt. Da die Verarbeitung spezielle Maschinentechnik erfordert, ist die Zellulose-Einblasdämmung eine Aufgabe für Profis. Aufgrund der hohen Feinstaubbelastung empfiehlt sich das Tragen einer Atemschutzmaske.

Eine Dämmung aus losen Zellulose-Flocken ist diffusionsoffen und hat eine feuchtigkeitsregulierende Wirkung. Das Recyclingmaterial kann also bis zu einem gewissen Grad Feuchtigkeit aufnehmen und zeitversetzt wieder abgeben. Wirklich nass werden darf es allerdings nicht. Deshalb ist Zellulose als Kerndämmung für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) ungeeignet. Als Dämmstofffüllung für abgeschlossene Außenwandelemente in Holzrahmenbauweise sind Zelluloseflocken dagegen zugelassen. Und auch für den Einsatz in Raumtrennwänden und für Innendämm-Systeme ist das Material grundsätzlich geeignet.

Anwendung im Fußbodenbereich

Mit Zellulose-Pellets lässt sich eine tragende Dämmschicht im Bodenbereich einfach aufschütten. Foto: Thermofloc

Mit Zellulose-Pellets lässt sich eine tragende Dämmschicht im Bodenbereich einfach aufschütten. Foto: Thermofloc

Für die Dämmung von Boden- und Deckenbereichen bietet die Industrie auch spezielle Schüttungen aus Zellulose. Anders als die Einblasdämmungen für Hohlräume werden diese manuell verarbeitet. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Schüttungen: nicht druckbelastbare und druckbelastbare. Erstere kommen vor allem für die Dämmung oberster Geschossdecken zum Einsatz, wenn der Dachboden nicht begangen werden muss.

Als Zellulose-Schüttung für druckbelastbare Bodenbereiche stellen einige Hersteller so genannte Dämmpellets her. Dabei handelt es sich um Granulate aus Zellulosefasern mit einer Korngröße von 3 bis 8 mm. Da deren Schüttgewicht deutlich höher ist als das der normalen Zelluloseflocken, ermöglicht das Material belastbare Dämmschichten für den Unterbodenbereich, die zudem gute Schalldämmwerte bieten.

Bauphysikalische Eigenschaften

Zellulose als Dämmstoff ist ein nachhaltiges und zugleich preiswertes Recyclingprodukt, das sich insbesondere als Einblasdämmstoff einfach und effizient verarbeiten lässt. Ein „Dämmwunder“ ist es allerdings nicht. Die Wärmeleitfähigkeit liegt je nach Hersteller und Verarbeitung zwischen 0,039 W/mK (Zellulosematten) und 0,045 W/mK. Das Material hat zudem eine gute Wärmespeicherkapazität und bietet daher im Sommer einen guten Schutz vor einer Überhitzung der Räume.

Zellulose-Dämmstoffe sind stets in ein Gebäudebauteil integriert und dabei von anderen Baustoffen umschlossen – zum Beispiel massive Holzbalken, Gipskarton- oder Gipsfaserplatten. Das ist auch deshalb wichtig, weil das Material selbst keinen guten Brandschutz bietet. Bekanntlich brennt Papier. Das gilt erst recht für die kleinteiligen Zelluloseflocken. Zwar mischen alle Hersteller der Zellulose Flammschutzmittel bei. Doch selbst mit derartigen Zusätzen wird der Dämmstoff lediglich auf die Baustoffklasse B2 angehoben („normal entflammbar“). Zum Vergleich: EPS-Hartschaum gehört (unbehandelt) ebenfalls der Baustoffklasse B2 an, erreicht aber mit Flammschutzmitteln immerhin die Baustoffklasse B1 („schwer entflammbar“).


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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