RM Rudolf Müller
Für Großobjekte: Stahlbetonrohre eignen sich für hoch belastete Grundleitungen. Foto: FBS

Für Großobjekte: Stahlbetonrohre eignen sich für hoch belastete Grundleitungen. Foto: FBS

Entwässerung
06. Februar 2018 | Artikel teilen Artikel teilen

Abwasserrohre: Typische Materialien

In Haushalten fällt regelmäßig viel Abwasser an. Von Wasser-Ablaufstellen wie Waschbecken, Badewanne, Dusche, WC oder Waschmaschine muss das Schmutz- und Brauchwasser zum kommunalen Abwasserkanal gelangen – sonst würden die Hausbewohner darin „ertrinken“. Zu diesem Zweck verlegt man Abwasserrohre. Der folgende Beitrag informiert über die häufigsten Materialien, aus denen diese Entwässerungsleitungen heute gefertigt werden.

Für die Umwelt und die dauerhafte Verfügbarkeit von Wasserressourcen wäre es fatal, wenn man Abwasser einfach ins Erdreich versickern oder in Flüsse einleiten würde. Deshalb hat sich zumindest in modernen Industriestaaten ein technischer Wasserkreislauf durchgesetzt, bei dem Abwasser in Kläranlagen eingeleitet, gereinigt und danach erneut genutzt wird. In diese Abwasserbehandlungsanlagen gelangt das Wasser über die öffentliche Kanalisation. Doch auch der Weg von den häuslichen Wasser-Ablaufstellen bis zum kommunalen Abwasserkanal muss überbrückt werden. Dies geschieht über ein System aus Hausabflussrohren, die in der Regel in die so genannte Grundleitung münden.

Hausabflussrohre und Grundleitung

Die Wasser-Ablaufstellen im Gebäude und die Grundleitung des Grundstücks sind durch ein mehr oder weniger verzweigtes System aus Innenentwässerungsrohren verbunden. Je mehr Ablaufstellen es gibt, umso feingliedriger ist dieses. Grundsätzlich unterscheidet man hier Einzelanschlussleitungen an Ablaufstellen (Waschbecken, Dusche, WC etc.), Sammelanschlussleitungen und Fallleitungen.

Sammelanschlussleitungen sind horizontal verlaufende Rohre, die das Wasser aus mehreren Einzelanschlussleitungen oder aus Fallleitungen aufnehmen. Fallleitungen verlaufen mehr oder weniger senkrecht im Haus – auf jeden Fall mit Gefälle – und leiten die Flüssigkeit aus den höheren Stockwerken nach unten ab. Sie münden entweder in einer Sammelleitung oder gleich in der Grundleitung.

Grundleitungen sind horizontale Rohrleitungen auf dem Hausgrundstück, die das Hausabflussrohrsystem mit dem öffentlichen Kanal verbinden. Sie werden in der Regel im Erdreich vergraben beziehungsweise verlaufen innerhalb des Gebäudes innerhalb der Fundamentplatte. Dort befinden sich dann auch die Anschlüsse für die Hausabflussrohre. Bei Häusern mit Keller verzichtet man häufig auf eine Grundleitung innerhalb der Bodenplatte und verlegt stattdessen Sammelleitungen entlang der Kellerdecke, die dann zur Grundleitung auf dem Gebäudegrundstück führen.

Rohre aus Kunststoff

Klassiker bei den Hausabflussrohren: das graue HT-Rohr. Foto Arkema/Alphacan

Klassiker bei den Hausabflussrohren: das graue HT-Rohr. Foto Arkema/Alphacan

Innenentwässerungsrohre bestehen heute überwiegend aus Kunststoff. Eine Ausnahme sind sichtbare Rohranschlüsse direkt unterhalb von Waschbecken (Waschtisch-Röhrensiphons), die oft aus Metall gefertigt sind. Kunststoff hat sich seit den 1970er-Jahren zunehmend durchgesetzt, nachdem hochtemperaturbeständige Rohrmaterialien auf den Markt gekommen waren – so genannte HT-Rohre. Diese sind meist grau gefärbt und bestehen aus schwer entflammbarem Polypropylen.

Aber auch für die Grundleitungen vom Gebäude zur öffentlichen Kanalisation werden heute immer häufiger Kunststoffrohre verlegt. Meist sind sie aus hartem Polyvinylchlorid (PVC-U) oder ebenfalls aus Polypropylen (PP). Abflussrohre aus Kunststoff haben viele Vorteile. Das Material hat ein geringes Gewicht, sodass sich die Rohre leicht transportieren und einbauen lassen, es lässt sich leicht zu unterschiedlichsten Rohren und Formstücken verarbeiten und ist vergleichsweise kostengünstig. Außerdem ist Kunststoff korrosionsfest, beständig gegen viele aggressive Stoffe im Abwasser, sehr langlebig und weitgehend recyclingfähig.

Erdverlegte Grundrohre, die hohen Belastungen ausgesetzt sind (zum Beispiel bei Lieferverkehr) und/oder besonders aggressives Abwasser transportieren (etwa in der chemischen Industrie) werden heute auch aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) gefertigt. Solche Produkte zeichnen sich durch hohe Stabilität, bei vergleichsweise geringem Gewicht, und eine hohe chemische Widerstandsfähigkeit aus. Letzteres wird nicht zuletzt durch die sehr glatten Innenwände der Rohre begünstigt.

Steinzeugrohre

Moderne Kunststoffrohre ersetzen zunehmend die früher stark verbreiteten Abwasserrohre aus Steinzeug. Diese waren bis in die 1960er-Jahre praktisch der Standard bei Grundleitungen. Steinzeug ist wie Kunststoff sehr langlebig und korrosionsfest, außerdem absolut feuerfest, zu 100 % recycelbar sowie sehr fest und dicht. Allerdings ist das keramische Erzeugnis deutlich schwerer und teurer als Kunststoff.

Steinzeug wird deshalb meist nur noch dann für Rohre eingesetzt, wenn diese am Einsatzort besonders starken Belastungen ausgesetzt sind. Das dafür verwendete Steinzeug besteht aus Ton, Gesteinen mit hohem Aluminiumoxid-Anteil (Schamotte) und Wasser. Die Rohre werden außerdem innen und außen glasiert. Dadurch verfügen sie über sehr glatte Oberflächen.

Beton- und Stahlbetonrohre

Abwasserrohre aus Beton haben eine lange Geschichte, schon die alten Römer der Antike nutzten den Kunststein für ihre Kanalisation. Bis heute bestehen die kommunalen Abwasserkanäle in vielen deutschen Städten aus Beton oder Stahlbeton. Aber auch Grundleitungen zum Kanal werden oft mithilfe von Betonrohren ausgeführt. Vor allem bei großen Gebäudeobjekten beziehungsweise bei hohen Verkehrsbelastungen ist das der Fall.

Natürlich ist Beton wesentlich schwerer als Kunststoff oder GFK. Davon mal abgesehen, hat der Werkstoff aber zahlreiche Vorteile. Er ist zum Beispiel temperaturbeständiger als Kunststoff. Deshalb können Betonrohre auch Abwasser mit hohen Temperaturen problemlos transportieren, ohne dass sie sich verformen. Außerdem ist Beton nicht brennbar, sehr druckfest, dauerhaft dicht, korrosionsfest und beständig gegen viele aggressive Medien in Abwässern. Nicht zuletzt ist der Kunststein langlebig, lässt sich bei Beschädigungen an den Rohren gut wieder instand setzen und ist recycelbar.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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