RM Rudolf Müller
Die Welt der Schimmelpilze ist bunt, aber für den Menschen nicht gesund. Foto: Pixabay

Die Welt der Schimmelpilze ist bunt, aber für den Menschen nicht gesund. Foto: Pixabay

Forschung, Technik und Trends
13. März 2018 | Artikel teilen Artikel teilen

Schimmel im Gebäude: Was wächst da eigentlich?

Auch in der Wachstumsgesellschaft ist nicht jedes Wachstum erwünscht. Niemand will zum Beispiel Schimmelwachstum im Gebäude. Trotzdem findet es statt, und es bedroht unsere Gesundheit, kann Atemwegserkrankungen und allergische Reaktionen auslösen. Doch auf welchen Materialien und unter welchen Bedingungen schimmelt es überhaupt? Und was ist eigentlich Schimmel? Was wächst da in unseren Wohnungen?

Schimmel in Innenräumen setzt immer eine zu hohe Feuchtigkeit im Gebäude voraus. Das bedeutet allerdings nicht, dass er nur auf Materialien entsteht, die wirklich nass sind. Im Gegenteil: Unter Umständen reicht schon eine zu hohe Luftfeuchtigkeit an der Materialoberfläche aus. Kritisch wird es normalerweise bei Werten ab 70 % relative Luftfeuchtigkeit.

Besonders gefährlich ist es, wenn eine hohe Raumluftfeuchte auf relativ kalte Oberflächen trifft. Dann kondensiert Wasserdampf als flüssiges Wasser zum Beispiel an Wänden – eine ideale Voraussetzung für das Wachstum von Schimmel. Dabei handelt es sich um Mikroorganismen, also um winzig kleine Lebewesen. Zum Überleben und Wachstum benötigen sie neben Wasser auch organische Nährstoffe.

Nährstoffe für Schimmel

Viele Baustoffe bestehen hauptsächlich aus mineralischen Bestandteilen und bieten daher an sich keine geeignete Lebensgrundlage für Schimmel. Das gilt beispielweise für Beton, Kalksandstein und Ziegel oder auch für Zement-, Kalk- und Gipsputze. Solche Materialien enthalten eben keine organischen Nährstoffe und bieten somit eigentlich auch keine Wachstumsgrundlage für Mikroorganismen.

Aber eben nur „eigentlich“. Denn auch rein mineralische Innenraumoberflächen sind in der Regel immer mit organischen Substanzen verunreinigt. Der ganz normale Hausstaub oder der klebrige Seifenfilm auf den Badfliesen enthalten meist auch Fasern und Pollen aus der Umgebungsluft oder menschliche Absonderungsprodukte wie Haare und Hautschuppen, die als Nahrungsgrundlage für Schimmel dienen können. Im aktuellen „Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden“ urteilt das Umweltbundesamt dazu klipp und klar: „In der Regel sind auf Oberflächen in Innenräumen ausreichend Nährstoffe vorhanden“.

Organische Baustoffe

Baustoffe, die selbst aus organischem Material bestehen, also aus Makromolekülen, die auf Kohlenstoffverbindungen basieren, eignen sich natürlich insbesondere für die Besiedlung durch Mikroorganismen. Doch auch hier ist zu differenzieren. Papier-Tapeten, Materialien aus Pflanzenfasern oder auch Gipskartonplatten (mit dem Karton als organischem Bestandteil) werden bei gleichzeitig vorhandener Feuchtigkeit sehr leicht von Schimmel befallen. Auch für Kunststoffe (Baufolien, Silikondichtstoffe, Polystyrol), leichte Holzwerkstoffe oder Ledermaterialien gilt das. Dagegen sind um Beispiel dichte, feste Vollholzprodukte weniger gefährdet.

Was ist Schimmel?

Schimmelbefall in der Wohnung. Foto: NicoLeHe / www.pixelio.de

Schimmelbefall in der Wohnung. Foto: NicoLeHe / www.pixelio.de

Wenn wir umgangssprachlich von Schimmel sprechen, meinen wir eigentlich Schimmelpilze. Das ist ein Sammelbegriff für eine große Anzahl durchaus unterschiedlicher Mikroorganismen, die aber alle gemeinsam habe, dass sie anfangs winzige Pilzfäden ausbilden (Hyphen) und im weiteren Wachstumsverlauf so genannte Pilzsporen. Da die Fäden nicht nur winzig, sondern auch weiß sind, ist ein Schimmelpilzbefall zu Beginn seiner Entstehung mit bloßem Auge oft kaum erkennbar. Auf einem weißen Untergrund sieht man ihn erst, wenn auch schon ausreichend Sporen gewachsen sind. Diese Verbreitungsorgane sind  – je nach Pilzart – zum Beispiel von schwarzer, grüner oder bräunlicher Farbe.

Mit dem Verweis auf die vielfältigen Schimmelpilzarten haben wir aber noch nicht exakt erklärt, was da so alles wächst, wenn wir Schimmel an der Wand sehen. Das Umweltbundesamt weist in seinem oben erwähnten Ratgeber nämlich darauf hin, dass schimmelige Oberflächen oft nicht nur Pilze, sondern auch zahlreiche Bakterien enthalten. Diese Mikroorganismen sind noch einmal deutlich kleiner als die Pilze und daher erst Recht nicht sichtbar. Auch einzellige Pilze (Hefen) findet man häufig in den befallenen Bereichen. Vor allem bei älterem Schimmelbefall kommen zusätzlich oft noch Milben hinzu. Diese winzigen Spinnentiere ernähren sich von menschlichen Hautschuppen, aber eben auch von Schimmelpilzen.

Ratgeber des Umweltbundesamtes

Wie sich Schimmelbefall möglichst frühzeitig aufspüren lässt, welche Auswirkungen er auf die Gesundheit des Menschen hat, was man vorbeugend gegen das Problem tun kann und mit welchen Maßnahmen sich Schimmelschäden im Gebäude fachmännisch beseitigen lassen, beschreibt ausführlich der Leitfaden des Umweltbundesamtes, der zuletzt im November 2017 überarbeitet und aktualisiert wurde. Er steht hier kostenlos zum Download bereit.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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