RM Rudolf Müller
Trass-Grobkornmörtel zur Verlegung von Natursteinen im Außenbereich. Foto: quick-mix/Tubag

Trass-Grobkornmörtel zur Verlegung von Natursteinen im Außenbereich. Foto: quick-mix/Tubag

Grundstoffe des Bauens
07. September 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Zusatzstoff für Mörtel: Was ist Trass?

Einige Hersteller bieten Mörtelprodukte, die als Zusatzstoff Trass enthalten. Dadurch verbessern sich manche Eigenschaften der Baustoffe, zum Beispiel wird der Mörtel weniger wasserdurchlässig. Aber was ist Trass eigentlich?

Trass ist ein zu den Puzzolanen zählendes Vulkangestein, das zu über 50 % aus Kieselsäure besteht. Weitere Bestandteile sind verschiedene Mineralien und gebundenes Wasser. Das Gestein kommt auch in Deutschland natürlich vor, vor allem in der Eifel („Rheinischer Trass“) und zwischen Nürnberg, Stuttgart und München im Nördlinger Ries („Bayerischer Trass“). Das natürliche Ausgangsmaterial heißt genaugenommen gar nicht Trass, sondern wird als Tuffstein bezeichnet. Erst wenn dieser abgebaut, getrocknet und gemahlen wird, spricht man von Trass.

Anwendungsbereiche

Die Natursteine auf dem Gelände des alten Kölner Rheinauhafens wurden mit Trass-Mörtel verlegt und verfugt. Foto: quick-mix/Tubag

Die Natursteine auf dem Gelände des alten Kölner Rheinauhafens wurden mit Trass-Mörtel verlegt und verfugt. Foto: quick-mix/Tubag

Die Baustoffindustrie verwendet Trass vor allem als Zusatzstoff für Mörtel – und zwar sowohl für Kalk- als auch für Zementmörtel. Die allgemeine Rezeptur für Mörtel lautet bekanntlich: Wasser, Sand und Bindemittel. Würde man ausschließlich Trass mit Wasser und Sand vermischen, ergäbe das allerdings keine geeignete Mörtelmischung, da Trass alleine unter Wasserzugabe nicht erhärtet. Deshalb enthält Trass-Mörtel zusätzlich immer auch Kalk oder Zement.

Trass-Zement- oder Trass-Kalk-Mörtel werden häufig zum Verlegen von Natursteinen oder Betonwerksteinen im Garten- und Landschaftsbau sowie im Straßenbau verwendet. Dabei kommen sie sowohl als Klebemörtel für das Mörtelbett zum Einsatz als auch für das abschließende Verfugen. Insbesondere bei der Verlegung von Pflastersteinen in gebundener Bauweise spielen Trass-Mörtel ihre Vorteile aus, denn der Trass macht den Mörtel weniger wasserdurchlässig. Das ist bei der gebundenen Bauweise gefragt, denn sie soll ja unter anderem Fugenauswaschungen und das Herauslösen einzelner Steine verhindern.

Aber nicht nur Mörtel für Pflasterbeläge können Trass enthalten, sondern auch Putze im Außen­ und Innenbereich sowie Mauerwerksmörtel. Und auch zur Auskleidung von Wasserbecken verwendet man häufig trasshaltigen Mörtel.

Eigenschaften

Trass besteht aus natürlichem Vulkangestein, wie es zum Beispiel am Eppelsberg in der Eifel abgebaut wird. Foto: Pixabay

Trass besteht aus natürlichem Vulkangestein, wie es zum Beispiel am Eppelsberg in der Eifel abgebaut wird. Foto: Pixabay

Kalk dient nicht nur als Bindemittel in Kalkmörtel, sondern ist – neben Ton – auch der wichtigste Bestandteil von Zement. Trass als Zusatzstoff löst deshalb unter Wasserzugabe sowohl in Kalk- als auch in Zementmörtel eine Trass-Kalk-Reaktion hervor. Durch diese Reaktion verengen sich die Kapillarporen im Baustoff. Der Mörtel wird dadurch zwar nicht komplett wasserdicht, aber der Wasserdurchtritt wird doch stark eingeschränkt. Deshalb eignen sich trasshaltige Produkte besonders gut für Bereiche, die stark feuchtebelastet sind. Schon die alten Römer nutzten für ihre Wasserbauten vor über 2.000 Jahren Betonmischungen, die neben Kalkmörtel auch Trass oder andere Puzzolane als Zusatzstoff enthielten („römischer Beton“).

Trass wirkt wie ein Schutzmantel für die Kalkbestandteile des Mörtels. Das hat viele Vorteile. So wird das Material zum Beispiel widerstandsfähiger gegen schädliche Umwelteinflüsse wie etwa sauren Regen. Die Verwitterung des Baustoffs lässt sich somit verlangsamen. Reiner Kalkmörtel ist – anders als Zementmörtel – sogar wasserlöslich. Deshalb ist der Zusatz von Trass hier besonders effektiv: Mischt man das Puzzolan hinzu, wird Kalkmörtel viel wasserbeständiger und deutlich fester.

Trass als Zusatz in Kalk- oder Zementmörtel hilft auch gegen Kalkausblühungen, da er die freien Kalkbestandteile bindet, die beim Erhärten von Mörtel stets anfallen. Dadurch können diese Bestandteile nicht mehr durch Wasser im Mörtel an die Baustoffoberfläche transportiert werden und dort hässliche Flecken hinterlassen. Zumal der Wassertransport in Trass-Mörtel durch die Kapillarverengung ja ohnehin eingeschränkt ist.

Bei der Verlegung von Natursteinen mit Trass-Mörtel drohen auch weniger Verfärbungen der Steine selbst. Auch das hängt mit der Bindung von Kalkbestandteilen durch Trass zusammen, die dadurch nicht mehr in Wasser gelöst und wegtransportiert werden können. Die Mischung aus Kalk und Wasser ist nämlich hochalkalisch und kann zu Verfärbungen der organischen oder metallischen Bestandteile in Natursteinen beitragen.

Schließlich verbessert Trass auch die Verarbeitbarkeit des Mörtels, da er ihn geschmeidiger macht. Das Material lässt sich dadurch auch besser verdichten. Einen Nachteil hat der Zusatz allerdings doch: Trasshaltiger Mörtel braucht nämlich relativ viel Zeit zum Aushärten, vor allem im Vergleich zu reinem Zementmörtel. Dafür erfolgt die Aushärtung allerdings spannungsärmer und weitgehend ohne Rissbildungen.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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