RM Rudolf Müller
Blitze können Schäden am und im Gebäude auslösen. Foto: Pixabay

Blitze können Schäden am und im Gebäude auslösen. Foto: Pixabay

 
Dach
29. Juni 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Blitzschutzsysteme im Gebäudebereich

Schlägt der Blitz ein, kann es für Hausbesitzer schnell teuer werden. Es drohen Schäden am Gebäude oder – noch häufiger – Überspannungsschäden an elektronischen Geräten im Haus. Wer dem vorbeugen möchte, sollte über ein Blitzschutzsystem nachdenken. Das besteht idealerweise aus einem äußeren und einem inneren Blitzschutz.

Blitze sind gewaltige Naturerscheinungen, zu denen es oft bei feuchtwarmer Witterung und darauf folgenden starken Regenfällen kommt. Sie sind im Grunde nichts anderes als elektrischer Strom, der durch die Wassertropfen in der Luft fließt. Allerdings handelt es sich um elektrische Entladungen von gefährlich hoher Stromstärke. Für Menschen kann es tödlich enden, wenn sie vom Blitz getroffen werden. Aber auch Sachschäden an Häusern sind keine Seltenheit. Wegen ihrer Stromstärke bildet sich um Blitze ein Magnetfeld. Sie erzeugen dadurch eine starke elektromagnetische Strahlung, die im Gebäudebereich zu direkten und indirekten Schäden führen kann.

Direkte und indirekte Schäden

Der Blitz kann direkt in die Gebäudehülle einschlagen – in der Regel in das Dach – und dabei Baustoffe zerstören beziehungsweise in Brand setzen. Die elektromagnetische Strahlung kann aber auch auf Strom- oder Telefonleitungen in der Umgebung des Hauses überspringen und auf diese Weise indirekt in das Gebäude eindringen. Ebenso kann sie über Antennen und Satellitenschüsseln auf dem Dach weitergeleitet werden oder über metallische Rohrleitungen, die ins Haus führen. Kommt es irgendwo zum Blitzeinschlag, dann wird dabei häufig so viel elektrische Energie entladen, dass Häuser in einem Radius bis zu etwa 1,5 km um den Einschlagsort von indirekten Schäden betroffen sein können.

Wie auch immer die indirekte Weiterleitung erfolgt, im Gebäudeinneren sorgt der Blitzstrom jedenfalls für eine Überspannung, die Schäden an elektronischen Geräten verursachen oder zu Kabelbränden führen kann. Solche Überspannungsschäden lassen sich auch mit einem Blitzableiter auf dem Dach nicht verhindern. Deshalb gehört zu einem wirksamen Blitzschutzsystem neben dem äußeren immer auch ein zusätzlicher innerer Blitzschutz.

Äußerer Blitzschutz

Ob ein Gebäude über einen äußeren Blitzschutz verfügt, lässt sich von außen leicht erkennen: an Metalldrähten oder -stangen, die über dem Dachfirst gespannt sind und von dort senkrecht in das Erdreich verlaufen. Solche elektrisch leitfähigen Fangeinrichtungen sollen die Blitzenergie aufnehmen, bevor sie auf die Gebäudehülle treffen kann, und sie durch Ableitung in den Boden unschädlich machen. Fangeinrichtung und Ableitungsanlage zusammen werden umgangssprachlich auch als Blitzableiter bezeichnet. Dessen Schutzwirkung setzt zudem eine funktionstüchtige Erdungsanlage voraus.

Alle elektrischen Anlagen auf dem Dach wie Antennen, Satellitenschüsseln, Photovoltaik- oder Solarthermie-Module müssen separat mit der Fangeinrichtung verbunden werden. Dasselbe gilt für metallische Dachrinnen, Lüftungs- und Schornsteinrohre. Bei Metalldächern erfolgt die Ableitung des eingefangenen Blitzstroms häufig nicht nur über separate Leitungen, sondern partiell auch über die Dacheindeckung selbst.

Innerer Blitzschutz

Blitzschutzsystem bei einem Wohnhaus. Grafik: VDE

Blitzschutzsystem bei einem Wohnhaus. Grafik: VDE

Wie oben schon erwähnt, lassen sich durch einen Blitzableiter indirekte Überspannungsschäden im Gebäudeinneren nicht verhindern. Dafür bedarf es zusätzlicher innerer Blitzschutzvorrichtungen. Die Stromversorgung für Gebäude verfügt in der Regel bereits standardmäßig über ein mehrstufiges System an Sicherungskästen, das in gewissem Maß Schutz vor Überspannung bietet.

Hauptverteilungs-Kästen in Wohngebieten beziehungsweise Unterverteiler in einzelnen Gebäuden verfügen meist schon über Blitzstrom- und Überspannungsableiter. Trotzdem kann es sein, dass die Überspannung, die bei Blitzeinschlägen entsteht, in den Wohnungen noch groß genug ist, um elektrische Geräte zu beschädigen. Für einen effektiven Geräteschutz ist es daher ratsam, in der Wohnung zusätzliche Überspannungsschutz-Steckdosen einzubauen oder die empfindlichen Geräte an Mehrfachsteckdosen mit Überspannungsschutz anzuschließen.

Pflicht oder freiwillig?

So sinnvoll Blitzschutzsysteme auch sein mögen, für die meisten Wohnhäuser in Deutschland sind sie keinesfalls Pflicht. Die Landesbauordnungen schreiben sie in erster Linie nur dann vor, wenn Gebäude ihre Umgebung deutlich überragen oder die Dacheindeckungen aus feuergefährdeten Baustoffen wie Holz oder Reet bestehen.

In den meisten Fällen kann der Hausbesitzer dagegen selbst entscheiden, ob er in ein Blitzschutzsystem investieren will oder nicht. Ein gewisser Handlungsdruck entsteht allerdings durch die Bedingungen der Gebäudeversicherer. Die zahlen für Überspannungsschäden nämlich standardmäßig nur dann, wenn der Blitz direkt in das Gebäude einschlägt. Wer auch Schutz vor indirektem Blitzeinschlag wünscht, muss in der Regel draufzahlen.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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