RM Rudolf Müller
Man drückt die Spachtelmasse erst quer in die Fuge und zieht sie dann in Längsrichtung ab.  Foto: Knauf

Man drückt die Spachtelmasse erst quer in die Fuge und zieht sie dann in Längsrichtung ab.  Foto: Knauf

Trockenbau
13. Oktober 2020 | Artikel teilen Artikel teilen

Wie verspachtelt man Gipsplatten?

Gipskartonplatten sind heute Standard im trockenen Innenausbau. Ihre glatte Oberfläche erlaubt eine schnelle Endbeschichtung mit Tapeten, Innenfarben, Putzen oder auch Fliesen und Platten. Ganz ohne vorbereitende Arbeiten geht es aber nicht: Neben einer Grundierung sind die Fugenbereiche und etwaige Befestigungsmittel zu verspachteln. Bei hohen Anforderungen an die Oberflächengüte ist sogar ein vollflächiger Überzug mit Spachtelmasse notwendig.

Die Einsatzbereiche von Gipskartonplatten sind vielfältig. Sie kommen zum Beispiel als Beplankungsmaterial direkt auf massiven Wänden und Decken oder – zusammen mit Trockenbauprofilen – als Konstruktionswerkstoffe für leichte, nicht tragende Trockenbauwände zum Einsatz. Auch abgehängte Decken und Dachschrägen werden häufig mit den kartonummantelten Gipsbaustoffen verkleidet.

Gipskartonplatten auf Mauerwerk können einen Innenputz ersetzen. Dadurch gelangt von Anfang an weniger Feuchtigkeit in den Bau. Man spricht deshalb auch von Trockenputz. Aufgrund ihrer glatten Oberfläche lassen sich die Platten zudem direkt tapezieren, verfliesen oder mit Innenfarben anstreichen. Natürlich kommt auch ein zusätzlicher Innenputz infrage. Bei jeder Beschichtungsvariante ist allerdings vorab der Auftrag einer Grundierung notwendig, weil die Platten ansonsten ein zu stark saugender Untergrund wären.

Grund- und Standardverspachtelung

Vor dem Anrühren lässt man den pulverförmigen Spachtel zunächst eine Weile im Anmachwasser „sumpfen“. Foto: Knauf

Vor dem Anrühren lässt man den pulverförmigen Spachtel zunächst eine Weile im Anmachwasser „sumpfen“. Foto: Knauf

Die glatte Oberfläche gilt für die einzelnen Platten selbst, doch dazwischen ergeben sich zwangsläufig Fugenbereiche. Außerdem können Befestigungsmittel, mit denen der Gipskarton am jeweiligen Untergrund fixiert wurde, für Unebenheiten sorgen. Deshalb ist das richtige Verspachteln so wichtig. Nur so ist eine einheitlich planebene Gesamtoberfläche realisierbar. Außerdem sorgt erst die Spachtelmasse in den Fugen für die gewünschte Stabilität kompletter Gipsplattenwände.

Doch Spachteln ist nicht gleich Spachteln. Je nach gewünschter Endbeschichtung unterscheidet man vier verschiedene Qualitätsstufen (Q1 bis Q4). Will man die Gipskartonplatten mit Fliesen, Platten oder dickschichtigen Putzen beschichten, genügt eine Grundverspachtelung (Q1). Dafür füllt man einfach die Fugen zwischen den Platten beziehungsweise die Randfugen zu anderen Wand-, Boden- und Deckenbereichen mit einer geeigneten Spachtelmasse und überspachtelt zudem die sichtbaren Befestigungsmittel.

Raufasertapeten sind auch auf Gipsplattenuntergründen die beliebteste Innenwandbeschichtung der Deutschen. Bei dieser Variante wird eine Verspachtelung nach Qualitätsstufe 2 empfohlen (Q2). Diese bezeichnet man auch als Standardverspachtelung. Q2 umfasst neben der Grundverspachtelung (Q1) ein zusätzliches Nachspachteln der Fugen und Befestigungsmittel mit Feinspachtelmasse (Finish). Ziel ist ein möglichst stufenloser Übergang der Spachtelbereiche zur sonstigen Plattenoberfläche.

Der Q2-Standard wird nicht nur bei Raufasertapeten, sondern bei allen mittel bis grob strukturierten Wandbekleidungen empfohlen – zum Beispiel bei Oberputzen mit einer Körnung > 1 mm, aber auch bei stumpfmatten bis matten Anstrichen.

Bewehrungsstreifen

Zusätzliche Bewehrungsstreifen verstärken die Spachtelfuge und beugen Rissbildungen vor. Foto: Knauf

Zusätzliche Bewehrungsstreifen verstärken die Spachtelfuge und beugen Rissbildungen vor. Foto: Knauf

Oft ist es sinnvoll, die Fugen nicht nur mit Spachtelmasse zu füllen, sondern sie zusätzlich mit einem Bewehrungsstreifen zu überkleben. Diese auch Fugendeckstreifen genannten Produkte verstärken die Spachtelfuge und beugen einer späteren Rissbildung vor. Erhältlich sind neben Streifen aus Spezialpapier auch Glasfaser- und Gitterstreifenbewehrungen zum Einlegen in die Fugenspachtelmasse. Welche Variante die Richtige ist, hängt von der jeweiligen Kantenform der Gipskartonplatten – zum Beispiel halbrunde, abgeflachte halbrunde oder volle Kante – und von der verwendeten Spachtelmasse ab.

Diese beiden Faktoren entscheiden auch darüber, ob der Einsatz von Bewehrungstreifen überhaupt empfohlen wird. Nach Angaben des Herstellers Knauf sind Bewehrungstreifen zum Beispiel überflüssig, wenn die Gipsplatten über halbrunde Längskanten (HRK) oder über halbrunde abgeflachte Längskanten (HRAK) verfügen und zugleich zur Fugenfüllung der gipsbasierte Fugenspachtel Uniflott verwendet wird. In der Regel kann man den Herstellerangaben des Fugenspachtels entnehmen, unter welchen Bedingungen Fugendeckstreifen empfohlen werden.

Sonderverspachtelungen

Bei den Qualitätsstufen Q1 und Q2 wird der Gipskarton nicht vollflächig, sondern nur punktuell im Bereich der Fugen und Befestigungsmittel verspachtelt. Diese Behandlungsmethode ist aber nicht für alle Beschichtungsarten ausreichend. Bei feinstrukturierten Tapeten und Anstrichen (matt) sowie Oberputzen mit einer Körnung < 1 mm empfiehlt sich zum Beispiel häufig eine Sonderverspachtelung mit Q3-Oberfläche.

Q3 umfasst die Standardverspachtelung Q2, wobei die Fugen aber breiter ausgespachtelt und meist auch zusätzlich geschliffen werden. Außerdem verschließt man die Poren der gesamten Plattenoberfläche mit Spachtelmasse. Dafür kommen meist dünnflüssige Spritzspachtel zum Einsatz, die sich rationell mit einem Airless-Gerät aufspritzen lassen. Anschließend wird die Spritzmasse scharf abgezogen, sodass tatsächlich nur die Kartonporen verschlossen werden, jedoch keine vollflächige Spachtelbeschichtung entsteht.

Bei Q4-Oberflächen dagegen ist eine vollflächige Spachtelbeschichtung tatsächlich das Ziel. Bei dieser Sonderverspachtelung für höchste optische Anforderungen erfolgt im Anschluss an die Q2-Standardverspachtelung noch ein vollflächiges Überziehen und Glätten der gesamten Gipskartonoberfläche mit einer Spachtelschicht von ein bis zwei Millimeter Dicke. Auch dieser Arbeitsgang ist am effektivsten mit einem Airless-Gerät zu erledigen. Anschließend wird die Gesamtfläche geschliffen.

Q4-Oberflächen empfehlen sich zum Beispiel als Untergrund für glatte und/oder glänzende Wandbekleidungen wie Metall- oder Vinyltapeten, für Lasuren sowie bei hochwertigen Spachteltechniken wie etwa Stuccolustro (Marmornachbildung).

Übliche Spachtelmassenarten

Die vollflächige Endbeschichtung bei Q4-Oberflächen ist mit dem Airless-Gerät besonders effektiv. Foto: Knauf

Die vollflächige Endbeschichtung bei Q4-Oberflächen ist mit dem Airless-Gerät besonders effektiv. Foto: Knauf

Für die Grund- und Standardverspachtelung von Gipsplatten (Q1 und Q2) verwendet man üblicherweise gipsgebundene Spachtelmassen, die in der Regel als pulverförmige Sackware angeboten werden und die man vor dem Verarbeiten noch mit Wasser anrühren muss. Diese trocknen relativ schnell durch eine chemische Reaktion zwischen dem Wasser und Gips. Man spricht hier vom so genannten Abbinden. Damit dieser Prozess einwandfrei funktioniert, sind unbedingt die Verarbeitungshinweise der Hersteller zu beachten, insbesondere auch die Angaben zum korrekten Anrühren des Pulvers (zunächst „sumpfen“ lassen, erst dann umrühren).

Für die abschließende, vollflächige Verspachtelung von Q3- und Q4-Oberflächen sowie für das Q2-Fugenfinish kommen dagegen häufig pastöse, kunststoffgebundene Spachtelmassen zum Einsatz. Diese Produkte sind nicht pulverförmig, sondern werden gebrauchsfertig im Eimergebinde angebunden. Sie benötigen eine längere Trocknungszeit, da sie nicht chemisch abbinden, sondern an der Luft trocknen.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: freierjournalist@rolandgrimm.com

 

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