RM Rudolf Müller
Fließfähiger Schaumbeton eignet sich auch zum Verfüllen von Hohlräumen im Tiefbau. Foto: Dyckerhoff

Fließfähiger Schaumbeton eignet sich auch zum Verfüllen von Hohlräumen im Tiefbau. Foto: Dyckerhoff

Grundstoffe des Bauens
09. November 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Was ist Schaumbeton?

Als Schaumbeton bezeichnet man fließfähige Frischbetone, denen neben Zement, Gesteinskörnungen und Wasser noch Schaumbildner beziehungsweise fertiger Schaum beigemischt wurde. Dadurch entsteht ein leichtes, porenreiches Material. Man spricht auch von Porenleichtbeton. Doch Achtung: Schaumbeton ist nicht mit den bekannten Porenbeton-Steinen für den Hausbau zu verwechseln!

Über Porenbeton-Mauerwerksteine haben wir auf baustoffwissen.de bereits in einem eigenen Beitrag informiert. Diese festen, maßhaltigen Baustoffe zur Errichtung von Gebäudewänden werden aus Sand, Kalk und Wasser geformt und mithilfe von heißem Wasserdampf gehärtet. Die Herstellung ist aufwändig und erfordert spezielle Produktionsanlagen. Die Porenbildung erfolgt durch die Zugabe einer kleinen Menge Aluminiumpulver. Das sorgt für eine chemische Reaktion, bei der Wasserstoffgas freigesetzt wird, wodurch sich im Steinmaterial kleine Gasblasen bilden.

Schaumbeton/Porenleichtbeton ist dagegen etwas ganz anderes und vor allem viel leichter herzustellen. Es handelt sich um Frischbeton, den man oft erst auf der Baustelle anrührt. Manche Hersteller bieten auch Fertigprodukte, die verarbeitungsfertig im Betonmischer auf der Baustelle angeliefert werden. Die Rohdichte von Schaumbeton variiert übrigens stark. Sehr leichte Mischungen erreichen Dämmwerte wie bei EPS oder Mineralwolle. Eingesetzt wird das fließfähige Material zum Beispiel zum Verfüllen von Hohlräumen und zur Herstellung leichter, wärmedämmender, aber dennoch tragfähiger Ausgleichschichten.

Einfache Herstellung

Der Porenleichtbeton Aerodur HB wird zum Beispiel für wärmedämmende, leichte Ausgleichsmassen im Dachbodenbereich verwendet. Foto: Dyckerhoff

Der Porenleichtbeton Aerodur HB wird zum Beispiel für wärmedämmende, leichte Ausgleichsmassen im Dachbodenbereich verwendet. Foto: Dyckerhoff

Die Herstellung von Schaumbeton erfolgt entweder im Werk oder direkt auf der Baustelle. Im zweiten Fall benötigt man vor Ort ein Schaumgerät. Das sind handliche, portable Geräte, in die sich Schaumbildner und Wasser füllen lassen und die daraus dann einen porenreichen Schaum erzeugen. Den rührt man anschließend unter den zu verarbeitenden Frischbeton.

Alternativ schäumen manche Hersteller den Beton auch bereits im Werk auf. Das geschieht dann im Rahmen eines verlängerten Mischprozesses, bei dem die Masse aus Zement, Gesteinskörnungen und Wasser direkt mit Schaumbildnern verrührt wird. Durch den Schaum bilden sich im Beton viele kleine geschlossene Luftporen. Das macht den Baustoff leichter und erhöht seine Wärmedämmleistung. Von Schaumbeton spricht man bei einem Luftporengehalt von mehr 30 Volumen-Prozent.

Übrigens ist Schaumbeton/Porenleichtbeton kein genormter Baustoff. Seine Soll-Eigenschaften und Verarbeitungsweise sind also nicht in DIN-Normen oder EN-Normen beziehungsweise in anderen anerkannten Regeln der Technik definiert. Für viele Anwendungsbereiche  (zum Beispiel tragende Bauteile) müssen die Hersteller daher eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) beantragen, damit ihr Produkt in der Praxis tatsächlich verwendet werden darf.

Eigenschaften

Wie der Name schon sagt, unterscheidet sich Porenleichtbeton von Normalbeton durch seine porenreiche Konsistenz und die daraus folgende geringere Dichte. Das führt zu Beton mit einem niedrigem Eigengewicht und vergleichsweise hoher Wärmedämmung. Je nach gewählter Rezeptur kann die Rohdichte aber stark variieren. Typische Praxiswerte liegen zwischen 0,4 und 1,6 kg/dm³.

Die Porosität und damit die Rohdichte des Materials hängt einerseits von der Größe und der Art der verwendeten Gesteinskörnungen ab (dichte oder porige Zuschläge) und andererseits natürlich von der Menge des beigemischten Schaums. Normalerweise verwendet man für Schaumbeton nur relativ kleine Gesteinskörnungen. Das größte Korn misst in der Regel maximal 1–2 mm. Wie gesagt: Der Baustoff ist aber nicht genormt. Die jeweilige Rohdichte beeinflusst natürlich auch die Festigkeit des ausgehärteten Betons. Je dichter, umso fester. Allerdings nimmt dann auch die Wärmedämmwirkung zunehmend ab.

Verwendungsbereiche

Als leicht zu verarbeitendes flüssiges Material eignet sich Schaumbeton ideal für Verfüllungen aller Art: etwa für Hohlräume im Gebäudebereich (zum Beispiel Hohlraumdecken), aber auch für ausgediente Tanks, Röhren, Stollen und Kanäle. Die Wahl von Porenleichtbeton statt Normalbeton macht immer dann besonders Sinn, wenn vor Ort eine hohe Wärmedämmung der Verfüllmasse erforderlich ist oder deren Eigengewicht gering sein soll, damit darunter liegende Bauteile nicht zu stark belastet werden.

Diese Auswahlkriterien treffen auch für den zweiten großen Anwendungsbereich von Porenbeton zu: leichte Ausgleichsschichten für Decken und Flachdächer. Eine Schicht Schaumbeton auf dem Boden eines Dachgeschossbodens oder einer Holzbalkendecke kann bei der Altbausanierung zum Beispiel gleich mehrere Zwecke auf einmal erfüllen: Sie trägt zur Deckendämmung bei und dient als leichte Trag- und Sauberkeitsschicht zum Ausgleich von Unebenheiten. Dasselbe gilt für die Anwendung als wärmedämmende Ausgleichsschicht auf Flachdächern. Ein anderer typischer Einsatzbereich ist zum Beispiel die Wärmedämmung unterhalb von Estrichen.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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