In Fußballstadien müssen die Bauteilfugen der Zuschauertribünen enormen Belastungen standhalten – nicht nur Wind und Wetter, sondern auch zehntausende springende und stampfende Fans. Im umgebauten Stadion des Karlsruher SC hat man die Fugen mit Materialien des Bauchemiespezialisten Sika dauerhaft abgedichtet.
Seit Ende 2018 wird das bestehende Stadion des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC im laufenden Spielbetrieb zu einem reinen, modernen Fußballstadion umgebaut. Am Abend des 19. Juli findet nun die offizielle Neueröffnung des neuen „BBBank Wildpark“ statt. Der KSC wird zu diesem Anlass ein Freundschaftsspiel gegen Jürgen Klopps FC Liverpool bestreiten.
Abdichtung auf 52 km Länge

Im umgebauten Wildpark finden rund 34.000 Fans Platz. Die Betontribüne umfasst 40 Zuschauerreihen, die sich im weiten Rund um das Spielfeld ziehen und Bauteilfugen in einer Gesamtlänge von 52 km aufweisen. Zu deren Abdichtung kamen Fugendichtstoffe von Sika zum Einsatz.
„Ein Stadion-Neubau ist ähnlich einem Puzzle, das zusammengesetzt wird“, sagt Rainer Kirchmann aus dem Sika-Geschäftsbereich Kleben & Dichten Bau. „Und viele Puzzleteile, samt der Bauteilfugen dazwischen, werden abgedichtet.“ Die durchschnittliche Fugenbreite im Wildpark betrug 20 mm mit Ausreißern nach unten und oben. Rainer Kirchmann: „Bei den überdimensionierten Fugen um 50 mm Breite waren nicht nur mehr Material, sondern auch handwerkliches Geschick und Routine erforderlich. Über beides verfügt unser langjähriger Partner, der die Arbeiten durchführte.“
Zur Abdichtung kamen die Fugendichtstoffe „Sikaflex Pro-3“ und – nach der Produkteinführung im Frühjahr 2022 – auch das neue Produkt „Sikaflex Pro-3 Purform“ zum Einsatz. „Das Produkt ist äußerst langlebig, robust, altersbeständig sowie dehn- und stauchfähig und eignet sich daher sehr gut für einen Einsatz in Stadien, in denen die Fugen großen Schwingungen ausgesetzt sind“, erläutert Kirchmann.
Für die Verfugungsarbeiten war Ramiz Smajli aus Hülben zuständig, der die Lösungen der Sika sehr gut kennt und über Erfahrungen aus anderen Stadien in der Region verfügt.
Einsatz von PE-Rundschnur und Brandschutzschnur

Zuerst setzten acht Mitarbeiter des Unternehmens Ramiz Smajli Bauabdichtungen aus Hülben abschnittweise die Rundschnur. Dabei handelt es sich entweder um eine geschlossenzellige PE-Rundschnur oder, wo vorgegeben, um eine Brandschutzschnur.
Die Feuerwiderstandsklasse F90 nach DIN 4102 musste zum Beispiel auf der neuen Westtribüne im Hospitality-Bereich erreicht werden. Dort kam die feuerwiderstandsfähige Fugenhinterfüllschnur „Sika Backer Rod Fire“ mit einem Durchmesser von 30 mm zum Einsatz. Die aus Steinwolle bestehende Brandschutzschnur verhindert, dass sich Flammen ungehindert über die Fuge ihren Weg suchen können. Auf insgesamt 10 km Länge wurde sie mit einem stumpfen Werkzeug in die vorbereitete Fuge eingebracht.
Die anschließende Vorbehandlung der Fugenflanken erfolgte händisch mit der Grundierung „Sika Primer-3N“. Dieser einkomponentige Reaktionsprimer eignet sehr gut sich für poröse, saugende Untergründe wie Beton . Nachdem die Rundschnüre gesetzt und die Fugenflanken vorbehandelt waren, konnte schließlich verfugt werden.
Umstieg auf die Purform-Technologie

Zu Beginn der Bauarbeiten im KSC-Stadion wurde ab Ende 2018 zunächst der einkomponentige PU-Hochleistungsdichtstoff Sikaflex Pro-3 in Betongrau verwendet. Rainer Kirchmann: „Das Produkt eignet sich hervorragend für die Anwendung in Stadien, da es eine geringe Kerbempfindlichkeit und einen hohen Weiterreißwiderstand hat“.
Im Frühjahr 2022 erfolgte der Produktwechsel zu Sikaflex Pro-3 Purform, der neuen Technologie aus dem Hause Sika. Diese zeichnet sich durch eine schnellere Durchhärtung und einen rascheren Haftungsaufbau, auch bei niedrigen Temperaturen, aus. Der Einbau erfolgte mit akkubetriebenen Verarbeitungsgeräten.
Die Produktumstellung bereitete auf der Baustelle keine Probleme. „Die Verarbeitung unterscheidet sich überhaupt nicht vom Vorgängerprodukt“, betont Ramiz Smajli. „Sikaflex Pro-3 Purform reagiert nur schneller und ist daher vor allem im Sommer zügiger zu glätten.“
Der Umstieg auf Purform hat zudem einen weiteren praktischen Vorteil. Im August 2023 tritt die neue REACH -Verordnung in Kraft, die eine Schulungspflicht für Polyurethan-Produkte vorsieht, die mehr als 0,1 % monomere Diisocyanate enthalten. Da das Purform-Produkt diesen Grenzwert nicht überschreitet, entfällt in diesem Fall die Schulungspflicht.
Purform-Produkte zeichnen sich nach Angaben von Sika aber nicht nur durch den geringen Gehalt an monomerem Diisocyanaten aus, sie sind auch schneller in der Durchhärtung und im Haftungsaufbau sowie sehr beständig dank eines starken und flexiblen Polymernetzwerks. Zudem eignen sie sich auch für nachhaltige Bauvorhaben mit Zertifizierung nach DGNB oder LEED.